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Vorsicht, Freund hört mit - Luxemburger Mobilfunk im Visier der NSA

Vorsicht, Freund hört mit - Luxemburger Mobilfunk im Visier der NSA

Neben der Post in Luxemburg ist Orange, Tango und Luxemburg Online vom Datenklau des US-Geheimdienstes NSA betroffen. Die Post arbeitet derzeit an einer eigenen Sicherheitsabteilung.

Der US-Nachrichtendienst NSA will alles wissen. Mit komplizierten Programmen duchforstet es wie ein Riesenstaubstauger weltweit die Datenströme. Die NSA hat laut neuesten Informationen aus Snowden-Papieren hunderte Mobilfunk-Anbieter ausgespäht, um früh auf Schwachstellen in den Netzen zu stoßen. Darunter befinden sich auch die Anbieter aus Luxemburg. Das berichtet tageblatt.lu.

Unter anderem habe der Geheimdienst dafür Arbeitsgruppen der Branchenvereinigung GSMA in London ausgeforscht, berichtete die Website "The Intercept". Bei der Operation mit dem Namen "AURORAGOLD" seien mehr als 1200 E-Mail-Konten in der Branche überwacht worden.

Luxemburger Daten gestohlen

Die Amerikaner interessieren sich dabei für die technischen Dokumente der Anbieter. So sind in den Roaming-Abkommen die Verschlüsselungsmethoden beschrieben. Das ist eine Standard-Prozedur, damit das Roaming bei Reisen in andere Länder funktioniert. Mit diesen Daten könne die NSA besser nach Sicherheitslücken suchen - und auch erfolgreicher daran arbeiten, eigene Schwachstellen einzuführen, heißt es in den Unterlagen. "GSM Association"(GSMA) legt die Richtlinien und Standards für aktuelle und neue Mobiltechnologien sowie Netzsicherheit fest. Dieser Vereinigung gehören neben der Post aus Luxemburg, Orange, Tango und Luxembourg Online an.

Laut den "AURORAGOLD"-Unterlagen verfügt die NSA über technische Unterlagen von den Anbietern aus Luxemburg. Auf einer als "Top Secret" gekennzeichneten Weltkarte könnten das hierzulande bis zu 75 Prozent dieser technischen Details sein. In Belgien soll der Anteil bei 100 Prozent liegen. In Frankreich bei 47 und in Deutschland bei 29 Prozent. Damit wäre der US-Geheimdienst theoretisch in der Lage, gezielt in die Luxemburger Mobilfunknetze einzubrechen und Daten abzuziehen. Hausherr der Netze ist die Post.

Post-Sprecherin Carmen Engels spricht bei dem NSA-Datenklau von "Cyberkriminalität". Sie betont am Freitag gegenüber Tageblatt.lu: "Noch ist nicht bestätigt, ob von uns Daten gestohlen wurden. Wir müssen aber gegenüber unseren Kunden Rechenschaft ablegen, da wir eine Verantwortung haben." Laut Engels arbeitet die Post seit längerem an einer eigenen Sicherheitsabteilung gegen Datenklau im Netz. Sie verweist dabei auf den Abhörskandal um den belgischen Telekommunikationsabieter Belgacom.

"Wir haben dabei mit der gleichen Firma zusammengearbeitet, welche den Skandal in Belgien aufdeckte. In einem einjährigen Audit, haben wir eigene Maßnahmen erarbeitet," so Engels. Im gleichen Atemzug betont sie, dass es bislang keinen aktiven und erkannten Datenklau bei der Post gab.

"Rennen gegen die Zeit"

Dass die NSA den Mobilfunk im Visier hat, war bereits bekannt. Das Ausmaß der Ausforschung von Mobilfunk-Anbietern ist aber neu. Laut den Dokumenten arbeitet die NSA auch daran, neuere Verschlüsselungs-Techniken auszuhebeln. Die Post will dies mit einer eigenen Sicherheitsabteilung in Zukunft verhindern. Carmen Engels spricht dabei von einem "Rennen gegen die Zeit".

Quelle: tageblatt.lu