10 000 Liter Wasser auf sechs Reifen – So arbeiten die Wittlicher Wasserwerfer

Serie Polizeiarbeit in Wittlich : 10 000 Liter Wasser auf sechs Reifen – So arbeiten die Wittlicher Wasserwerfer

In Wittlich gibt es viele Polizeieinheiten, die es sonst in der Region an keinem anderen Standort gibt – darunter auch die Wasserwerfer. Was deren Aufgabe ist, hat der TV auf einer Rundfahrt in Erfahrung gebracht.

10 000 Liter passen in das riesige, dunkelblaue Gefährt, das sich auf dem Hof der Wittlicher Polizei dröhnend in Bewegung setzt. Als der Wasserwerfer sich aus Wengerohr hinaus und über das Wittlicher Land bewegt und die Landstraßen entlangfährt, wirkt es, als hätte er sich von einer Großstadt-Demo in die Landidylle verfahren.

Die Oberkommissare Christian Klemm und Alexander Hagenhoff aus der Technischen Einsatzeinheit (TEE) kennen sich gut in dem großen Fahrzeug aus. „Vorne rechts neben dem Fahrer sitzt immer der Beobachter. Hinten in der Mitte sitzt der Kommandant und links und rechts jeweils die Werfer eins und zwei.“ Auf der kleinen Spazierfahrt beim Reiler Hals angekommen, schleicht der blaue Riese den Berg hinauf, manchmal ist es ziemlich ruckelig. „Man merkt, dass der in so einem Gelände gar nicht so leicht zu steuern ist – auch für erfahrene Fahrer.“ Bei 115 Kilometern pro Stunde ist der Wasserwerfer abgeriegelt, vollgetankt mit Wasser wiegt das Gefährt rund 33 Tonnen.

Wenn der Wasserwerfer nicht gerade eine Rundfahrt in der Region  macht, kann er in ganz Deutschland eingesetzt werden. Zum Beispiel auf Demonstrationen, bei denen Gewalt auftreten könnte. „Wir waren unter anderem beim G 20-Gipfel in Hamburg 2017 dabei, da haben wir auch tatsächlich Wasser abgegeben und stundenlang Straßenzüge geräumt. Beim G 8-Gipfel in Heiligendamm haben wir 48 Stunden in dem Ding gesessen“, sagt Klemm. „Wir haben aber zum Beispiel auch schon mal ein Feuer am Hambacher Forst abgelöscht.“

Das ist nicht der einzige Einsatz, bei dem der Wittlicher Wasserwerfer zur Bekämpfung von Feuer benutzt wurde, statt auf Demonstrationen beispielsweise Blockaden aufzulösen. Für diese Zwecke kann dem Wasser auch sogenanntes „Fire Aid“ zugemischt werden, das beim Löschen von Bränden zusätzlich helfen soll. Aber auch Reizgas kann in entsprechenden Fällen von dem Fahrzeug aus eingesetzt werden.

Die Werfer auf der linken und der rechten Seite können den Druck, mit dem das Wasser aus dem Fahrzeug schießt, regulieren. Auch die Möglichkeit zum Auffächern des Strahls gibt es. „Ganz weit aufgefächert ist das dann so, als würde man im Regen stehen“, sagt Klemm. Außerdem müssen die Werfer auf ihren Plätzen immer erst vom Kommandanten in der Mitte per Knopf die Erlaubnis bekommen, Wasser abzugeben. An verschiedenen Stellen im Fahrzeug sind Bildschirme verteilt, die das zeigen, was die Kameras außen am Fahrzeug aufnehmen. So können die Beamten laut Klemm sowohl den Überblick behalten als auch während eines Einsatzes alles dokumentieren.

Philipp Keller, Kommandant in der Wasserwerfer-Staffel der TEE, steigt in einen der gepanzerten Sonderwagen der Polizei ein. Die Fahrzeuge können jederzeit für Einsätze in ganz Deutschland angefordert werden. Foto: TV/Marlene Bucher

Neben zwei Wasserwerfern haben die Beamten der TEE in Rheinland-Pfalz auch zwei gepanzerte Sonderwagen zur Verfügung. Sie werden umgangssprachlich auch als Räumpanzer bezeichnet. Sowohl die Beamten als auch die Ausstattung der TEE können für Einsätze in ganz Deutschland abgerufen werden. Und die Ausrüstung der Einheit reicht noch weiter – in den Hallen in Wengerohr findet man zum Beispiel Polizeigitter zum Absperren, wie man es häufig auf Demos sieht, oder auch Lichtmastanhänger für die nächtliche Arbeit. Die Beleuchtung kommt unter anderem bei der Bergung von Menschen zum Tragen.

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