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Rauschebärte, Lederlook und Harley Davidson

Rauschebärte, Lederlook und Harley Davidson

ZZ Top haben auf ihrer Tour zum Album "La Futura" in der Rockhal in Esch Station gemacht. Mit etlichen ihrer größten Hits erfüllten sie Erwartungen von 4000 Fans und boten einen soliden Blues und -Rockabend.

Mit je 65 Jahren gehören Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard auch schon zu den Rock-Opas, ihre Band ZZ Top besteht seit 1969. Aber wie die Rolling Stones und andere Urgesteine dieser Generation lassen sie noch lange nicht von der Bühne ab, zeigen vielmehr beachtlich kraftvoll, wo der Hammer hängt.

Und sie sind angesagt: 4000 Menschen sind zu ihrem Konzert in die Rockhal Esch geströmt. Vielleicht liegt es daran, dass ZZ Top in jeder Hinsicht verlässliche und zeitlose Größen sind, von der Musik bis hin zum sorgfältig kultivierten Image.

Wie schon seit Jahrzehnten schwenken die beiden Frontmänner, Gibbons an der E-Gitarre und Hill am Bass, die vergilbten Filzmatten ihrer langen Rauschebärte durchs Scheinwerferlicht. Die haben sie sich selbst für Millionen-Dollar-Gebote einer Rasierklingenfirma nicht abnehmen lassen. Auch ihre weiteren Markenzeichen, den zerknautschten Texas-Cowboy-Lederlook mit Hüten, Sonnenbrillen, dicken Halsketten und Fingerringen tragen sie zur Schau. Abgerundet wird diese Raue-Jungs-Ästhetik durch ein schnörkelloses Bühnenbild im Harley-Davidson-Look mit wuchtigem Schlagzeug und chromglänzenden Mikrofon-Ständern, die an Auspuffrohre erinnern.

Und dann röhrt ihre Bluesrock-Maschine los, gut geölt zwar, aber sich trotzig gegen jede neuzeitliche technische Sterilität stemmend. Rotzig und kratzig ist der Sound, den eine immer dreckig verzerrt klingende E-Gitarre, knurriger Gesang und das stampfende Schlagzeug in den Saal schicken. ZZ Top bieten ihrer Fangemeinde, was sie erwartet, etliche ihrer größten Erfolge wie "Gimme All Your Lovin", "I'm Bad, I'm Nationwide", "I Gotsta Get Paid", "Fly High" oder "Sharp Dressed Man". Das ist solide Kost, die mit so melodiösen wie prägnanten Riffs und eingängigen Rhythmen anspricht. Sie hat hohen Wiedererkennungswert, bietet aber, vom Hitfaktor einiger Lieder abgesehen, auch keine Höhepunkte.

Überraschungen bleiben aus, denn die Stücke klingen recht ähnlich. Selbst bei einer Jimi-Hendrix-Coverversion von "Foxy Lady" verzichtet die Band auf variantenreiche Ausgestaltung. Damit bringen ZZ Top nicht die gesamte Menge zum Toben, wohl aber einzelne Fans. Kollektiv getobt wird erst, als das Hauptkonzert recht früh, nach 70 Minuten, endet. Dann gibt es vehemente Forderungen nach mehr. Die Band liefert zwei Titel nach, "La Grange" und "Tush". Dabei drehen sie so auf, dass die Fans garantiert gute Erinnerungen mitnehmen. ae