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Kriminalität
Mit der Chefmasche ans Geld der Vereine

 Kontodaten sollten Bankkunden so selten wie möglich an Dritte weitergeben,  rät die Sparkasse Trier.
Kontodaten sollten Bankkunden so selten wie möglich an Dritte weitergeben,  rät die Sparkasse Trier. FOTO: dpa / Marijan Murat
Trier. Ohne großen Aufwand kommen Betrüger an sensible Daten und Unterschriften, um damit E-Mails oder Überweisungen zu fälschen. Täter hatten zunächst nur Firmen im Visier. Von Bernd Wientjes

Die Masche ist denkbar einfach: Die Täter brauchen einen Überweisungsträger der Bank oder Sparkasse. In diesen tragen sie den Namen des Vereins und dessen Kontoverbindung ein. Dann brauchen sie nur noch die Unterschrift des Vorsitzenden. Die finden sie, genau wie die Kontonummer, zumeist im Internet auf den Seiten der Vereine. Nicht selten sind dort Dokumente abgebildet, sei es die Einladung zur Mitgliederversammlung oder ein Protokoll, das mit der Originalunterschrift unterzeichnet ist. Diese Angaben kopieren sich die Kriminellen und setzen sie dann auf den Überweisungsträger. Auch an die Kontodaten des jeweiligen Vereins können sie einfach kommen, wie eine Stichprobe des Volksfreunds auf den Internetseiten von verschiedenen Vereinen in der Region ergeben hat. Oft findet sich die für Überweisungen notwendige IBAN im Impressum oder auf im Internet hinterlegten Mitgliedsanträgen. Auch Dokumente mit handschriftlichen Unterschriften stehen auf etlichen Seiten von Vereinen. Etwa solche vom  Stadtsportverband Trier, der fast Opfer der  Betrugsmasche geworden ist, wie sein Vorsitzender Marco Marzi berichtet. Seine Unterschrift befand sich auf angeblichen Überweisungen des Vereins, mit denen Kriminelle Geld ins Ausland transferieren wollten.

Laut einer Sprecherin der Sparkasse Trier sind solche Betrugsfälle, ob bei Vereinen oder Privatkunden, extrem selten. Die Anzahl bewege sich in einem Bereich von unter 0,1 Promille pro Jahr, bezogen auf die gesamte Anzahl der bei der Sparkasse verarbeiteten Überweisungsträger. Bei der Bearbeitung dieser Überweisungen gebe es konkrete Plausibilitätsüberprüfungen. Wie diese aussehen, sagt die Sprecherin allerdings nicht. Sie rät zu einem  sorgsamen Umgang mit Überweisungsträgern und eigenen persönlichen Unterschriften: „Kontodaten so sparsam wie möglich an Dritte herausgeben, Bankdaten stets vertraulich behandeln!“

Auch in anderen Bundesländern versuchen Betrüger, Vereine abzuzocken. Rund 3000 Vereine gibt es in der Region Trier. Und viele von ihnen scheinen derzeit Opfer verschiedener Betrugsversuche zu sein, wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben.  Selbst vor dem Polizeisportverein (PSV) in Trier und dessen Vorsitzendem, einem ehemaligen Kripobeamten, machen die Täter nicht halt. Vereinsvorsitzender Bernd Michels staunte vergangene Woche nicht schlecht, als er von der verdutzten Kassiererin des PSV angerufen wurde, die sich wunderte, dass er ihr angeblich eine Mail geschrieben habe – mit der Bitte, ihm wegen „finanzieller Sorgen“ 4100 Euro zu überweisen. Der Kassiererin war direkt aufgefallen, dass es sich nicht um die richtige E-Mail-Adresse von Michels handelte. Deshalb und auch, weil es „klare Strukturen“ im Verein gebe, die Überweisungen nur nach dem Vier-Augen-Prinzip (Kassiererin und Vorsitzender müssen diese genehmigen) möglich machen, sei der Betrugsversuch aufgeflogen. Michels erstattete bei seinen ehemaligen Kollegen Anzeige und erfuhr dabei, dass es relativ einfach ist, E-Mail-Adressen zu fälschen. Mit sogenannten E-Mail-Generatoren kann sich jeder im Internet eine Adresse anlegen, die nach ein paar Tagen dann ungültig wird. Bei Betrugsfällen ist es für die Ermittler dann kaum möglich, die wirklichen Adressaten ausfindig zu machen.

Den Namen des Vereinsvorsitzenden, in dessen Namen die Kriminellen etwa die Mails abschicken, finden sie genau wie die E-Mail-Adresse des Empfängers, also etwa des Kassierers, relativ einfach auf den Internetseiten der Vereine.

Um es allen, die sich für den Verein interessieren, leichtzumachen, mit den Funktionären in Kontakt zu treten, sind dort zumeist die E-Mail-Adressen aller Vorstandsmitglieder aufgeführt. Die Masche mit den gefälschten E-Mails ist übrigens nicht neu. Seit Jahren ist sie bereits als sogenannte Chefmasche bekannt. In diesen Fällen geben sich Betrüger als Führungskräfte einer Firma aus und fordern Mitarbeiter in einer gefälschten E-Mail auf, größere Summen vom Unternehmenskonto auf ein fremdes Konto im Ausland zu überweisen.

Laut rheinland-pfälzischem Landeskriminalamt ist durch diese Masche Firmen, Vereinen oder Verbänden 2017 ein Schaden im einstelligen Millionenbereich entstanden. In vielen Fällen sei der Betrugsversuch rechtzeitig entdeckt und ein Schaden vermieden worden, berichtet das LKA. Auch sei es einige Male gelungen, bei erfolgten Überweisungen das Geld wieder zurückzuholen.