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Mediziner warnen: Der Region gehen die Ärzte aus

Trier/Berlin. In den nächsten Jahren wird es zu wenig Landärzte in der Region geben. Davor warnt der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes, Burkhard Zwerenz. Pläne des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler, Medizinstudenten zu verpflichten, sich auf dem Land niederzulassen, sieht er skeptisch.

(wie) Die Region Trier scheint für Hausärzte wenig attraktiv zu sein. Nach einer Aufstellung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sind in allen vier Landkreisen und in der Stadt Trier einige Hausarztpraxen unbesetzt. In den nächsten fünf Jahren wird sich das Problem nach Ansicht von Burkhard Zwerenz noch verschärfen. Der Allgemeinarzt aus Prüm und Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes warnt vor einer Versorgungskatastrophe. 30 Prozent der Hausärzte würden ihre Praxis aus Altersgründen aufgeben. Landesweit würden dann „mehrere Hundert“ Ärzte fehlen, sagte Zwerenz im Interview mit unserer Zeitung. Daran werden seiner Ansicht nach auch die Pläne von Bundesgesundheitsminister Phlipp Rösler (FDP) nichts ändern.

Rösler hat vorgeschlagen, Medizinstudenten zu verpflichten, nach dem Studium einige Jahre als Landarzt tätig zu sein.

Zwerenz glaubt nicht, dass eine Verpflichtung für eine Niederlassung auf dem Land rechtlich durchsetzbar ist und fordert stattdessen: „Landärzte müssen mehr verdienen als ein niedergelassener Arzt in der Stadt.“ Genauso sieht das auch der Vorsitzende der Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Wolfram Candidus. Stadtärzte müssten einen Teil ihres Honorars an Landärzte abgeben, sagt er. Er ist gegen eine Landarztquote: „Statt zwangsverpflichteten Ärzten brauchen wir gut bezahlte, motivierte Mediziner auf dem Land.“
Die KV legt gemeinsam mit den Kassen fest, wie viele Hausärzte sich in einem bestimmten Gebiet niederlassen dürfen. Das richtet sich nach Einwohnerzahl und Fläche.

Auch die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) glaubt nicht, dass die Landarztquote durchsetzbar ist. Laut Dreyer gibt es keinen Ärztemangel in Rheinland-Pfalz. Es werde allerdings immer schwerer, Nachfolger für Hausarztpraxen zu finden. Das Land habe bereits vor drei Jahren darauf reagiert. So werbe man gezielt bei Studenten für eine Niederlasssung auf dem Land.