Staatsfinanzen in bester Verfassung

Staatsfinanzen in bester Verfassung

Die finanzielle Situation des Großherzogtums könnte gesünder nicht sein. Und Luxemburg steht sogar noch deutlich besser da als andere Länder mit AAA-Ratings.

Luxemburg Mehr geht nicht: Die Rating-Agentur Fitch hat das Triple-A für Luxemburg erneut bestätigt. Kein anderes Land mit einem AAA-Rating hat dermaßen gesunde Staatsfinanzen wie das Großherzogtum. Und das dürfte nach Ansicht von Fitch auch in Zukunft so bleiben, denn der Ausblick für Luxemburg ist "stabil".
Rating-Agenturen stehen aber auch immer wieder in der Kritik, eine eigene Agenda zu verfolgen und vor allem durch das Herabstufen der Kreditwürdigkeit von Ländern deren Situation noch zu verschlimmern, indem sich dadurch die Kreditkonditionen noch weiter verschlechtern, als sie es ohnehin schon sind. So haben die Herabstufungen von griechischen und portugiesischen Staatsanleihen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem massiven Angebotsüberhang an Bonds geführt. Das führte zu einer Explosion der Zinsspreads, was eine Ausgabe neuer Staatsanleihen fast unmöglich machte.
Das öffnete anderen Geldgebern die Tür. Und so kam die Troika ins Spiel, die Lissabon und Athen knallharte Austeritätsprogramme diktierte, und so eine massive Rezession auslöste, mit all den negativen Folgen für Arbeitsplätze, Löhne, Renten und Staatsfinanzen.
Luxemburg bleibt eine Troika erspart. Die öffentlichen Finanzen sind eine der großen Stärken des Großherzogtums. Das schreibt auch Fitch in der Begründung seiner Bewertung. Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre weist die öffentliche Hand einen Haushaltsüberschuss von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf. Der Median aller Länder mit einem AAA-Rating liegt hingegen mit 0,3 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) im Minus.
Und die Situation Luxemburgs hat sich in den vergangenen beiden Jahren sogar noch deutlich verbessert. Während der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre bei 1,2 Prozent Überschuss lag, waren es 2015 schon 1,5 und im vergangenen Jahr sogar 1,6 Prozent.
Auch für das laufende und das kommende Jahr geht Fitch weiterhin davon aus, dass die öffentliche Verwaltung einen Überschuss erzielen wird. Fitch hebt in seiner positiven Bewertung des Großherzogtums auch das "hohe Pro-Kopf-Einkommen und das solide Wachstumspotenzial" hervor. Selbst eine Institution wie Fitch, die sicherlich nicht im Verdacht steht, mit sozialistischen Ideen zu sympathisieren, sieht in hohen Gehältern und einem starken Wachstum keinen Widerspruch - im Gegenteil: Die hohen Pro-Kopf-Einkommen sind Teil des Erfolgsrezepts Luxemburgs. Auch die Schuldenquote Luxemburgs, also das Verhältnis der Schulden der öffentlichen Verwaltung zum BIP, ist ausgesprochen gering. Und sie fällt. Gegenwärtig hat Luxemburg eine Schuldenquote von gerade einmal 20,6 Prozent. Das ist die niedrigste aller Länder mit einem AAA-Rating.
Das kräftige Wirtschaftswachstum dürfte zudem dazu führen, dass die Schuldenquote noch in diesem Jahr unter die 20-Prozent-Marke fällt. Zwar nimmt der Staat 2017 neue Schulden auf. Diese dienen aber hauptsächlich dazu, alte Schulden abzulösen, so dass sich der Schuldenstand insgesamt nicht wesentlich verändert.

Der Autor ist Redakteur beim
Luxemburger Tageblatt.Extra: LUXEMBURGS WACHSTUM BEI 4,4 PROZENT


Die Rating-Agentur Fitch geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Luxemburg im laufenden Jahr um 4,4 und im kommenden Jahr sogar um 4,5 Prozent wachsen wird. Neben den niedrigen Zinsen ist es laut Fitch vor allem der Konsum der privaten Haushalte, der das Wachstum antreibt.

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