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Zahlen von Creditreform Luxemburg: Corona-Hilfe verzögert Pleitewelle in Luxemburg

Unternehmen : Corona-Hilfe verzögert Pleitewelle in Luxemburg

Den staatlichen Coronahilfen sei Dank: In der Luxemburger Wirtschaft ist eine Pleitwelle bislang ausgeblieben. Was genau dahinter steckt und welche Branchen dennoch gefährdet sind.

Eine Pleitewelle in Luxemburger Unternehmen ist trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie bislang ausgeblieben. Das bestätigen die Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Luxemburg. Eine Analyse.

Wie sieht die aktuelle Lage aus?

„Im Jahr 2021 ist die Zahl der Konkurse in Luxemburg mit 1199 im Vergleich zum Vorjahr exakt gleich geblieben“, sagt Herbert Eberhard, Geschäftsführer von Creditreform Luxemburg. Somit wurde auch 2021 kein Corona-bedingter Anstieg der Firmenpleiten verbucht. Im Jahr 2019 lag die Zahl der Firmenpleiten mit 1263 noch um rund 5 Prozent höher.

 So viele Betriebe mussten zwischen 2015 und 2021 Konkurs anmelden. Grafik: TypoServ, Quelle: Creditreform
So viele Betriebe mussten zwischen 2015 und 2021 Konkurs anmelden. Grafik: TypoServ, Quelle: Creditreform Foto: TV/TypoServ

Insgesamt hat sich die wirtschaftliche Lage in Luxemburg besser entwickelt als erwartet. Treffen die Prognosen des Statistikamtes Statec ein, so wird das Großherzogtum das vergangene Jahr mit einem  Wachstum von 7,1 Prozent abgeschlossen haben. Es wäre dann das dritthöchste Wachstum in der Luxemburger Wirtschaftsgeschichte in diesem Jahrhundert nach 2007 und 2000. Spätestens 2022, so die neueste Prognose, soll die Luxemburger Wirtschaft wieder auf dem Niveau angekommen sein, wie es vor der Corona-Krise erwartet worden war. Eine Zwischenbilanz der Regierung zeigt auch, dass die Hilfspakete von den Unternehmen deutlich weniger genutzt wurden als geplant.

Und weil Luxemburg recht glimpflich innerhalb der Pandemie davon gekommen ist, hat der Staat zwischen März 2020 und September 2021 Coronaförderungen in Höhe von überschaubaren 805 Millionen Euro summiert, wie die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing mitteilt.

Welche Branchen sind von Konkursen besonders betroffen?

Vor allem ältere und kleinere Unternehmen sind laut Creditreform Luxemburg von Firmenpleiten betroffen. Spitzenreiter bei der Zahl der Konkurse war 2021 weiterhin die Dienstleistungs-Branche mit 836 Fällen. Dennoch bewertet die Auskunftei die Branche als „stabil“.

Auffällig ist schließlich, das im Bereich Hotellerie und Gastronomie die Insolvenzen um zehn Prozent auf 116 zurückgegangen sind. Im Handel (plus 14 Prozent auf 244) und auf dem Bau (plus 22 Prozent auf 112) sind sie dagegen gestiegen. Folglich ist trotz der Corona-Einschränkungen laut Creditreform eine Insolvenzwelle infolge der staatlichen Hilfen verhindert worden.

Dennoch sind im vergangenen Jahr auch einige namhafte Luxemburger Firmen pleite gegangen, die mit größeren Arbeitsplatzverlusten einhergingen. Bei der Firma Socoma Conrstruction waren 40 Arbeitsplätze betroffen. Der Konkurs der Firma Bigor in Lenningen berdohte 33 Arbeitsplätze und bei der Firma eProseed in Windhof waren 51 Arbeitsplätze in Gefahr.

Wie sieht die Prognose für 2022 aus?

Creditreform Luxemburg geht davon aus, dass aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungsprozesse in Luxemburg die Konkurse gerade bei älteren Betrieben im Großherzogtum „auch weiterhin auf hohem Niveau sein wird“, sagt Crediterform-Geschäftsführer Eberhard. Die Konkursquote bei jüngeren Firmen zeige sich auf geringem Niveau stabil, auch dank der „guten Unterstützung des Staates“.

Für die Insolvenzentwicklung in diesem Jahr werden laut dem Geschäftsführer „das Auslaufen der Corona-Hilfen auch die Material-Engpässe in einigen Branchen entscheidend sein. Aufgrund der starken Dienstleistungsbranche dürften die Steigerungen jedoch niedriger sein als in den Nachbarländern“. Hier stellt die Auskunftei fest, dass in Deutschland mit einem Rückgang von zehn Prozent der niedrigste Stand der Firmeninsolvenzen seit 1999 erreicht ist. In Frankreich gibt es sogar einen Rückgang der Konkurse um 20 Prozent, während in Belgien ein leichter Anstieg zu beobachten ist.