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Bahnverkehr: Vom Ländchen direkt ins Saarland

Bahnverkehr : Vom Ländchen direkt ins Saarland

Ein Luxemburger Bauingenieur regt eine Zugverbindung nach Saarbrücken an. Im Großherzogtum setzt man zurzeit aber auf den Bus.

Mit dem Zug von Luxemburg ohne umzusteigen direkt nach Saarbrücken? Immer wieder wird eine solche Verbindung in die Diskussion gebracht. Vor neun Jahren waren es der damalige Merziger Oberbürgermeister und der saarländische Wirtschaftsminister, die eine ICE-Verbindung von Saarbrücken über Merzig und Konz nach Luxemburg vorschlugen. Realisiert worden ist das Projekt nicht – aus Kostengründen. Schon damals wurde auch eine neue Bahnstrecke von Merzig direkt nach Luxemburg ins Spiel gebracht. Doch auch aus dieser Idee wurde nichts. Auch aus Kostengründen.

Seitdem ist es ruhig geworden in Sachen Bahnverbindung vom Großherzogtum in die saarländische Landeshauptstadt. Das könnte auch daran liegen, dass es mittlerweile jede Stunde die Möglichkeit gibt, unmittelbar nach Ankunft des Zuges aus Luxemburg in Trier in den Regionalexpress nach Saarbrücken und Mannheim umzusteigen, um dort  Fernverkehrszüge zu nutzen, die es ja bekanntlich in Trier nicht mehr gibt. Umstiegsfrei fahren die Züge von Luxemburg aus jede Stunde bis nach Koblenz, einmal am Tag auch nach Düsseldorf. Außerdem gibt es seit Dezember alle zwei Stunden eine Direktverbindung von Luxemburg über Trier, Koblenz und Mainz nach Frankfurt.

Trotzdem steht nun wieder der Direktzug von Luxemburg nach Saarbrücken auf der Tagesordnung. Der 26-jährige Luxemburger Michel Bichler aus der Nähe von Bad Mondorf hat dafür gesorgt. Der Bauingenieur, der mittlerweile in München lebt, hat Anfang des Jahres auf seiner Internetseite pro-zuchstreck-luxsaar.info detaillierte Pläne samt Streckenführung veröffentlicht. Auf seiner Facebook-Seite wird seitdem das Für und Wider einer solchen Verbindung diskutiert.

Laut Bichler könnte der Zug von Saarbrücken bis Merzig auf bestehenden Schienen fahren, von dort aus müsste dann eine 37,6 Kilometer lange neue Bahnstrecke bis ins luxemburgische Contern gebaut werden, und von da ab soll es weiter auf bestehenden Gleisen gehen.

Der junge Ingenieur beschreibt sehr konkret, wie die Strecke verlaufen soll: Vom saarländischen Büschdorf soll es Richtung Remich in Luxemburg gehen, wo die Gleise dann die Mosel überqueren sollen. „Zwischen Remich und Contern wurde eine Trasse gewählt, welche die dazwischenliegenden Gemeinden sinnvoll anfährt, damit mehrere Bahnhöfe für die Region entstehen können“, schreibt er auf seiner Seite.

Bichler sieht vor allem für die zwischen der Grenzstadt Remich und Contern wohnenden Menschen einen Vorteil durch das von ihm entwickelte Projekt, weil sie dadurch eine Zugverbindung in die luxemburgische Hauptstadt erhielten. Und gegenüber dem Auto würde sich von dort die Fahrzeit mit dem Zug um bis zu 25 Minuten verkürzen.

„Auf deutscher Seite könnten weitere Bahnhöfe in Borg und Wehingen entstehen, welche für eine Anbindung der deutschen Moselseite sorgen würden. Über die bestehenden Bahnhöfe auf der Bestandsstrecke Trier-Saarbrücken könnten weitere Grenzgänger aus Deutschland für eine Anfahrt der luxemburgischen Hauptstadt einsteigen“, schreibt der 26-Jährige.

Für den Streckenneubau wird, so die Berechnungen Bichlers, noch ein drei Kilometer langer Tunnel benötigt. Und das treibt natürlich die Kosten für ein solches Projekt deutlich nach oben. Allerdings macht der Ingenieur dazu keine konkreten Angaben. Legt man jedoch zugrunde, dass man bei der Deutschen Bahn pro Kilometer Streckenneubau  Kosten von acht bis 17 Millionen Euro veranschlagt, scheint die Realisierung einer 30 Kilometer langen Trasse mit einem Tunnel nicht realisierbar zu sein.

Daher verwundert es nicht, dass sich im luxemburgischen Verkehrsministerium die Begeisterung über die Wiederbelebung der alten Idee einer Bahn-Direktverbindung nach Saarbrücken in Grenzen hält. Eine „Potenzialuntersuchung“ habe ergeben, dass der Schnellbus, der im Auftrag der luxemburgischen Bahn CFL zwischen Saarbrücken und Lu­xemburg verkehrt, „die nachfragegerechte Lösung für den Fern- und grenzüberschreitenden Verkehr“ sei, sagt eine Ministeriumssprecherin unserer Zeitung. Der Saarbrücken-Express, der von dem Unternehmen Emile Weber für die CFL bedient wird, fährt 15-mal am Tag, die Fahrzeit beträgt eine Stunde und 15 Minuten, ein Ticket kostet neun Euro.

Die Deutsche Bahn scheint durchaus Interesse an einer Direktverbindung nach Luxemburg zu haben, allerdings nicht über die vorgeschlagene Neubaustrecke. Der Konzernbeauftragte für das Saarland und Rheinland-Pfalz, Jürgen Konz, hatte Ende vorigen Jahres eine Verbindung von Saarbrücken über Dillingen, die französischen Orte Bouzonville und Thionville nach Luxemburg vorgeschlagen.