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Prozess um Messerstecherei an Luxemburger Tankstelle geht weiter

Prozess um Messerstecherei an Luxemburger Tankstelle geht weiter

Wegen einer Lappalie ist es am 23. Dezember 2012 an der Kasse der Escher Tankstelle „Terres Rouges“ auf der „Grenz“ zu einer Messerstecherei gekommen. Asmir M. hatte daraufhin den 31-jährigen Hakim M. in einem regelrechten Blutrausch getötet. Das berichtet das luxemburger Tageblatt. Nun der Mann in Luxemburg vor Gericht.

Neben dem Angeklagten Asmir M. sind am Dienstag auch Ernad D. und Mirsad C. als Mittäter sowie Tharek G. als Begleiter des Opfers vor der Kriminalkammer angetreten.

Der Rechtsmediziner sprach am Dienstag im Zeugenstand von einer erheblichen Gewalt, mit der mindestens fünf der insgesamt sieben Stichwunden ausgeführt worden seien. Das Opfer habe nicht die geringste Chance gehabt, diese Attacke zu überleben, sagte der Experte. Ein Ermittler schilderte dann Einzelheiten zum Tathergang. Er war es auch, der die Tatwaffe an sich nahm.

Angeklagter hatte eine schwierige Jugend

Der Onkel des beschuldigten Asmir M. wurde von dessen Verteidiger mit einer Dolmetscherin in den Zeugenstand zitiert. Er sprach von einer schwierigen Jugend des Angeklagten unter einem strengen Vater. Sein Neffe habe seit seinem 14. Lebensjahr gearbeitet, sei früh in die Armee eingezogen und an der gefährlichen Grenze zu Albanien eingesetzt worden.

Der Vorsitzende Prosper Klein wollte nicht in die Politik abgleiten und fragte den Zeugen, ob sein Neffe im Bürgerkrieg gelitten habe, was dieser nicht bestätigen konnte. Die Frage, ob die massive Messerstecherei des Beschuldigten im Jahr 2002 ihn nicht habe hellhörig werden lassen, ging an dem Selbstverständnis des Zeugen vorbei. Dieser machte auf die fatale Wirkung von Beruhigungspillen und Alkohol aufmerksam, um seinen Neffen aus der Schusslinie zu nehmen.

Der Vorsitzende wies den Zeugen darauf hin, dass die Fakten dafür sprächen, dass das Opfer reglos mit dem Rücken auf dem Boden gelegen und sein Neffe ihn keineswegs in einem offenen Kampf erstochen habe. Er solle sich also keinen Illusionen hingeben über die Brutalität der Tat.

Bei der anschließenden Anhörung der Angeklagten drückte Asmir M. sein Bedauern über die Ereignisse aus, konnte jedoch sonst nicht viel zu seiner Entschuldigung vorbringen.

Prosper Klein erinnerte daran, dass er und seine drei Kumpanen die Auslöser des fatalen Streits gewesen seien, da sie sich an der Kasse der Tankstelle vorgedrängt hätten. Asmir M. sagte, er sei in Panik geraten, weil einer gerufen habe, Hakim M. würde sie alle umbringen.

Laut den Kameras habe er sich nicht angegriffen fühlen können, als er sich über das Opfer gebeugt habe, um ihm die tödlichen Stiche zu versetzen, so der Vorsitzende. Asmir M.: "Ich habe die Mordgelüste in seinen Augen gesehen!"

Er habe keine Einsicht, meinte Prosper Klein, dem der Beweis geliefert wurde, dass er diese auch nicht von seinen Freunden zu erwarten hatte. Ernad D. sagte, kein Messer bei Asmir M. gesehen zu haben. Anhand der Fotos der Überwachungskameras wollte der Vorsitzende ihn zur Aussage bewegen, er habe das Opfer zu Fall gebracht. Doch der Angeklagte behauptete, das Opfer sei gestolpert, was wegen der schlechten Bildqualität nur schwer zu widerlegen war.

Mirsad C., dessen Verfahren die Staatsanwaltschaft einstellen wollte, war ein eher beschwichtigendes Element in dem ganzen Streit. Tarek G. dagegen wird vorgeworfen, dem Opfer etwas zu tatkräftig zur Hilfe gekommen zu sein. Der Vorsitzende wollte hierzu das Plädoyer des öffentlichen Anklägers abwarten, ob Körperverletzung gegen ihn zurückbehalten werde, was dieser verneinte. Jedenfalls konnte am Dienstag nicht festgestellt werden, wer das Opfer zu Fall brachte.

82.000 Euro für die Familie des Opfers

Nach einer kurzen Pause präsentierte die Nebenklägerin im Namen der Familie des Opfers deren Forderung von insgesamt 82.000 Euro.

Der Prozess wird am Mittwoch (24.09.14) mit den Plädoyers der Verteidiger und dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft fortgesetzt. ck