Missbrauchsvorwürfe gegen mehr als 20 Priester

Missbrauchsvorwürfe gegen mehr als 20 Priester

Schlimme Nachrichten aus Deutschlands ältestem Bistum: In den vergangenen 60 Jahren sollen mehr als 20 katholische Priester an Minderjährigen vergangen haben. Die meisten Missbrauchsfälle waren bislang nicht bekannt.

(sey) Es war nur ein Zwischenbericht, den der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Montagnachmittag der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Aber eines steht bereits jetzt fest: Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester an Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier ist deutlich größer als bislang bekannt.

Allein in den Jahren zwischen 1950 und 1990 werden mittlerweile 20 Geistliche beschuldigt, sich an Minderjährigen vergangen zu haben. Diese Zahl nannte der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Prälat Rainer Scherschel, nachdem sich in den vergangenen acht Wochen rund 35 ehemalige Opfer bei ihm gemeldet hatten.

Nach Bistumsangaben ist die Hälfte der beschuldigten Priester inzwischen gestorben. Bei zwei Geistlichen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, drei weitere Fälle seien „noch in Bearbeitung“, sagt Scherschel.

Bischof Stephan Ackermann zeigte sich erschrocken über das Ausmaß der Übergriffe und appellierte abermals an die Missbrauchsopfer, sich zu melden. Ackermann schloss nicht aus, dass sich die Zahl der beschuldigten Priester noch erhöhen könnte. „Weitere Dinge sind in Bearbeitung. Aber die größte Welle an Hinweisen aus dem Bistum dürfte überwunden sein“, sagte der 47-Jährige.

Nach Darstellung des Bistums gab es in den vergangenen 20 Jahren gegen sieben katholische Priester Missbrauchs- oder Kinderpornografie-Vorwürfe. In allen Fällen sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Übergriffe von Ordensangehörigen tauchen in der Missbrauchsstatistik des Bistums nicht auf. „Die Orden haben ihre eigenen Beauftragten“, sagt Prälat Rainer Scherschel.
Der bischöfliche Missbrauchsbeauftragte zeigte sich überrascht, dass bei den jetzt bekannt gewordenen „Altfällen“ nur Priester beschuldigt worden seien: „Ich bin überzeugt, dass es auch in anderen kirchlichen Bereichen Missbrauchsfälle gegeben hat.“

Heute um 13 Uhr gibt Ackermann als Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz den Startschuss für eine bundesweite Telefon-Hotline. Das angekündigte „Missbrauchs-Büro“ bei der Bischofskonferenz hat laut Ackermann die Arbeit schon aufgenommen.

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