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13 000 Euro für die fünf Wittlicher Stadtteile

13 000 Euro für die fünf Wittlicher Stadtteile

Wittlichs Ortsvorsteher haben seit dem Jahr 2000 eine Art Taschengeld, Budget genannt, bekommen. Für den kleinsten Stadtteil Dorf sind das 1520 Euro im Jahr, für den größten Stadtteil, Wengerohr 4516 Euro. Insgesamt gibt es 13 000 Euro für Maibäume, Geschenke oder Bankgebühren.

Wittlich. Wittlich hat einen Bürgermeister und fünf Ortsvorsteher. Die sind streng genommen keineswegs "kleine Bürgermeister", zumal dieser Spezial-Titel längst an Wittlichs ersten Beigeordneten Albert Klein vergeben ist.

Die Ortsvorsteher können selbst keine großen Entscheidungen treffen: Was sie und die Ortsbeiräte wünschen, gilt als Empfehlung für den Stadtrat, wobei letzterer diesen Empfehlungen meist folgt.

Auch wenn die Einwohner der Stadtteile sich oft mit ihren Beschwerden, Wünschen, Anregungen an ihren Ortsvorsteher wenden: Der Bürgermeister ist ein anderer, und das ist er eben für die Gesamtstadt inklusive Stadtteile.

Auch Straßenlänge entscheidend



Einen kleinen Spielraum allerdings haben die Ortsvorsteher: Seit 2000 gibt es ein Budget extra für sie: Es sind seither 13 000 Euro im Jahr, die wie folgt verteilt sind: Dorf: 1520 Euro, Lüxem 2197 Euro, Neuerburg 2326 Euro, Bombogen 2442 Euro und Wengerohr 4516 Euro.

Das Zustandekommen der Summen ist kompliziert: Einwohnerzahl, Größe (räumliche Ausdehnung) des Stadtteils und die Länge der gereinigten Straßen (tatsächlich) wurden einst von der Stadtverwaltung miteinander verrechnet, um die Budgets einzuteilen. Wofür das Geld ausgegeben wird, müssen die Ortsvorsteher jährlich der Stadtverwaltung mitteilen. Auf eine Presseanfrage im Dezember gaben sie sich allesamt zugeknöpft: Was mit dem Geld aus dem Budget passiert ist, wollten die Ortsvorsteher Theodor Brock (Wengerohr), Reinhold Westhöfer (Neuerburg), Thomas Simon (Dorf), Peter van der Heyde (Lüxem) und Hermann-Josef Krämer (Bombogen) nicht verraten. Jetzt ist das Stadtratsthema und öffentlich.

0,97 Euro Bankgebühren



Im vergangenen Jahr haben sie den dicksten Posten, das sind 2741 Euro insgesamt, in Müllgebühren und Reinigung und Pflege des Ortsbildes investiert. Ausnahme: Lüxem. Der Stadtteil sticht durch eine einmalige Investition von 3000 Euro in die Erstellung einer Homepage hervor, wobei allerdings 1610 Euro durch Werbung eingenommen wurden und die Stiftung Stadt Wittlich 500 Euro Zuschuss gab.

Die Buchführung nimmt es ganz genau: Der kleinste Betrag ist bei Dorf gelistet: 0,97 Euro Bankgebühren. Die gibt es in Bombogen und Lüxem gar nicht, in Neuerburg mit 11,66 Euro und in Wengerohr mit 11,47 Euro tauchen sie ebenfalls auf.

Wengerohr scheint auch die meisten Altersjubiläen zu haben. 651 Euro schlugen dafür zu Buche, gefolgt von Lüxem (270 Euro) und Bombogen (110,10 Euro). In Dorf hat man für solcherlei Geburtstagspräsente 70,70 Euro ausgegeben und in Neuerburg 42 Euro.

Einen Posten, den jeder Stadtteil hat, der aber unterschiedliche Ausgaben verursacht, ist der Weihnachtsbaum: 884,22 Euro kostet der in Wengerohr, 807,84 Euro in Neuerburg, 394,60 Euro in Dorf, 166,60 Euro in Lüxem und 55,95 Euro in Bombogen.

Extraposten für Weißstörche



Ansonsten listen die Ortsvorsteher auch Flyer, Mulcharbeiten, Neujahrsempfang, Volkstrauertag und auch Bürobedarf in ihren Jahresabrechnungen auf. Für Letzteren hat man in Bombogen mit 380 Euro am meisten ausgegeben. In Wengerohr waren es 148,34 Euro, in Neuerburg 18,70 Euro in Dorf, acht Euro und in Lüxem gar nichts.

Überhaupt hat jedes der ehemaligen Dörfer und heutigen Stadtteile seine Besonderheit: In Bombogen sind das 182,96 Euro für ein Projekt zur Ansiedlung der Weißstörche, in Wengerohr 559,30 für Fahnen, in Dorf 25 Euro für eine Vollsperrung zum Dorffest, in Lüxem die Homepage und in Neuerburg 550 Euro für ein Festzelt und Anhänger-Miete.

Wen die Ausgaben der Ortsvorsteher intensiver interessieren: Sie sind Mitteilungsthema in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 14. April, 18 Uhr, im Alten Rathaus.