1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

100 Prozent: Eifel-SPD kürt Jens Jenssen

100 Prozent: Eifel-SPD kürt Jens Jenssen

Jens Jenssen aus Daun tritt für die SPD im Wahlkreis Bitburg (203) bei der Bundestagswahl 2013 an. In Prüm ist der 32-Jährige einstimmig gewählt worden. Ersatzkandidatin ist die Wittlicherin Nadine Zender (26).

Wittlich/Prüm/Daun. Symbolträchtiger Veranstaltungsort: Nicht in einer Seniorenresidenz, sondern im Jugendgästehaus in Prüm hat die Eifel-SPD ihren Direktkandidaten für die Bundestagswahl gewählt. Es ist der 32-jährige Jens Jenssen aus Daun, der einziger Kandidat war.
Nachdem sich zuvor bereits alle drei SPD-Kreisverbände in der Eifel (Vulkaneifel, Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich) einstimmig für Jenssen ausgesprochen hatten, folgten die Delegierten bei der Wahlkreiskonferenz dieser Empfehlung einstimmig: Alle 74 Stimmberechtigten sprachen sich für den 32-Jährigen aus. Zur Ersatzkandidatin wurde Nadine Zender (26) aus Wittlich gewählt - ebenfalls einstimmig.
Überwältigt von dem Ergebnis sagte Jenssen direkt nach seiner Wahl: "Ich freue mich sehr. Dieses Votum stärkt mich, stärkt uns für einen erfolgreichen Wahlkampf. Und es ist ein klares Signal: Wir sind geschlossen, das ist unsere Stärke."
Zentral: Soziale Gerechtigkeit


Als zentral erachtet er das Eintreten für einen neuen Politikstil. Jenssen sagte: "Ich will nicht nur für die Menschen etwas bewegen, sondern vor allem mit ihnen." Denn Politik werde nicht nur in den Parteien, Räten und Parlamenten gemacht, sondern auch in vielen Ehrenämtern. Für diese möchte er Ansprechpartner sein. Sein wichtigstes Anliegen: soziale Gerechtigkeit. Ohnehin überwiegt bei Jenssen eher das Diplomatische, das Wohldurchdachte, die Suche nach dem Kompromiss.
Ein politischer Polterer ist er nicht. Und trotzdem lässt er keinen Zweifel daran, was er will: "Ich möchte 2013 in den Deutschen Bundestag einziehen, denn die Eifel braucht in Berlin wieder eine starke Stimme."
Während sich Vater Wolfgang, einer der ersten Gratulanten und seit einer gefühlten Ewigkeit Stadtbürgermeister von Daun, noch mit einem Landtagsmandat begnügte (1971 bis 1979), will der Junior gleich nach Berlin. Oder besser: gleich wieder. Denn dort hat der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag Vulkaneifel Politologie studiert und als Referent eines Bundestagsabgeordneten erste Erfahrungen in der Politik gesammelt. Seine wohl wichtigste Erfahrung hat Jenssen indes bei den Eifeler Genossen gemacht: dass man im Politikbetrieb einen langen Atem braucht. Schließlich ist er auf der Wahlkreiskonferenz vor vier Jahren wie sein ebenfalls junger Mitstreiter Nico Steinbach aus Oberweiler als hoffnungsvolles Talent angetreten und hat dann doch noch den Kürzeren gegen die damals 58-jährige Elke Leonhardt aus Manderscheid gezogen.
Zum Wahlkreis 203 (Bitburg) zählen die Landkreise Vulkaneifel und Bitburg-Prüm sowie aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich die Stadt Wittlich sowie die Verbandsgemeinden Kröv-Bausendorf, Manderscheid und Wittlich-Land.
Meinung

Überfällige Zeitenwende
Endlich: Die SPD in der Eifel hat mit der Nominierung von Jens Jenssen den überfälligen Generationswechsel vollzogen, zu dem sie 2008 noch nicht den Mut hatte und doch noch einmal Elke Leonhardt aufs Schild gehoben hatte. Spätestens nach deren schlechtem Abschneiden bei der Bundestagswahl 2009 (24,1 Prozent) war aber vielen klar: Diese Entscheidung war ein Fehler, da sie das falsche Signal gesetzt hat. Mit dem jungen, aber bereits politisch erfahrenen Jenssen , der im Kreis Vulkaneifel in einer schwierigen kommunalpolitischen Landschaft eine durchaus gute Figur abgibt, läutet die SPD ihre Zeitenwende ein. Ob der Diplom-Politikwissenschaftler es allerdings schafft, erstmals in der Geschichte als Sozi ein Direktmandat in der Eifel zu erringen, darf angesichts der traditionell schwarzen Färbung des Landstrichs und des designierten Hauptkonkurrenten, CDU-Landesgeneralsekretär Patrick Schnieder, und vielleicht auch Joachim Streit von der FWG (?) bezweifelt werden. Deswegen wird Jenssen in den nächsten Monaten nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern vor allem auch in der Partei um Stimmen werben - für eine gute Platzierung auf der Landesliste. m.huebner@volksfreund.de