Wie Luxemburg im All Bergbau betreiben will

Luxemburg · Im Großherzogtum gebaute Satelliten sind im All bereits in stattlicher Zahl im Umlauf. Nun will sich Luxemburg im Weltraum weiter breitmachen. Wirtschaftsminister Etienne Schneider will einen Rechtsrahmen für den Bergbau im Weltall schaffen.

Luxemburg liegt nicht am Meer. Und dennoch fahren weltweit Schiffe unter luxemburgischer Flagge. Wichtige Unternehmen aus der Schifffahrtsbranche haben ihren Hauptsitz in Luxemburg, und das hiesige Schiffsregister gilt als vorbildlich. Luxemburg hat auch keinen Weltraumhafen. Und dennoch ist mit der SES eines der wichtigsten privaten Weltraumunternehmen im Großherzogtum zu Hause. Doch nicht nur das. Rund um die SES haben sich eine Reihe von Unternehmen entwickelt, die im weitesten Sinne im Weltraum aktiv sind. Genau auf diesem Gebiet will sich Luxemburg nun noch breiter aufstellen, und zwar mit einer Initiative des luxemburgischen Wirtschaftsministers Etienne Schneider. Er will das "Space Mining" - zu Deutsch etwa: Weltraumbergbau - nach Luxemburg holen.

Auf einer Pressekonferenz, die bei der internationalen Presse auf Interesse stieß, erklärte Schneider sein Vorhaben. Internationales Interesse wohl nicht zuletzt, weil der Minister den ehemaligen Generaldirektor der europäischen Weltraumbehörde ESA, Jean- Jacques Dordain, gewinnen konnte, und dieser den Minister kräftig unterstützt.

Worum geht es? Der Weltraum außerhalb der Erdatmosphäre gehört niemandem. Ein internationales Abkommen aus dem Jahr 1967 besagt, dass keine Nation einen Himmelskörper - also einen Stern, einen Planeten, einen Asteroiden oder Mond - für sich in Besitz nehmen kann. Mit dem Weltraum verhalte es sich also ähnlich wie mit internationalen Gewässern, erklärt Schneider. Diese gehören auch niemandem, allerdings ist es nicht verboten, dort zu fischen und die Fische für sich zu beanspruchen. Analog dazu müsste es also erlaubt sein, auf Asteroiden Rohstoffe - Schneider nennt vor allem Seltene Erden, die für den Bau von High-Tech-Geräten benötigt werden - zu extrahieren und zur Erde zu bringen. Auf einer Reise in die USA 2013 habe er sich überzeugen können, dass es sich beim Space Mining nicht um Science Fiction handele, sondern um eine ganz reale Entwicklung. Die Weltraumindustrie sei schon dabei, sich darauf vorzubereiten, so der Minister. Konkret hat Schneider nicht etwa im Sinn, ein eigenes staatliches Unternehmen aufzubauen oder eines, an dem der Staat beteiligt ist. Vielmehr soll ein Rechtsrahmen geschaffen werden, der internationalen Firmen, die sich in Luxemburg ansiedeln, Investitionssicherheit gibt.

Natürlich seien auch Beteiligungen an Unternehmen denkbar, so Schneider. Was die Experten der Universität von einem solchen gesetzlichen Rahmen halten und ob er international Bestand hat, wird ein Gutachten zeigen, das laut Schneider in zwei bis drei Monaten zu erwarten ist.

Daneben wurde ein Beratungskomitee ins Leben gerufen, dem neben Dordain auch "eine wichtige Person" von der Nasa sowie ein Experte aus China angehören soll. "Wir werden mit dieser Initiative das erste Land Europas sein, das dieses Thema angeht. Ich bin der Meinung, wir sollten diesen Markt, der heute schon ein Milliarden-Markt ist und noch wachsen wird, nicht nur den Amerikanern überlassen, so Schneider. Die technischen Voraussetzungen für das Space Mining sieht Dordain als gegeben. Zu Asteroiden fliegen, darauf landen, Material sammeln und zur Erde bringen - das alles wurde schon gemacht. Freilich nicht in dem großen Umfang, der nötig wäre, um daraus ein lohnendes Geschäft zu machen. Aber in Zukunft. Dordain nennt Schneiders Plan jedenfalls eine "solid Idea".

Der Autor ist Redakteur beim Luxemburger Tageblatt.

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