Mordversuch in Osburg: Schlaf rettet Opfer vermutlich das Leben

Prozessauftakt in Trier : Mordversuch in Osburg: Schlaf rettet Opfer vermutlich das Leben

Der Prozessauftakt gegen einen 55-jährigen Mann aus dem Hochwaldort Osburg wegen versuchten Mordes ist schnell wieder vorüber.

Kann jemand einen Schuldner für schlappe 50 Euro umbringen wollen? Glaubt man dem Trierer Oberstaatsanwalt Eric Samel, hat ein 55-jähriger Mann aus dem Hochwaldort Osburg genau diese Absicht verfolgt.

In einer Nacht im August 2017 soll der gelernte Dachdecker mit einer abgesägten Schrotflinte ins Erdgeschossfenster eines Wohnhauses geschossen haben. Die aus kurzer Distanz abgefeuerten Schrotkugeln durchschlugen die heruntergelassenen Rollläden und das Fenster und drangen in die gegenüberliegende Wand des Zimmers ein und beschädigten noch eine Hifi-Anlage.

Nach Ansicht des Staatsanwalts war es pures Glück, dass der allein in dem Haus lebende Bewohner zu diesem Zeitpunkt auf der Couch im Zimmer schlief und nicht aufrecht saß. „Er wäre ansonsten sicher tödlich getroffen worden“, sagt Eric Samel im großen Sitzungssaal des Trierer Landgerichts. Dort wird dem 55-jährigen Angeklagten seit Donnerstag der Prozess gemacht – wegen versuchten Mordes. Der wegen Gewalt- und Drogendelikten vorbestrafte Frührentner soll versucht haben, heimtückisch einen Menschen zu töten, glaubt der Oberstaatsanwalt.

Der seit März in Untersuchungshaft sitzende Osburger bestreitet die Tat. Allerdings habe er sich bislang nicht detailliert zu den Vorwürfen geäußert, sagt Oberstaatsanwalt Samel, sondern diese nur „allgemein abgestritten“. Im Prozess will sich der Angeklagte nach Angaben seines Verteidigers Andreas Ammer nicht zu den Vorwürfe äußern.

Über seinen Lebenslauf gibt der 55-Jährige aber am ersten Prozesstag bereitwillig Auskunft: Nach der Hauptschule macht der Osburger eine Dachdeckerlehre, kauft später ein Haus, in dem er auch heute noch mit der Ehefrau lebt. Tragisch: Im Mai 2007 stirbt der Sohn bei einem Rollerunfall. Der 15-Jährige bricht sich das Genick. Er selbst wird später herz- und lungenkrank, muss den Job vorzeitig an den Nagel hängen und geht in Rente

Nach zehn Minuten ist der erste Verhandlungstag im Trierer Landgericht auch schon wieder beendet. Der Gutachter hat an diesem Tag keine Zeit – ohne ihn kann nicht weiterverhandelt werden.

Es hat lange gedauert, bis die Ermittler dem mutmaßlichen Täter auf die Schliche kamen. Erst anderthalb Jahre nach der Tat, über die auch die meisten Osburger erst aus der Zeitung oder später aus einem Filmbeitrag in der ZDF-Sendung „„Aktenzeichen XY ... ungelöst“ erfuhren, wurde mit dem Frührentner ein Tatverdächtiger festgenommen. Wie zu hören ist, soll der 55-Jährige einem Bekannten gegenüber die Tat eingeräumt haben. Ist das der Fall, dürfte von der Aussage dieses Kronzeugen vieles abhängen.

Die Staatsanwaltschaft hatte seinerzeit 5000 Euro Belohnung ausgesetzt. Ob das Geld jemand bekommt, darüber wird nach Aussage des Leitenden Trierer Oberstaatsanwalts Peter Fritzen erst nach Abschluss des Strafverfahrens entschieden.

Oberstaatsanwalt Eric Samel vertritt die Anklage. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/vetter friedemann

Der Prozess wird am Montag, 25. November, fortgesetzt. Dann sollen mehrere Zeugen gehört werden, darunter auch das bei der Attacke unverletzt gebliebene Opfer. Bislang sind insgesamt vier Verhandlungstag angesetzt. Bleibt es dabei, könnte die fünfköpfige Kammer Mitte Dezember das Urteil fällen.

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