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Sondereinsatzkommando greift in Petingen zu

Sondereinsatzkommando greift in Petingen zu

Ein Großeinsatz von Polizei-Spezialkräften sorgt in dieser Woche im Großherzogtum für Gesprächsstoff. In Petingen, einem Ort im Südwesten Luxemburgs nahe der belgischen Grenze, nimmt ein Sondereinsatzkommando einen Mann fest und durchsucht seine Wohnung. Die Staatsanwaltschaft spricht von Ermittlungen mit islamistischem Hintergrund.

Petingen/Luxemburg. Mittwochmittag, der Bahnhof von Petingen. Ein junger Mann mit einem kleinen Bart steigt aus dem Zug und will Richtung Ausgang gehen. Plötzlich springen mehrere Männer auf ihn los und überwältigen ihn innerhalb weniger Sekunden. Handschellen klicken. Der Mann bekommt seine Rechte vorgelesen. Die Beamten der luxemburgischen Spezialeinheit USP (Unité Spéciale de la Police) nehmen ihm seine Hausschlüssel ab. Der junge Mann wird zur Vernehmung abgeführt.
Fast zeitgleich wird das Zentrum von Petingen abgeriegelt. Die place du Marché und die rue Jean-Baptiste Gillardin sind dicht. Überall Polizei und Männer des Sondereinsatzkommandos. Sie haben ein Ziel: Das Café Hacienda. Mehrere Geschäfte und eine Versicherungsagentur werden evakuiert. Dann stürmt die USP mit Hunden die Kneipe. Die schockierten Gäste werden einzeln gefilzt.
Derweil steigen Beamte im Treppenhaus in den ersten Stock und öffnen mit dem Schlüssel des Verdächtigen sein Einzimmer-Studio. Der Raum wird peinlichst genau untersucht.
Alle Gäste müssen raus


Die Gäste werden aus der Kneipe gebracht. Dies diene der eigenen Sicherheit, heißt es. Fast drei Stunden lang wird mit Hilfe von Zielfahndern der Kriminalpolizei das Zimmer auf den Kopf gestellt. Dann ziehen sie ab.
Albulane wird der Festgenommene hier in der Kneipe genannt. Er wird als wirre Person bezeichnet. "Ist er nüchtern, dann ist er ein bekennender Katholik. Ist er betrunken, dann ein gläubiger Moslem", erzählt der Besitzer der Kneipe. Der 27-jährige Mann kommt wohl aus Albanien. Lebt aber seit Jahren in Luxemburg. Vor nicht allzu langer Zeit sei er in ein Zimmer in einem Seitentrakt der Kneipe gezogen. Bis auf sein "Geschwätz" sei er unauffällig gewesen. Der Wirt spricht von familiären Problemen.
Albulane wird nach einer mehrstündigen Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt. Aus Mangel an Beweisen, heißt es am Tag nach der Aktion zunächst von Seiten der Justiz. Am Nachmittag desselben Tages dann die Wende: Nach langem Hin und Her bestätigt Staatsanwalt Georges Oswald, dass es in dem Fall einen islamistischen Hintergrund gibt.
Dünne Beweislage


"Gegen den Mann werde wegen Waffendelikten und Aufruf zum Hass ermittelt", so Oswald. Die Beweislage wirkt irgendwie dünn. Obwohl der 27-Jährige wieder auf freiem Fuß ist, bleibt er im Visier der Ermittler. Der Mann wird überwacht. Das bestätigt auch der Kneipenbesitzer. Er spricht von geparkten Fahrzeugen vor der Kneipe. "Die wechseln sich hier alle paar Stunden ab. Ein Fahrzeug fährt weg, das nächste stößt in die Parklücke. Es sind immer zwei in dem Fahrzeug", sagt er und zieht dabei nervös an einer Zigarette. Er versteht den ganzen Aufwand nicht. Er hat Angst, dass ihm die Kundschaft ausbleibt.
Der Autor ist Redakteur beim Luxemburger Tageblatt.Extra

Sondereinsatzkommando greift in Petingen zu
 Im ersten Stock dieses Hauses am Marktplatz der Ortschaft haben die Ermittler ein Zimmer durchsucht.
Im ersten Stock dieses Hauses am Marktplatz der Ortschaft haben die Ermittler ein Zimmer durchsucht.

Einen Tag nach dem Zugriff in Petingen kam es zu erheblicher Aufregung in der Hauptstadt Luxemburg. Bei einem Streit im Bahnhofsviertel zog am Donnerstagabend ein Mann eine Schusswaffe. Die Polizei, die mit mehreren Streifenwagen zum Großeinsatz ausgerückt war, überwältigte den Mann. Wie das Luxemburger Tageblatt am Freitag in seiner Online-Ausgabe berichtete, war den Beamten gegen 20.15 Uhr via Notrufzentrale aus der Avenue de la Gare ein Streit zwischen zwei Männern gemeldet worden. Mehrere Polizeistreifen eilten sofort ins Bahnhofsviertel und griffen ein. Der Waffenträger wurde in Handschellen abgeführt. Niemand wurde verletzt. Details über die Hintergründe wurden nicht bekannt. tgbl