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Malu Dreyer wirbt für Unterstützung des lokalen Einzelhandels

Pandemie : Dreyers Appell vor dem harten Lockdown „Bestellen Sie beim Händler vor Ort“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer wirbt für Unterstützung des lokalen Einzelhandels auch während des seit heute geltenden Lockdowns.

Vielleicht war es der Regen, vielleicht hatten die meisten bereits am Samstag oder Montag ihre letzten Weihnachtsgeschenke gekauft oder womöglich hielten sich viele doch an den Ratschlag, Kontakte zu meiden und nicht in die Städte zu strömen. In vielen Fußgängerzonen war gestern, am letzten regulären Einkaufstag diesen Jahres und für mindestens die nächsten vier Wochen weniger los, als in den Tagen zuvor.

In Trier gab es am Nachmittag noch viele freie Plätze in den Parkhäusern. Es sei in den Städten deutlich ruhiger  als noch am Samstag und Montag, sagte Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Rheinland-Pfalz. Die Stimmung unter den Händlern beschrieb er mit „Wut, Verzweiflung und Resignation“. Vor allem weil es trotz bundesweitem Lockdown unterschiedliche Regeln für den Handel gibt.

Während in Rheinland-Pfalz Tabakläden geschlossen bleiben müssen, dürfen sie in Hessen öffnen. In Nordrhein-Westfalen ist der Verkauf in Blumenläden erlaubt, hierzulande nicht. Baden-Württemberg hat das Abholen bestellter Ware bei den Geschäften verboten, in Rheinland-Pfalz ist es ausdrücklich erlaubt. Viele Händler in der Region werben daher damit, dass sie „geöffnet“ haben. Kunden können per Telefon oder bei manchen per Internet bestellen und dann dort abholen. Einige Geschäfte bieten sogar einen Lieferservice an.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) warb bei ihrer Regierungserklärung zur Corona-Lage gestern im Landtag ausdrücklich dafür, auf diese Art den lokalen Handel zu unterstützen:  „Bestellen Sie bei Ihrem örtlichen Einzelhandel. Unterstützen Sie die lokalen Geschäfte in Ihrer Umgebung.“  Die harten Einschnitte vor Weihnachten – viele Geschäfte im Einzelhandel schließen ihre Tore ab heutigen Mittwoch bis mindestens zum 10. Januar und fürchten um Existenzen – verteidigte Dreyer. Es sei „traurige Tatsache“, dass immer mehr Rheinland-Pfälzer „an und mit Covid-19 sterben“. Es brauche eine „radikale Senkung der Infektionszahlen“, um Kliniken und Hotspots zu entlasten. Wirklich Hoffnung, dass nach dem derzeit geplanten Ende des Lockdowns wieder alle Geschäfte öffnen dürfen, machte sie aber nicht. Der Alltag werde sich nach dem 10. Januar nicht schlagartig normalisieren. Der Kampf gegen die Corona-Pandemie sei ein Marathon, kein Sprint. „Erst an Weihnachten sehen wir die Ansteckungen von heute. Und eine Entspannung in den Krankenhäusern ist frühestens für Mitte Januar zu erwarten“, so Ministerpräsidentin Dreyer, die betonte, dass sich das Land auf verschiedene Szenarien vorbereite.  

Handelsverbands-Geschäftsführer Scherer fordert, dass das Land deutlich vor Ende des Lockdowns Bedingungen nennt, unter denen die nun geschlossenen Geschäfte wieder öffnen dürfen. Also, ob es etwa Zugangsbeschränkungen oder begrenzte Öffnungszeiten geben wird. Im nächsten Jahr müsse auch über zusätzliche Möglichkeiten gesprochen werden, Kunden in die Innenstädte zu locken. Etwa durch mehr verkaufsoffene Sonntage, sagt Scherer.

Derzeit sei der Sonntagsverkauf aber kein Thema. Die Lebensmittelhändler hätten nicht den Wunsch geäußert, am kommenden Sonntag zu öffnen, so Scherer.

Das bestätigt auch Matthias Schmitt, Chefvolkswirt bei der Industrie- und Handelskammer Trier. Eine Ladenöffnung am kommenden Adventsonntag sei aus rechtlicher Sicht ohnehin nicht zulässig. Unabhängig davon dürften Supermärkte an Werktagen zwischen sechs und 22 Uhr öffnen. „Zur Versorgung der Bevölkerung werden diese Ladenöffnungszeiten auch im Zusammenhang mit Weihnachten als ausreichend angesehen“, heißt es aus dem rheinland-pfälzischen Arbeitsministerium. Eine Öffnung am Sonntag sei nicht vorgesehen.