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1,0 und dann ins Waisenhaus in Indien

1,0 und dann ins Waisenhaus in Indien

Sie rockten die Penne - und ernten nun die Lorbeeren. Die besten Schüler der Wittlicher Gymnasien und Realschulen haben für ihre Leistungen Preise erhalten. Damit wollen sie die Welt kennenlernen - und sogar armen Menschen helfen.

Wittlich. Karl Usinger ist ein kluger Kopf, aber irgendwie auch ein ziemlicher Glückspilz. Der 19-Jährige hat sein Abitur mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen. Damit war der Schüler am Technischen Gymnasium nicht alleine. Weil er aber in der Wertung aller geschriebenen Punkte um einen winzigen Zähler doch der beste Abiturient war, darf er sich nun über 5500 Euro freuen. Wie die übrigen besten Schüler der Wittlicher Gymnasien und Realschulen ist Usinger mit dem Bernhard-Clemens-Förderpreis geehrt worden. Dieser zeichnet die besten Abschlüsse aus - und soll die jungen Absolventen dazu anregen, in fremde Länder zu reisen, Sprachen zu lernen und neue Kulturen zu erforschen. Usinger hat nach dem 1,0-Abschluss schon ein besonderes Ziel vor Augen: "Ich kann mir vorstellen, in Indien zu helfen, ein Waisenhaus zu bauen", sagt der Preisträger, der nach der Schule ein Studium als Bauingenieur beginnen möchte. Auch die weiteren Schüler lernen weiter. Hannah Lüders (Peter-Wust-Gymnasium) will Medizin studieren, Catherina Lautwein (Cusanus) Psychologie - und Florian Heinz (Clara-Viebig-Realschule plus) wechselt nun an das Technische Gymnasium. Dorthin, wo Usinger zuvor war. Der scherzte in Richtung des Realschülers: "Dann kannst du in zwei Jahren ja gleich wieder hier abräumen."
Stadtbürgermeister Joachim Rodenkirch verlieh den Absolventen im Pleiner Weinschlösschen ihre Preise. Nicht vor Ort konnte Hannah Weber (Kurfürst-Balduin-Realschule) sein. 18 000 Euro schütteten lokale Sponsoren in diesem Jahr an die Schüler aus - so viel wie nie zuvor in der Geschichte des Preises, den es seit 2012 gibt. Rodenkirch lobte: "Ich habe das Gefühl, dass die Wittlicher Schulen richtig was leisten. Dass eine solche Ehrung in der Gemeinschaft geschieht, zeigt, dass hier alle zusammen die Dinge voranbringen." Danach waren die Schüler und Eltern noch zum Essen eingeladen. Die Jungs und Mädchen mit den Traumabschlüssen animierte Rodenkirch, die Welt zu entdecken. Schon Goethe habe einst gesagt, dass Reisen der beste Weg zur Bildung sei. "Und was vor 200 Jahren galt, das gilt auch noch heute." flor