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Prozess in Luxemburg: Erzieher sollen Kinder an Stühle gefesselt haben - Kritik an Unterbesetzung

Prozess in Luxemburg: Erzieher sollen Kinder an Stühle gefesselt haben - Kritik an Unterbesetzung

Drei Erzieher müssen sich in Luxemburg vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, zwischen 2008 und 2009 in einer Kita immer wieder Kinder mit Klebeband an Stühle gefesselt zu haben. Der Prozesstag am Mittwoch zeigte, dass die Kindertagesstätte offenbar chronisch unterbesetzt war.

Der Richter wollte sich ein Bild über Abläufe in der Kindertagesstätte im Luxemburger Stadtteil Bonneweg verschaffen. Ein Gemeindebeamter sprach als erster Zeuge. Er hatte im Januar 2010, also kurz nachdem die Vorfälle aus der so genannten "Maison relais" an die Öffentlichkeit kamen, einen Artikel in der Zeitung des Landesverbandes geschrieben, wo er auf die Zustände in der Tagesstätte zu sprechen kam, berichtet das Tageblatt in Luxemburg . Seit Mitte der 90er Jahre sei bekannt gewesen, dass Personal gefehlt habe. "1999 fehlten offiziell 16 bis 17 Erzieher in den Einrichtungen der Hauptstadt. Während der Jahre 2008 bis 2009 hatte sich die Situation nicht wirklich verbessert", erklärte der Zeuge.

12 bis 15 Kinder pro Betreuer

Auf neun Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren muss laut Gesetz ein Betreuer aufpassen. In Ausnahmefällen können diese Zahlen um 33 Prozent überschritten werden. In der besagten "Maison relais sei die Ausnahme jedoch die Regel gewesen. Fast immer kamen mindestens 12 bis 15 Kinder auf einen Betreuer.

Der Richter wollte von dem Zeugen wissen, wie man in einer Situation richtig handeln solle, in der ein Betreuer auf elf Kinder alleine aufpassen musste, ein Kind schwer zu bändigen gewesen sei und zudem noch kochend heißes Wasser auf dem Tisch stand. Auf diese Frage wusste der Gemeindebeamte jedoch auch keine Antwort. Diese Situation sei schwer zu meistern gewesen, ohne das Wohl der anderen Kinder zu gefährden.

Als zweiter Zeuge wurde ein Sozialpädagoge gehört, der während der Vorfälle in Bonneweg gearbeitet hat. "Ich habe noch in keinem anderen Viertel so viele Kinder mit spezifischem Verhalten angetroffen wie in der "Maison relais" in Bonneweg, und dennoch war das Personal die ganze Zeit unterbesetzt", erläuterte der Zeuge. In anderen Gegenden sei das nicht der Fall gewesen. Mehrmals habe man die Verantwortlichen auf die Unterbesetzung des Personals hingewiesen und um Aufstockung gebeten.

Die Direktionsbeauftragte habe sich auch mit einer Mail, die dem Gericht vorlag, an die Verantwortlichen des gesamten Netzwerkes der hauptstädtischen "Foyers scolaires" gerichtet. Teilweise würden 137 Kinder auf zwölf Erzieher kommen. "Die Sicherheit der Kinder und der Betreuer ist nicht mehr gewährleistet", schrieb die Direktionsbeauftragte in ihrer Mail im Juni 2009. Die Situation hat sich jedoch nie zum Besseren geändert.

Keine genauen Zahlen

Als letzter Zeuge wurde einer der Verantwortlichen der hauptstädtischen "Foyers scolaires" in den Zeugenstand gerufen. 2.700 Kinder liegen im ganzen Stadtgebiet in seinem Aufgabenbereich. Die Mail der Direktionsbeauftragten hatte er laut eigenen Aussagen erhalten. Er konnte sich jedoch nicht an die genauen Zahlen erinnern, als es zu den Vorfällen mit dem Klebeband kam. Diese Zahlen liegen dem Bericht jedoch vor. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Quelle: Tageblatt.lu