13 000 Euro Geldstrafe für Assistenzarzt

13 000 Euro Geldstrafe für Assistenzarzt

Zu 130 Tagessätzen hat das Amtsgericht Cochem einen Mediziner wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

Cochem. Verzweifelte Eltern flehen einen Krankenhausarzt vergeblich um Hilfe für ihr hoch fieberndes Kleinkind an, eine Frau leidet stundenlang unter heftigen Kopfschmerzen, ohne dass der Arzt wirksame Hilfe einleitet, und eine vom Notarzt eingelieferte Patientin wird gar nicht erst angeschaut. Deswegen hat das Amtsgericht in Cochem nun einen ehemaligen Assistenzarzt des Cochemer Krankenhauses wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Gesamtgeldstrafe von 130 Tagesätzen à 100 Euro verurteilt. Zur Anklage kamen vier Fälle, in einem wurde der Arzt freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Vorsitzende der Schöffenverhandlung, Amtsrichter Wilfried Johann, erklärte vor der Urteilsbegründung: "Wir sind uns durchaus bewusst, dass es um Ihre berufliche Existenz geht. Dennoch mussten wir so urteilen."
Im Fall der Kopfschmerzpatientin stellte der Angeklagte die falsche Diagnose Migräne und leitete die falsche Behandlung ein. Johann betonte, dass das rechtsmedizinische Gutachten klar festgestellt habe, dass bei der Patientin auch Symptome für die mehrere Stunden später von einem Neurologen diagnostizierte Hirnblutung vorlagen. Der Angeklagte sei verpflichtet gewesen, eine Computertomografie durchzuführen. Hier sei von fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassung auszugehen.
Bei dem 17 Monate alten Kind hält es das Gericht für erwiesen, dass der Arzt "nichts weiter unternommen hat, als die verzweifelten Eltern abzuwimmeln". Johann: "Sie hätten das Kind untersuchen müssen, aber Sie haben nichts getan." Das hätten mehrere Zeugen bestätigt, unter anderem der Notarzt, der das Kind in eine Kinderklinik brachte. Diesen Fall wertete das Gericht als unterlassene Hilfe in Tateinheit mit Körperverletzung.
"Unterlassene" Hilfe urteilte das Gericht auch im Fall der Frau, die mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik gebracht wurde. Da sich dieser Verdacht nicht bestätigte, liege keine Körperverletzung vor, aber: "Es ist erwiesen, dass Sie die Patientin nicht aufnehmen wollten und sie erst untersucht haben, nachdem Ihr Chef sich eingeschaltet hatte." Johann hielt dem Arzt vor: "Sie haben geschworen, Kranken nicht zu schaden, aber sie haben drei Menschen geschadet." Außerdem warf er ihm "eine Verbindung aus Inkompetenz und Arroganz" vor. Das sei zwar nicht strafbar, habe aber die unerfreulichen Begebenheiten mit ausgelöst. bme

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