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Soll Cannabis-Konsum straffrei werden?

Soll Cannabis-Konsum straffrei werden?

Nun hat auch das Großherzogtum seine Debatte über die Legalisierung von Drogen. Der Konsum von Cannabis solle entkriminalisiert werden, fordert der Chef des nationalen Suchtpräventionszentrums (Centre de prévention des toxicomanies) in Luxemburg.

Luxemburg. Seit der Liberalisierung des Konsums in den US-Staaten Colorado und Washington Anfang dieses Jahres ist auch in Europa die Diskussion um eine Entkriminalisierung oder gar eine Liberalisierung von Cannabis wieder entfacht worden. Der Direktor des Centre de prévention des toxicomanies (CePT), Jean-Paul Nilles, hat nun bei der Vorstellung des Jahresberichts 2013 die Meinung vertreten, Repression sei nicht der richtige Weg.
In einigen Ländern der EU ist die Cannabis-Politik schon jetzt sehr liberal. In Portugal, Spanien, den Niederlanden und Tschechien müssen Konsumenten - unter verschiedenen Bedingungen - keine Strafe fürchten. So bleibt etwa in Spanien das "Kiffen" in der Öffentlichkeit verboten, während in den niederländischen Coffee-Shops der Kauf auf fünf Gramm pro Tag und Person begrenzt ist. Man müsse aufpassen, dass man von der Entwicklung im benachbarten Ausland nicht überrascht werde, sagt CePT-Direktor Nilles. Deshalb bestehe auch in der nationalen Drogengesetzgebung Handlungsbedarf. "Wir müssen handeln, sonst werden wir überrollt."
Keine komplette Freigabe


Nilles fordert, den Cannabis- Konsum für straffrei zu erklären, ohne jedoch für eine komplette Freigabe dieses Rauschmittels zu plädieren. Darüber, welches Modell für Luxemburg das geeignete wäre, wollte er sich jedoch nicht äußern. Diese Entscheidung sei Sache der Politik.
Problematisch sei zum Beispiel eine Altersgrenze für legalen Cannabiskonsum, sagt Nilles: Ab wann dürfte man, bis wann noch nicht? Verschiedene Pilotprojekte in verschiedenen Städten des Großherzogtums seien wegen der kleinen Landesfläche nicht realistisch. Klar sei jedoch, dass der Weg der Repression nicht zum angestrebten Ziel führe. Es sei nicht die Aufgabe des Zentrums, mit erhobenem Zeigefinger zu predigen, sagte Nilles. Cannabis sei längst in der Gesellschaft angekommen. Man müsse sich dieser Situation stellen.
Etwa ein Drittel der Anfragen beim CePT handeln von Cannabis. Dass sich jedoch in dieser Legislaturperiode etwas ändert, ist unwahrscheinlich: Im Koalitionsprogramm ist die Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums nicht vorgesehen.
Die Autoren sind Redakteure beim Luxemburger Tageblatt.Extra

Das luxemburgische Centre de prévention des toxicomanies richtet sich vor allem an ein erwachsenes Publikum, das (noch) keine Probleme mit Drogen hat. Ein Beispiel ist die Kampagne "Keen Alkohol ënnert 16 Joer - Mir halen eis drun!", die Gastwirte auffordert, keinen Alkohol an diese Altersgruppe auszuschenken. Aufgabe der Stiftung ist es, eine gesunde Lebensführung zu fördern, wobei es besonders um die Vermeidung jeglicher Form von Drogenabhängigkeit geht.