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21 Stolpersteine erinnern an Naziopfer

21 Stolpersteine erinnern an Naziopfer

Die Verlegung von 21 "Stolpersteinen", die in Thalfang an neun Stellen im Pflaster an die Verschleppung und Ermordung von Juden durch die Nazis erinnern sollen, ist vom 16. auf den 21. Oktober verschoben worden. Der Arbeitskreis Juden in Thalfang plant eine Feier mit Blumen und Gebeten.

Thalfang. Der Kölner Künstler Gunter Demnig und sein Team können sich vor Arbeit kaum noch retten. Seine "Stolpersteine" - das sind mit Namen in Bronze versehene Pflastersteine - werden nicht nur in Deutschland angefordert. Diese kleinen Gedenksteine erinnern inzwischen europaweit an Juden, die von Nazis verschleppt und ermordet wurden, und zwar genau dort, wo die jüdischen Mitbürger einst wohnten.
Seit zwei Jahren beschäftigt sich ein Arbeitskreis mit dem jüdischen Leben in Thalfang. An neun Stellen sollen insgesamt 21 Stolpersteine an die Schicksale jüdischer Mitbürger erinnern. "Ich habe von Gunter Demnig Nachricht erhalten, dass der Termin am 16. Oktober nicht zu halten ist", erklärte Frank Hürtgen dem Arbeitskreis. Vorgeschlagen wurde der 21. Oktober. Der Termin muss noch bestätigt werden.
An diesem Tag verlegt der Künstler auch in Idar-Oberstein seine Erinnerungssteine. Ortsbürgermeister Burkhard Graul will rechtzeitig dafür sorgen, dass die Vertiefungen der Verlegestellen vorbereitet werden, denn mit einer Flex, Kelle und Mörtel arbeitet Demnig schon lange nicht mehr.
Pfarrer Winfrid Krause fragte in die Runde der 15 Arbeitskreismitglieder, wie denn der große Tag begangen werden sollte. Die Paten, von denen die rund 2000 Euro teuren Stolpersteine finanziert wurden, werden an jeder der neun Stellen entweder kurze Gebete oder Texte zum Nachdenken sprechen und Blumen niederlegen, so der Beschluss. Die Zeremonie mit ökumenischem Gottesdienstes ist für 14 Uhr vorgesehen. Die Ansprache soll ein Vertreter des Judentums halten. Außerdem will man versuchen, Schulen miteinzubinden und Hinterbliebene einzuladen.
Seit Monaten ist Heimatforscher Elmar Ittenbach mit einer Dokumentation über das jüdische Leben in Thalfang beschäftigt. Diese soll Ende des Jahres erscheinen, denn das Verlegen der Stolpersteine darf in dem voraussichtlich 120 Seiten starken Werk nicht fehlen. Die Gräuel des NS-Staates werden darin dem friedlichen Leben der Juden in Thalfang gegenübergestellt. Die 21 Opfer des Nazi-Terrors werden besonders gewürdigt.
Dass Widerstand möglich war, beweist das Beispiel des Ortsbürgermeisters Max Schiffmann. Er legte sich 1935 mit der NSDAP-Ortsgruppe Thalfang an. Ganz besonders will Ittenbach Leben und Werk des wohl berühmtesten Sohnes der Gemeinde würdigen: Samuel Hirsch (1815-1889). Er war Rabbiner, Religionsphilosoph und wichtiger Vertreter des Reformjudentums in den USA.
Der Arbeitskreis trifft sich für weitere Planungen wieder am 5. September, 19.30 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus. doth