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Zur 100-Jahr-Feier der Fedil gibt’s bunten Pomp, schnelle  Postings und große Politik.

Luxemburg Industrie : Trommeln für den Hightech-Standort

Zur 100-Jahr-Feier der Fedil gibt’s bunten Pomp, schnelle Postings und große Politik.

Sie zeigen ihr Können in 35 Metern Tiefe mitten im Herzen der Hauptstadt in der derzeit größten Baustelle am neuen Einkaufstempel Royal Hamilius und auch in 36 000 Kilometern über der Erde: Aushängeschilder der Luxemburger Industrie. Ob Tiefbauer oder Satellitenbetreiber, Hochregallager oder Rohstoffforschung für die Reifenproduktion in Millionenhöhe – im Großherzogtum meint man es ernst mit technischem Fortschritt und Innovationfreude. Dies wurde auch beim diesjährigen Neujahrsempfang und zugleich 100-Jahr-Feier der Industriellenvereinigung Fedil deutlich. Da werden die rund 900 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, darunter das Staatsoberhaupt, Großherzog Henri, und Erbgroßherzog Guillaume, zwar traditionell von der Luxemburger Marching Band in Kostümen nach Art von Bergmannskapellen mit viel Radau empfangen. Doch im Inneren der Messe Luxexpo wandern in Laufschrift auf Leuchtreklame die gerade formulierten Jubiläumsbotschaften für den Twitterkanal an den Wänden entlang. Die Industrie der Zukunft ist schnell, digital – und nicht aufzuhalten. Den Spagat, den die Industrie in 100 Jahren zurückgelegt hat, unterstreicht auch der 11. Fedil-Präsident Nicolas Buck. „Die Industrie ist das Beste, das dem Land jemals passiert ist. Vor hundert Jahren konnten die Leute nicht schnell genug das Land verlassen.“

Auch heute präge die Industrie die Zukunft Luxemburgs unter dem Stichwort 4.0. „Zeit für die Politik, mit der Industrie zusammenzuarbeiten und Technologien noch stärker zu fördern“, sagte er und forderte durch die Politik mehr Grundstücke zur Industrieansiedlung. „Wir sind ihre Zukunft und Teil der Lösung und kein Veteranenclub.“

Gastredner des Fedil-Jubiläums war der ehemalige französische Außenminister Hubert Védrine. Er schlug den Bogen von der Welt- zur Unternehmenspolitik, betonte die wachsende Bedeutung Europas in der Welt und forderte von den Staaten mehr Engagement. An die Industrie gerichtet, sagte er: „Ich mag die Wirtschaft, denn sie ist pragmatisch und realistisch, und die Akteure wissen mit Wettbewerb umzugehen“, sagte er. „Die einzige Lösung der Wirtschaft ist ihre Ökologisierung. Dann wird die Umwelt zum Motor der Entwicklung.“

Dass Politik durchaus zäh ist und nicht immer den Regeln der Vernunft folgt, darauf verwies Premierminister Xavier Bettel, der in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos und nach dem EU-Innenministertreffen in Bulgarien gleich mehrfach für die Luxemburger Wirtschaft eingetreten ist. „Ich verspreche, die Regierung ist immer auf Ihrer Seite“, unterstrich er und lobte die Geschichte der Fedil auch als „Geschichte des Dialogs, des Mutes und des Kompromisses“ in der Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften. Und so musste der Premier erst mal darüber nachdenken, dass der letzte große Streik in Luxemburg bereits mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt. Auch wenn die Industrie heute nichts mehr mit jener aus den Anfängen zu tun habe: „In der Industrie, in nachhaltigen Anlageprodukten und dem Dialog liegt unsere Zukunft.“