Zu Wasser, zu Bahn oder in der Luft: In Luxemburg findet der Nikolaus viele Wege zu den Kindern.

Tradition : De Kleesche kënnt

Der Nikolaus kommt: Und in Luxemburg kommt er zu den braven Kindern gleich mehrfach – aus der Luft, mit dem Schiff und mit der Eisenbahn. Und einen Umzug mit Wagen, Begleitvolk und Bonbons gibt es obendrauf.

Ein ehemaliger Luxair-Pilot hatte die Idee zum Flug zum „Kleeschen“. Gemeinsam mit der Airline „wurden die Kräfte gebündelt“, um die Mission zur Freude der Kinder auszuführen, erklärt ein Sprecher der Airline. Nach Luxair-Angaben sei der erste Flug zum „Kleeschen“ Anfang der 2000er Jahre gestartet. Nach einer kurzen Pause startet ab 2008 jedes Jahr eine Maschine, um den himmlischen Gast gebührend über den Wolken zu empfangen. Statt Schlitten fliegt der „Kleeschen“ gemeinsam mit rund 90 Kindern, die von einem Elternteil begleitet werden, an Bord einer Boeing 737-800 mit insgesamt 186 Plätzen den Luxemburger Flughafen Findel an. Der Flieger, heißt es, sei bis auf den letzten Sitz voll besetzt. Neben den Kindern und ihren Eltern sind auch Luxair-Betreuer an Bord.

In Petingen und in der Eisenbahnhalle des „Train 1900“ gibt es rundum den Nikolaustag ein besonderes Spektakel. „De Kleeschen“ höchstpersönlich und mehrere „Housecker“, also die luxemburgische Version des Knecht Ruprecht, empfangen Kinder und Erwachsene zur Fahrt mit der historischen Eisenbahn in Richtung Fond-de-Gras. Vor 22 Jahren schon setzte sich der „Train 1900“ für diese besonderen Fahrten erstmals in Bewegung; nun jährte sich die Tradition zum 23. Mal, heißt es von der AMFT (Association des Musée et Tourisme Ferroviaires). „Manche der Besucher sind bereits in der zweiten Generation dabei“, freuen sich die Veranstalter.

Zu den Höhepunkten des Tages zählt für die kleinen Gäste neben der Hin- und Rückfahrt mit dem historischen Dampfzug, vor allem das Treffen mit dem „Kleeschen“ in der Eisenbahnhalle des „Train 1900“. Mitten auf einer Bühne, auf seinem prächtigen Thron sitzend, empfängt der „himmlische Gast“ die Kinder und nimmt sich viel Zeit für einen Plausch mit jedem kleinen Besucher sowie die obligatorischen Erinnerungsbilder. Selbstverständlich wird auch jedes brave Kind mit einem „Tiitchen“ belohnt. In diesem Jahr verschenkte der „Kleeschen“ an einem Wochenende rund 650 solcher „Tiitercher“. Rund 1600 Besucher hatten sich in diesem Jahr ein Ticket für die fünf Sonderfahrten zum „Kleeschen“ im Fond-de-Gras gesichert, heißt es von den Veranstaltern.

Bereits seit Mitte der 30er-Jahre kommt der „Kleeschen“ per Boot, seit Mitte der 60er per Schiff nach Remich, erklären die „Geschichtsfrënn Réimech“. Wie es in einem Zeitungsartikel von 1935 heißt, sei der Nikolaus aus Richtung Schloss Thorn an der gegenüberliegenden Mosel-Seite in Richtung Anlegestelle in Remich herangenaht. Mit einer „Droschke“, in der zwei Engelchen saßen, wurde der in einen „violetten Mantel“ gekleidete Nikolaus zusammen mit dem „schwarzen Husiker“ standesgemäß empfangen. Der Ablauf des Empfangs ist bis heute beinahe unverändert geblieben. Und so haben auch am ersten Advent zahlreiche Kinder und Erwachsene am Mosel-Ufer gestanden, um den Nikolaus zu empfangen. Anschließend folgte die Begrüßung durch die „Réimecher Musek“, die den kleinen Festumzug musikalisch begleitet. In einem Pavillon wird der Kleeschen in Begleitung der Engelchen und des „Houséckers“ auf einem Thron Platz nehmen und die braven Kinder mit einem „Boxemännchen“ (Weckmann) belohnen.

Es ist kein Zufall, dass der Kleeschen in der Moselgegend – in Grevenmacher per Schiff und in Remich mit einem einfachen Fischerboot („Nachen“), in Wasserbillig und Oberbillig mit der Fähre Sankt Maria II. – zu den Kindern kommt. Die Tradition hat zunächst einen religiösen Hintergrund. Der Bischof, der heilige Nikolaus von Myra, dessen Verehrung aus Lothringen nach Luxemburg kam, wird seit jeher im Großherzogtum und an der Mosel im Speziellen auch als „Schutzpatron der Schiffer und Fischer“ verehrt. Dies berichtet der Luxemburger Autor Norbert Entringer in seinem Buch „Aus der Geschichte der Moselschifffahrt“ (1978).

„Auch der bekannte Moseldichter und Schriftsteller Nikolaus Hein schrieb ein Buch über die Verehrung des heiligen Nikolaus an der Mosel“, fügt Monique Hermes, Schöffin in Grevenmacher, hinzu. Ein Zeugnis dieser Verehrung ist die „Porte Saint Nicolas“ in Remich.

Bereits vor 1971 ist der Heilige Nikolaus in die Moselstadt über den Fluss angereist, erinnert sich die ehemalige Grundschullehrerin. Das Schiff war nicht irgendeines, sondern die erste „MS Princess Marie-Astrid“, die 1966 von ihrer bekannten „Giedel“ getauft wurde. Seit 2011 wird den Kleeschen wieder am Mosel-Ufer empfangen. Am Quai der „MS Princesse Marie-Astrid“ findet seitdem ein Riesenfest statt: Der Gast wird vom Musikverein, der Feuerwehr, den Gemeindeverantwortlichen und ganz vielen Kindern gebührend empfangen. Anschließend steigt er in einen hübschen Oldtimer ein – früher in eine Kutsch – und fährt an der Spitze des Umzugs zum Marktplatz, wo die eigentliche Kleeschen-Feier stattfindet.

Einen ebenfalls großen Bahnhof veranstaltet die Gemeinde Düdelingen für den Nikolaus. Hier veranstalten der Geschäftsverband und das „Syndicat d’initiative“ – sofern das Wetter es zulässt – eine Rundfahrt durch das Zentrum der „Forge du Sud“. In diesem Jahr gab es begleitend Engelsgruppen und Musik von rund 100 Teilnehmern, die Passanten Nüsse und Bonbons zuwarfen. Am Gemeindezentrum warteten rund 400 Kinder, um ihr „Tiitchen“ mit fairer Schokolade und Obst zu bekommen.

Über den Wolken: Die Luxair startet jedes Jahr eine Maschine mit Kindern und Eltern an Bord, damit in der Luft der Heilige Nikolaus erscheint. Foto: Tageblatt
Seit 22 Jahren gibt es in Petingen die Tradition, dass der Heilige Nikolaus mit dem historischen Train 1900 zu den Kindern kommt. Foto: Tageblatt

Die Autorin ist Mitarbeiterin des Luxemburger Tageblatts.