1. Region
  2. Luxemburg

Xavier Bettel: Der Premierminister in Politik und Privatleben

Zur Person : Politik, Plagiat, Privatleben: Das ist Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel

Seine lange politische Karriere führte ihn inzwischen bis an die Spitze der Regierung. Was man über Xavier Bettel von Plagiatsskandal bis Ehemann wissen sollte.

Xavier Bettel, der gegenwärtig amtierende luxemburgische Premierminister, wurde am 3. März 1973 in Luxemburg Stadt geboren. Seine Vorfahren stammen aus Russland, Polen, Frankreich und Luxemburg.

Welche politischen Ämter hatte Xavier Bettel bisher inne?

Seit dem Jahr 1989 gehört Bettel der Demokratesch Partei (DP) an, die sich im politischen Feld liberal positioniert und zu einer der drei dominierenden Parteien Luxemburgs zählt.

Bettel wurde 1999, im Alter von 26 Jahren, erstmalig in die Abgeordnetenkammer des Bezirks Zentrum gewählt, auch drei Wiederwahlen konnte er 2004, 2009 und 2013 für sich entscheiden.

Während seiner Zeit im Parlament war er von 2004 bis 2013 Vizepräsident der juristischen Kommission und von 2012 bis 2013 Vizepräsident der Untersuchungskommission zum Staatlichen Nachrichtendienst. Darüber hinaus war er von 2009 bis 2011 Fraktionspräsident der DP, deren Parteivorsitz er nur wenige Jahre später, von 2013 bis 2015, ebenso innehatte.

Vielen Bewohnern Luxemburgs ist Bettel darüber hinaus auch als Bürgermeister von Luxemburg Stadt bekannt. Dieses Amt hatte er von 2011 bis 2013 inne, dem Jahr, in dem er zum Premier- und Staatsminister ernannt wurde.

Neben diesen beiden Ministerposten bekleidet Bettel 2022 auch folgende Ämter: Minister für Kommunikation und Medien, Minister für Kultusangelegenheiten, Minister für Digitalisierung und Minister für Verwaltungsreform.

Welche politischen Standpunkte vertritt Bettel?

Als Mitglied einer liberalen Partei setzte Bettel sich in der Vergangenheit besonders für Modernisierungsprozesse ein sowie für die Anpassung der Politik an die, so heißt es auf der Seite der Partei, „sozialen Realitäten des Landes“. Im Rahmen von Bettels zweiter Amtszeit stand die Corona-Krise mit der Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen im Vordergrund seines politischen Handelns.

Wie verliefen Xavier Bettels Kindheit und Jugend?

In den Medien wird Bettel häufig als sehr freundlich und auch wortgewandt beschrieben. Auch als Kind habe Bettel, so der Premierminister in einem Interview, lieber geredet, als sich mit anderen Kindern gerauft. „Ich glaube, dass man mit der Sprache vieles lösen kann, aber nicht mit der Faust. Meine Eltern haben mich auch nie geschlagen.“

Auch beschreibt Bettel das Leben im Hause seiner Eltern als offen und seine Beziehung zu Mutter und Vater als vertrauensvoll. „Die strengste Regel war, dass wir mittags und abends zusammen essen. Meine Schwester und ich durften ausgehen, bei Freunden übernachten, Freunde mit nach Hause bringen. Aber wenn meine Eltern sagten: Du bist um eins zu Hause, dann war ich um eins da. Sie haben mir vertraut, und so was setzt man nicht aufs Spiel. Auch [nicht] in der Politik […].“

Im Alter von 16 Jahren erkrankte Bettel an einer schweren Hirnhautentzündung und erzählt, dass sein damit verbundener Krankenhausaufenthalt vor allem seinen Vater emotional gefordert hat.

Welche Ausbildung hat Xavier Bettel?

Bettel studierte nach Abschluss der Sekundarstufe Politikwissenschaft und Jura an der Universität Nancy in Frankreich und an der Aristoteles Universität in Thessaloniki. Sein Diplom machte er in öffentlichem und europäischem Recht und arbeitete von 2001 bis 2013 als Rechtsanwalt in Luxemburg.

Worum ging es beim Plagiats-Skandal des Premierministers?

Nach einer Plagiatsprüfung durch die Universität Nancy im Jahr 2021 hat Bettel seine dort verfasste Diplomarbeit zurückgezogen. Der Vorwurf: der Premier soll rund 96 Prozent des Textes aus anderen Quellen ohne entsprechende Literaturverweise übernommen haben.

Die luxemburgische Zeitung Tageblatt betont in diesem Zusammenhang jedoch, dass Plagiate „in Bettels damaligem Dunstkreis verbreitet gewesen seien. Ein früherer Student berichtete, dass von 25 Studenten 20 plagiierten.“ Bettel selbst beteuert, dass er nicht versucht habe, bewusst zu täuschen. Im Gegenteil, er habe nie versteckt, unter welchen Umständen seine Diplomarbeit zustande gekommen sei. Der liberale Politiker verweist dabei auch auf seinen Professor, der Bettel mit der Arbeit habe durchkommen lassen. Schließlich lege dies auch ein Fehlverhalten des Betreuers nahe.

Die Universität teilte nach Bettels Angaben mit, die Diplomarbeit im Kontext der vor rund 20 Jahren üblichen Zitierweise geprüft zu haben und stellte fest, dass „es sich um eine Synthese von Dokumenten [handele], wie [sie] damals „üblich und akzeptiert“ gewesen sei.“ Bettel habe jedoch, so heißt es weiter, einzelne Passagen „nicht mit separaten Textverweisen versehen, sodass sie als eine Art Plagiat gewertet werden können“.

Die Universität Nancy bot dem Premierminister an, dass er sein Diplom behalten dürfe, wenn er die fehlenden Textverweise nachträglich ergänze. Bettel allerdings bestand darauf, die Arbeit dennoch zurückzuziehen. Sein Ziel war es, durch seine Entscheidung „Zweifel an den Verdiensten des [Diploms auszuräumen] und [einen] Vertrauensverlust in die akademische Arbeit [zu vermeiden]“ Abschließend äußerte sich Bettel mit den Worten: „Ich bedauere diese Situation und bitte die Universität, meine Entschuldigung und meine Entscheidung zu akzeptieren.“

Was verrät Xavier Bettel über sein Privatleben?

In einigen Interviews spricht der Premierminister offen über sein Privatleben. So lebt er seit dem 19. März 2010 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit dem belgischen Architekten Gauthier Destenay. Seit der Hochzeit des Paares, die am 15. Mai 2015 stattfand, ist Bettel der erste homosexuelle Regierungschef in Europa, der im Amt seinen Partner heiratete.

Vor allem in den sozialen Medien wird Bettel deshalb des Öfteren mit Ignoranz und Beleidigungen konfrontiert, doch der Premierminister lässt sich davon nicht beirren: „Jeder kann mich beschreiben wie er will, doch ich bin, wie ich bin, und keiner kann mich verändern. [...] Es geht nicht darum, den Leuten zu gefallen, sondern es geht darum, meine Arbeit zu tun.“