1000 Jahre, ein Dokument

Vier Dörfer im Kreisgebiet feiern in diesem Sommer große Feste. Reil, Osann, Salmrohr und Sehlem werden 1000 Jahre alt. Drei davon gründen ihre Feier auf dieselbe Urkunde aus der Zeit um 1008.

 Auszug aus dem Anhang zur „Vita Magnerici“, dem Ersterwähnungs-Dokument von Osann, Salmrohr, Sehlem und Monzel im Stadtarchiv Trier. TV-Foto: Erich Gerten

Auszug aus dem Anhang zur „Vita Magnerici“, dem Ersterwähnungs-Dokument von Osann, Salmrohr, Sehlem und Monzel im Stadtarchiv Trier. TV-Foto: Erich Gerten

Salmtal/Osann-Monzel/Sehlem. Das genaue Alter eines Dorfes zu bestimmen, wird von vielen Historikern als nicht machbar betrachtet. Denn das Ersterwähnungsjahr ist meist ein Zufallsdatum, weil eine Urkunde erhalten geblieben ist. So ist es auch in Sehlem, Salmrohr und Osann, die in diesem Jahr ihre 1000-Jahr-Jubiläen feiern. Die entsprechende Urkunde, dem im Stadtarchiv Trier aufbewahrten Anhang zur "Vita Magnerici", wurde Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Jahreszahl 1008 publiziert. Wohl wussten die Historiker damals und ebenso wissen die Menschen aus den drei Dörfern heute, dass die Zahl 1008 lediglich ein Anhaltspunkt ist. Denn in der Vita wird von der Vergangenheit gesprochen. Ein Anhang mit der Auflistung der Orte, in dem auch die Ortsnamen Osann sowie Salmrohr und Sehlem enthalten sind, entstand in der Zeit zwischen 1008 und 1040. Ein viertes Dorf hätte ebenfalls die Möglichkeit, die Urkunde als Ersterwähnungsdokument zu nutzen. Denn vor kurzem hat sich herausgestellt, dass der Ortsteil Monzel der Gemeinde Osann-Monzel ebenfalls in dieser Urkunde erwähnt wird. Bisher wurde das Wort "muncele villam" versehentlich mit Monzelfeld übersetzt.Auch wenn die Jahreszahl der Erstellung des Anhangs zur "Vita Magnerici" nicht genau datierbar ist, hat dies für die Geschichte letztlich keine Bewandtnis. Denn das Schriftstück berichtet, dass beispielsweise die Kirche von Osann bereits in der Zeit um 950 bestanden hat. In Osann, das seine Festtage am Wochenende vom 27. bis 30. Juni feiert (ausführlicher Bericht folgt), ist zur Eröffnung des Jubiläumsjahres offen kommuniziert worden, dass der Ort weitaus älter ist als die Ersterwähnung vermuten lässt. In Salmrohr gibt es Anhaltspunkte, dass der Ort bereits im 7. Jahrhundert bestanden hat. Auch das wissen die Salmrohrer schon seit vielen Jahren. Die drei Dörfer sehen jedoch keinen Grund, deswegen auf Jubiläumsfeiern zu verzichten. Den Organisatoren geht es um viel mehr als um triste Zahlen. Denn ein Ortsjubiläum bringt viel Positives hervor und tut einem Ort einfach gut, wie die Erfahrung aus anderen Dörfern bestätigen. Im Vordergrund steht das Gemeinschaftsgefühl. Selbst die Stadt Trier hat 1984 einen Aufwärtstrend gespürt, obwohl das 2000-Jahr-Jubiläum kein gesichertes Datum war. Außerdem hat sich nach brandaktuellen Forschungen herausgestellt, dass die 1000-Jahr-Feiern spätestens in zwei Jahren sowieso angestanden hätten. Denn einer der Namen, die in der Vita genannt werden, bezieht sich auf einen Edelmann aus Malberg/Kyll. Und der starb im Jahre 1010. Hintergrund Die "Vita Magnerici": Die "Vita Magnerici" beschreibt das Leben des heiligen Magnerich (gestorben 596), Trierer Bischof und Gründer der ehemaligen Abtei St. Martin am Trierer Moselufer in der Nähe der heutigen Kaiser-Wilhelm-Brücke. Das Dokument wurde durch einen Anhang ergänzt, der in der Zeit zwischen 1008 und 1040 entstanden ist und sich auf zehn Orte der Region Trier bezieht, in denen die Abtei St. Martin rund 100 Jahre zuvor Land besaß. Die Verwüstung des Klosters durch einen Normannen-Einfall Ende des 9. Jahrhunderts und die Wegnahme des Besitzes durch den Trierer Bischof Heinrich (957 bis 960) war letztlich der Auslöser für die Erstellung. Denn um das Jahr 1000 brachte Abt Eberwin die zerrütteten Verhältnisse der Abtei St. Martin in Ordnung und berichtet, dass die Benediktinerabtei durch Raub viel Besitz verloren habe, unter anderem in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Kirche von Osann sowie Landbesitz in Salmrohr bei Sehlem und in Monzel. Alle diese Güter hätten noch wenigstens bis etwa 950 der Abtei gehört. (ger)