2011er ist ein "Kometenjahrgang"
Wiltingen · Die Winzer sind rundum begeistert. Kurz vor Ende der Lese 2011 sprechen sie von einem denkwürdigen Jahrgang. Die Herbstpressekonferenz des Vereins Moselwein in Wiltingen (Saar) war von Euphorie geprägt.
Wiltingen. Der Mosel-, Saar- und Ruwerwein ist beliebt - nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Zur Herbstpressekonferenz des Vereins Moselwein sind nicht nur aus ganz Deutschland und Luxemburg Journalisten angereist, sogar Gäste aus Südkorea sind nach Wiltingen an die Saar gekommen.
Und sie waren von dem Ergebnis der 2011er-Lese genauso begeistert wie die Vertreter der Gebietsweinwerbung. "In acht bis neun Jahren ist der Moselriesling die Nummer eins unter den Weißweinen in Südkorea", prognostiziert Ökonomierat Adolf Schmitt, Ehrenpräsident des Weinbauverbandes Mosel (Zahlen zum Export und Weinbaugebiet im Extra). Er hält den 2011er-Jahrgang für einen außergewöhnlichen: "Für mich als Winzer ist das der schönste Herbst, den ich je erlebt habe", sagt der 69-Jährige, der sich seit fast 50 Jahren mit Wein beschäftigt.
Von Qualität und Quantität her ziehen die Moselwinzer beim 2011er Parallelen zu dem "Kometenjahrgang" 1911. Ein besonderer Jahrgang, in dem Qualität und Quantität stimmten. Der Begriff "Kometenjahrgang" hängt mit der Sichtung des Halleyschen Kometen 1910 zusammen. Es gibt Anekdoten, die besagen, dass sein Erscheinen den Weinjahrgang beeinflusst hat.
Die Winzer gehen davon aus, dass aus der 2011er Lese im gesamten Anbaugebiet voraussichtlich eine Million Hektoliter Wein produziert werden kann, was dem Rauminhalt von 40 Olympiaschwimmbecken entspricht. 2010 waren es noch 689 000 Hektoliter - laut Weinbauverband extrem wenig.
Gutes Weinbauwetter an Mosel
Schmitt betont trotz der riesigen Menge: "Es gilt ganz klar: Klasse statt Masse." Und über Klasse können sich viele Winzer besonders freuen. 80 bis 90 Grad Oechsle Mostgewicht sind an der Tagesordnung. Das gilt in Fachkreisen als sehr gut. Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Vereins Moselwein, erzählt von einem Winzer in Oberemmel, der 150 Liter aus seiner Trockenbeerenlese herausholen konnte, die ein Mostgewicht von 250 Grad Oechsle haben. Andernorts seien sogar 300 Grad Oechsle gemessen worden. Als Mindestmaß für die Trockenbeerenauslese ist 150 Grad Oechsle vorgegeben.
Dass das Ergebnis so gut ausfällt, liegt laut Schmitz an dem für den Weinbau idealen Wetterbedingungen an Mosel, Saar und Ruwer. Moderate Temperaturen und der Wechsel von Sonne und Regen haben eine außergewöhnlich lange Lesezeit ermöglicht - von Ende August bis voraussichtlich Anfang November. Auch das heftige Hagelunwetter an der Mittelmosel Ende August hat sich nicht so negativ auf die Lese ausgewirkt wie zunächst vermutet. Die Größe der Hagelkörner, die bis zu einem Kilogramm schwer waren, war für die Winzer - im Gegensatz zu Auto- oder Hausbesitzern - ein Glücksfall. Zwar seien vereinzelt ganze Weinstöcke zerstört worden, der Schaden durch angeschlagene Trauben, deren Fäulnis sich ausbreite, sei aber ausgeblieben, sagt Rudolf Kiesgen, stellvertretender Moselwein-Vorsitzender und Winzer in Lieser (Mittelmosel).
Moselweinkönigin Andrea Schlechter sprach etwas aus, was viele dachten: "Ich freue mich schon sehr, nächstes Jahr alles aus diesem Herbst zu probieren."
Extra
Aufteilung: Das Weinbaugebiet Mosel ist das fünftgrößte der 13 deutschen Weinanbaugebiete. Es ist aufgeteilt in sechs Bereiche, zu denen neben vier Bereichen an der Mosel auch das Ruwertal und das Saartal gehören. Fläche: Insgesamt 9000 Hektar Rebfläche mit 4415 Betrieben. Hauptrebsorten: 60 Prozent Riesling, 13,7 Prozent Müller-Thurgau, 6,4 Prozent Elbling. Der Rest verteilt sich auf mehr als zehn weitere Rebsorten. Vermarktung: 65 bis 70 Prozent der gesamten Produktion werden in Deutschland verkauft. 30 bis 35 Prozent gehen in den Export. Die wichtigsten Märkte sind: USA, Niederlande, Norwegen, Kanada, Großbritannien und Japan. Starke Zuwächse wurden bei der Ausfuhr nach Hongkong (plus 630 Prozent in der Menge) registriert. Export: Auch in exotischeren Ländern wie den Phillipinen (plus 200 Prozent), Vietnam (plus 36 Prozent) oder im Oman (plus 50 Prozent) wird der Moselwein beliebter. cmk