1964 wurden 18 Moselschleusen in Betrieb genommen

Landmarken : In die Jahre gekommene Attraktionen

TV-Serie Landmarken: 1964 wurden 18 Moselschleusen in Betrieb genommen. Eine von ihnen ist in Wintrich – ein Besuch.

Mit der Mosellandschaft verbinden viele Menschen Sehenswürdigkeiten wie steile Weinberge oder  historische Gebäude wie Burgen.

Doch auch die Staustufen gehören zu den Attraktionen, an denen Fahrradtouristen gerne eine Pause einlegen, um zu sehen, wie ein Schiff in die Schleusenkammer einläuft.

So wie das niederländische Frachtschiff Noordenwind, das an diesem Tag flussabwärts in Richtung Koblenz unterwegs ist und in die Schleusenkammer der Staustufe in Wintrich eingefahren ist. Vorher hatte der Kapitän per Handy sein Kommen angekündigt. „Bis 11,40 Meter dürfen die Schiffe breit sein“, sagt Marc Spaniol, Außenbezirksleiter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn.

Die Schiffe sind beim Bau auf die Größe der zwölf Meter breiten Schleusen ausgelegt worden. So sind es lediglich rund 25 Zentimeter, die die Noordenwind von der seitlichen Schleusenwand entfernt ist.

Der Schleusenwärter öffnet das vordere Tor, damit das Wasser aus der Schleusenkammer ablaufen kann. Ein Höhenunterschied von 7,50 Metern müssen die Schiffe in Wintrich überwinden. Langsam senkt sich der Wasserspiegel, bis dieser nach wenigen Minuten die Höhe der Mosel unterhalb der Schleuse erreicht hat. Die Tore öffnen sich komplett, der Schleusenwärter schaltet die Ampel auf Grün, und die Noordenwind setzt ihre Fahrt fort.

170 Meter ist die Schleusenkammer lang. Damit können Schiffe bis zu einer Länge von 135 Metern geschleust werden, so Spaniol. Der gesamte Vorgang dauert für die Schiffe etwa eine halbe Stunde. 18 solcher Schleusen gibt es zwischen dem französischen Thionville und Koblenz, wie Mathias Münch, Fachbereichsleiter Wasserstraßen im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn, mitteilt. 1964 sind sie in Betrieb genommen worden. 2018 sind an der Schleuse Koblenz 6168 Güterschiffe gezählt worden, die etwa neun Millionen Tonnen Fracht befördert haben. „Ein schlechtes Jahr“, sagt Münch. 2017 waren es 10,8 Millionen Tonnen. Der Grund liegt am Rhein, der im Vorjahr einen sehr niedrigen Wasserpegel gehabt hatte, so dass die Schiffe teilweise nur noch mit geringeren Frachtladungen fahren konnten. Das hat sich auch auf den Güterverkehr auf der Mosel ausgewirkt, obwohl die Staustufen dort den Wasserstand stabil halten. Zu den durchschnittlich 18 Frachtschiffen pro Tag kommen insbesondere zwischen April und Oktober noch zahlreiche Sportboote und Fahrgastschiffe, die geschleust werden müssen.

Doch besteht die ganze Anlage bei Wintrich aus mehr Komponenten als der Schleusenkammer. Direkt im Anschluss befinden sich eine zweite Schleuse für Sportboote bis 18 Meter Länge und 3,30 Meter Breite, die die Eigner selbst bedienen können, und eine Wasserrutsche für Kajaks. Dann folgt das dreiteilige Wehr, von denen eines derzeit mit einer Hilfskonstruktion abgetrennt ist, damit Wartungsarbeiten erledigt werden können. Auf der Hunsrückseite der Staustufe befindet sich das Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 20 Megawatt. Der dort angebrachte Fischpass, mit der Fische die Fallhöhe von 7,50 Meter überwinden und die Mosel entlangwandern können, soll vergrößert werden, sagt Münch. „Heute hat man mehr Wissen über die Fischwanderungen als vor 50 Jahren“, sagt er.

An der Schleuse in Wintrich stehen bald Veränderungen an. Denn die Staustufen an der Mosel werden nach und nach jeweils mit zwei Schleusenkammern ausgestattet. Die Schleuse in Koblenz hatte schon immer zwei solcher Kammern, in Zeltingen und Fankel ist der Ausbau bereits abgeschlossen. In Trier wird die zweite Schleusenkammer noch dieses Jahr fertig. In Lehmen laufen die vorbereitenden Arbeiten zum Ausbau. Sobald Trier fertig ist, soll der Ausbau der Staustufe Wintrich in Angriff genommen werden. Der genaue Termin steht noch nicht fest. 2020 sollen für Wintrich erst die vorbereitenden Arbeiten wie Ausschreibungen in Angriff genommen werden.

Grund für den Ausbau der Schleusenkammern ist deren Alter. Denn mehr als 50 Jahre nach deren Eröffnung stehen immer öfter Reparaturen an. „Wir brauchen Betriebssicherheit. Wenn eine Kammer ausfällt, steht die ganze Mosel still“, sagt Spaniol. Wenn eine zweite Kammer existiere, könne man die andere dauerhaft ertüchtigen. Die Kosten für den Bau einer zweiten Schleusenkammer betragen für jede Staustufe rund 50 Millionen Euro, so Münch. Wann der Ausbau aller Staustufen abgeschlossen sein wird, sei derzeit nicht zu prognostizieren.

Eine zweite Änderung steht dazu bei der Bedienung der Schleusen an, so Münch. Derzeit ist die Wintricher Schleuse mit einem Team von sechs Mitgliedern rund um die Uhr besetzt. Die Bedienung aller Schleusen soll auf lange Sicht allerdings von einer Leitzentrale in Trier erfolgen, so dass die Schleusenwärter nicht mehr vor Ort sind, sondern aus der Ferne die Schleusenkammern bedienen.

Mehr von Volksfreund