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1,2 Millionen für ein neues Hotel in Manderscheid

Infrastruktur : Hohe Hürden für Hoteliers

Jürgen Vogt und Andrea Staar planen, in Manderscheid ein neues Vier-Sterne-Hotel zu eröffnen. Doch das ist nicht so einfach.

„Ein Irrsinn ist das, ein Irrsinn“, sagt Jürgen Vogt und steht im Foyer des ehemaligen Hotels Tara in Manderscheid. Zusammen mit seiner Partnerin Andrea Staar, die das Haus Ende 2016 gekauft hat, renoviert er derzeit das Hotel. Das Paar plant, den Betrieb unter dem neuen Namen Hotel Staar im Frühjahr als Vier-Sterne-Haus zu eröffnen.

Mit Irrsinn, den Vogt meint, sind die gesetzlichen Bestimmungen gemeint, die die beiden bis dahin überbrücken mussten und müssen. Insgesamt stecken Vogt, gelernter Betriebswirt, und Staar, die nach eigenen Angaben jahrelang in der Hotellerie in führenden Häusern gearbeitet hat, 1,2 Millionen Euro in das Projekt, weitgehend gedeckt aus Eigenkapital.

Eine niedrige sechsstellige Summe wurde dabei investiert, um aktuelle Brandschutzauflagen zu erfüllen.

„Wir brauchten spezielle Türen, ein spezielles Treppengeländer und unter anderem einen Brandschutzvorhang im Foyer“, zählt Vogt auf. Allein dieser, mit dem sich das Foyer des 1975 erbauten Gebäudes in zwei Bereiche teilen lässt, habe 15 000 Euro gekostet.

Beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sind diese Probleme bekannt (TV vom 5. Januar). Denn: Mit einem Eigentümerwechsel erlischt die vorhandene Konzession. Um ein Gasthaus oder Hotel auf den aktuellen Stand der Vorschriften und Regelungen zu bringen, seien oft sechsstellige Investitionssummen nötig, die der neue Besitzer manchmal nicht habe, wie Dehoga-Landesvorsitzender Gereon Haumann damals dem Volksfreund sagte. Sein Plan: Ein neuer Betreiber sollte nicht zu einem bestimmten Stichtag alle Ansprüche erfüllen, sondern drei bis fünf Jahre Zeit haben, in der sich das Geschäft vielleicht schon trägt und eine Bank leichter Kredit gewährt.

Dieser Meinung sind auch Staar und Vogt. Denn trotz 900 000 Euro Eigenkapital, die Andrea Staar geerbt hat und  die aus dem Verkauf ihres Unternehmens in Österreich stammten, brauchten die beiden einen Kredit von 300 000 Euro, um das Hotel den Vorgaben und ihren Vorstellungen entsprechend in ein Vier-Sterne-Haus umzubauen. Das fehlende Geld haben sie aber trotz Sicherheiten nicht sofort von einer Bank geliehen bekommen, im Gegenteil.

„Alle Banken haben abgewunken, keinen Cent haben wir bekommen“, sagt Vogt. Erst eine heimische Bank aus der Eifel habe schließlich den Kredit gewährt. Als der Umbau starten konnte, fehlte es oft an Handwerkern, die Zeit hatten und auch die geforderten Arbeiten erledigen konnten.

 Ein Brandschutzvorhang im Foyer war nur eine Auflage, die vor der Neueröffnung des Staar Hotels in Manderscheid erfüllt werden musste.
Ein Brandschutzvorhang im Foyer war nur eine Auflage, die vor der Neueröffnung des Staar Hotels in Manderscheid erfüllt werden musste. Foto: Klaus Kimmling/klaus kimmling
  Andrea Staar und Jürgen Vogt wollen in Manderscheid im Frühjahr das Staar Hotel eröffnen.
 Andrea Staar und Jürgen Vogt wollen in Manderscheid im Frühjahr das Staar Hotel eröffnen. Foto: Klaus Kimmling/klaus kimmling

Denn neben dem Brandschutz mussten auch, wie bei Gebäuden aus den 1970ern üblich, die Fenster ausgetauscht und die Heizung erneuert werden, zudem wurden die Inneneinrichtung und -ausstattung komplett ausgetauscht und gegen ein einheitliches modernes Design getauscht. Denn das kleine Hotel soll künftig  neben der für Vier Sterne nötigen Voraussetzungen (siehe Extra) auch eine Motorrad-Werkstatt, spezielle Räume und Ausstattungen wie eine Schuhheizung für Motorradfahrer, eine Fahrrad-Werkstatt, eine E-Tankstelle, einen Indoor-Pool, ein hochmodernes Fitnessstudio und einen Fahrradverleih haben. Zudem wird es unter anderem ein öffentlich zugängliches Café sowie eine Weinbar und einen Weinverkauf zweier Winzer von der Mosel geben. Das Ziel von Jürgen Vogt und Andrea Staar ist es, in den ersten drei Jahren jeden Tag geöffnet zu haben. Doch bevor vermutlich im  Frühjahr eröffnet wird, müssen noch die letzten Arbeiten im Innern und am Außengelände des Hotels fertiggestellt werden – in der Hoffnung, dass nicht noch mehr „Irrsinn“ die Österreicherin und den gebürtigen Paderborner, die das „Wagnis“ einer Hotel-Eröffnung in der Vulkaneifel (Staar: „Wir kamen übers Internet nach Manderscheid.“) überrascht.