Umweltministerin Carole Dieschbourg will Luxemburg das Urban Farming schmackhaft machen

Umwelt : Eine Stadt zum Anbeißen

(tgbl) Die luxemburgische Umweltministerin Carole Dieschbourg will Luxemburg das Urban Farming schmackhaft machen. Luxemburgs Städte sollen ungenutztes Potenzial anzapfen.

Durch Urban Farming sollen die Städte in Luxemburg bunter werden und die Menschen in den Städten sollen wieder ein besseres Verhältnis zu ihrer Nahrung bekommen. Mit dieser Philosophie hat Umweltministerin Carole Dieschbourg gestern eine Strategie vorgestellt, mit der diese Art des Nahrungsmittelanbaus gefördert werden soll.

Die Städte in Luxemburg mit ihren ausgedehnten Parkanlagen und ihren blühenden Vorgärten sind bereits jetzt lebendig. Die Umweltministerin kommt allerdings nicht umhin, anzumerken, dass es immer noch graue, zubetonierte Flecken gibt und dass der Trend zu Steingärten in den Gemeinden sogar zunimmt – ungenutzte Fläche, die in Zukunft für den Anbau von Salat und Früchten genutzt werden könnte. Ziel ist es, ungenutzte Flächen wie Dächer, Fassaden oder Plätze zu benutzen, um dort dezentral Essbares anzubauen. Bio und lokal soll das Essen sein. Ziel ist es nicht, der Landwirtschaft auf den Feldern den Rang abzulaufen, sondern diese zu ergänzen und das ungenutzte Potenzial der Städte anzuzapfen.

Am besten, so die Idee, sollen die Flächen gleich mehrfach genutzt werden. Ein Gewächshaus auf einem Dach könnte, in Kombination mit Solarzellen, gleichzeitig der Energie- und Nahrungsmittelgewinnung dienen. Für die Bewässerung könnte zum Beispiel Regenwasser genutzt werden, das bislang ungenutzt abläuft, oder gereinigtes Abwasser, erklärt Bruno Renders, Direktor des „Conseil pour le développement économique de la construction“ (CDEC), der das Projekt geleitet hat.

In ihre Strategie will Dieschbourg sowohl zivilgesellschaftliche Bewegungen wie die Transitionsbewegung (die bereits Gemeinschaftsgärten in Luxemburg betreibt) als auch die Privatwirtschaft einbinden. Sie glaubt, dass sich durch Urban Farming neue ökonomische Nischen auftun können.

Bei der Planung der Strategie, so Dieschbourg, gelang es, sowohl Mitglieder der Transitionsbewegung wie auch Architekten an einen Tisch zu holen. Letztere können in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, wenn sie bereits beim Konzipieren von Bauwerken die Möglichkeit des Urban Farming mit einplanen.

Doch der Ministerin geht es nicht nur um buntere Städte und Pädagogik. Luxemburg produziert nur drei Prozent seines Obstes und seines Gemüses selbst. Bei Karotten, Rüben und Roter Bete sind es 14 Prozent, beim Blattsalat 8 Prozent, bei Tomaten unter einem Prozent. Beim Obst stammt nur gut jeder zehnte Apfel (12 Prozent) und jede zehnte Birne (11 Prozent) aus Luxemburg. Und: Nur jede hundertste Erdbeere, die hier gegessen wird, kommt aus Luxemburg. Ein Großteil des Obstes und Gemüses wird über Belgien und Frankreich eingeführt. Dabei ist lokale Nahrung, Essen also, das nicht von weit her transportiert werden muss, in. In einer Studie gaben 71 Prozent der Befragten an, sie seien bereit, mehr Geld für lokale Nahrungsmittel auszugeben.

„Dafür müssen lokale Nahrungsmittel aber erst einmal existieren“, sagt Dieschbourg. 86 Prozent der Befragten sagten, Luxemburg müsse mehr Nahrungsmittel selbst produzieren. Luxemburg soll mit der neuen Strategie ein Stück weit weniger von anderen Ländern abhängig werden und mehr selbst anbauen.

Zu der Strategie gehört auch, dass eine neue Internetplattform (www.urbanfarming.lu) ins Leben gerufen wurde, die Informationen zu dem Thema gibt. Das staatliche Karten-Portal (www.geoportail.lu) wurde um die Kategorie „Urban Farming“ ergänzt. Interessierte können sich hier auf den Karten von Luxemburg die Sonneneinstrahlung und die Lage von Flachdächern anzeigen lassen.

Der Autor ist Redakteur
beim Luxemburger Tageblatt.

Mehr von Volksfreund