1000 Jahre Austausch

WITTLICH. (red) Im Rahmen des christlich-islamischen Gesprächs referierte Franz-Josef Hassemer zum Thema "1000 Jahre deutsch-türkische Beziehungen".

Begegnungen zwischen Türken und Deutschen haben eine lange Geschichte. Auch wenn sie oft - wie zum Beispiel durch die türkisch-osmanischen Eroberungskriege seit dem frühen 14. Jahrhundert - von kriegerischen Auseinandersetzungen begleitet waren, gab es in der mehr als 1000-jährigen Geschichte gemeinsamer Berührungen nicht erst in jüngerer Zeit Bemühungen um Verständigung und friedliches Miteinander. Dies wurde deutlich in einem Vortrag von Franz-Josef Hassemer, in dem er zum Beispiel darauf hinwies, dass sich Nikolaus von Kues eingehend mit dem Koran beschäftigt hatte und sich um Verständigung zwischen dem Christentum und dem Islam bemüht hatte. Hassemer spannte in seinem Vortrag im Rahmen des christlich-islamischen Gesprächs einen weiten Bogen von der Schlacht in Malasgiot 1071, die den seltschukischen Türken den Weg nach Klein-Asien öffnete, über die Kreuzzüge bis zur Gegenwart mit mehr als zwei Millionen in Deutschland sesshaft gewordenen Türken. Vor allem seit dem 19. Jahrhundert verbesserte sich das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland immer mehr: So diente zum Beispiel Moltke als Militärberater. Bismarck bewahrte auf dem Berliner Kongress 1878 den Sultan vor Gebietsverlusten an Russland. Wilhelm II. besuchte 1889 und 1898 Konstantinopel, Damaskus und Jerusalem. Deutsche Ingenieure planten und bauten die anatolische, die Bagdad- und die Hedschas-Bahn.Türkei unter Atatürk: Noch intensivere Zusammenarbeit

Die deutsche politische Führung lehnte die von England, Frankreich und Russland insgeheim vorgeschlagene Aufteilung des Osmanischen Reiches ab. Und schließlich kämpften im 1. Weltkrieg deutsche und türkische Truppen an den Dardanellen, im Irak und in Palästina gegen die Alliierten. Die moderne Türkei unter Kemal Atatürk brachte weitere enge Zusammenarbeit: Deutsche Wissenschafter, Architekten, Ingenieure und Ärzte waren vor allem in der neuen Hauptstadt Ankara tätig, türkische Arbeiter und Studenten wurden in Deutschland ausgebildet. Besonders hervorzuheben ist, dass seit 1993 deutsche Emigranten in der Türkei Aufnahme und Arbeit fanden, unter ihnen Ernst Reuter, der spätere Bürgermeister West-Berlins. Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag Hassemers griff sehr stark die heutige Situation auf und ging der Frage nach, wie die Integration der heute in Wittlich und Umgebung lebenden türkischen Mitbürger gefördert werden kann. Ein besseres Verständnis der jeweils anderen Bräuche und Sitten wurde dabei als eine Voraussetzung genannt. Einen weiteren Beitrag dazu wollen die Katholische Erwachsenenbildung und die Wittlicher Pax-Christi-Gruppe leisten. Am 13. Februar wird um 20 Uhr das christlich-islamische Gespräch fortgesetzt mit dem Thema "Bedeutung und Erfahrung von Familie bei Christen und Muslimen". Auch diese Veranstaltung wird im Sankt-Markus-Haus in Wittlich stattfinden.