Rückblick: Marx macht mobil

Rückblick : Marx macht mobil

Wie ein geplantes Geschenk aus China die Gemüter erhitzte – und warum es manchmal doch auf die Größe ankommt.

Volksweisheiten sind zuweilen meilenweit von der Trierer Realität entfernt. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Auf die Größe kommt es nicht an? Von wegen. Geht es um den größten Sohn der Stadt, dann zählt plötzlich jeder Zentimeter. Die Volksrepublik China teilte im Herbst 2016 mit, dass sie Trier zum Marx-Jubiläumsjahr 2018 eine 6,30 Meter hohe Karl-Marx-Statue schenken wolle, die der bekannte Künstler Wu Weishan anfertigt. Genüsslich berichteten Medien über die politischen Verwerfungen, die die chinesische Offerte in Trier auslöste.

Zu groß, zu sozialistisch, zu verherrlichend und zudem völlig fehl am Platz fanden viele das geplante Kunstwerk. Andere fürchteten diplomatische Verstimmungen auf höchster Ebene, sollte man das Geschenk ablehnen. Über Wochen waren die Leserbriefseiten im Volksfreund gut gefüllt. Im März 2017 entschied der Stadtrat dann mit großer Mehrheit, dass die Statue kommt. Seit April ist klar, wo sie stehen wird (auf dem Simeonstiftplatz) und dass sie zum Kompromiss einen dicken Kopf kürzer wird: Statt 6,30 Meter wird Marx nur noch majestätische 5,50 Meter hoch.

Seitdem ist es ruhig geworden. Statt Protest begegnen einem in Trier nun Marx-Plakate, -Postkarten, -Poster und -Pappkameraden. Werbung für die große Ausstellung. Aus der die Stadt schließlich Kapital schlagen kann.

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