220 Besucher lauschen in Wittlich Norbert Scheuers "Winterbienen"

Kultur : 220 Besucher lauschen in Wittlich Norbert Scheuer

Einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Autoren, Norbert Scheuer aus Kall-Keldenich in der Eifel, ist mit seinem aktuellen Buch „Winterbienen“ auf Einladung der Stadtbücherei Wittlich in der ehemaligen Synagoge zu Gast gewesen.

Der berührenden Geschichte um Egidius Arimond hörten 220 Besucher gebannt zu.

Norbert Scheuer besucht Wittlich bereits zum dritten Mal. Las er vor einigen Jahren noch in der Buchhandlung Rieping vor 30 Menschen, wollten jetzt mehr als 200 Personen Auszüge aus seinem aktuellen Werk „Winterbienen“ hören. Das Buch war mit anderen fünf Werken in der Shortlist des deutschen Buchhandels und hat den Wilhelm-Raabe Preis bekommen (der TV berichtete).

Norbert Scheuer beginnt  mit Auszügen aus dem jüngsten Werk, das in Tagebuchform geschrieben ist. „Es geht um die Eifel 1944, viel über Bienen, und die Geschichte handelt von der Sehnsucht nach Normalität“, sagt er selbst. Die Hauptperson ist Egidius Arimond, der wegen Epilepsie aus dem Schuldienst entlassen wurde. Er züchtet Bienen und verdient sich mit dem Honig etwas Geld, um zu überleben und seine Medikamente kaufen zu können. Zudem bringt er in präparierten Bienenstöcken Flüchtlinge über die Grenze, was er sich bezahlen lässt. In der Bibliothek seines Ortes bekommt er Hinweise für seine Fluchthilfe. Dort sucht er auch nach Zetteln eines seiner Vorfahren, eines Benediktinermönchs, der um 1490 seine Lebensgeschichte aufgeschrieben hat. Sie finden als Fragmente in Scheuers Werk ihren Platz. Der Roman wird immer spannender, als der Krieg näherrückt und Egidius die Medikamente auszugehen drohen, mit denen er seine Krankheit unter Kontrolle hält.

Tagebucheinträge eines Imkers aus der Eifel gegen Ende des Zweiten Weltkriegs haben Norbert Scheuer dazu bewogen, das Buch zu schreiben. „Dort steht: ,Die Flugzeuge flogen, und die Bienen sind heute ausgeflogen.’ Ich habe das gelesen, mir das Bild dazu vor Augen geführt und gedacht, das ist ein Roman!“ Er hat die Form eines Tagebuchs genutzt, weil er kein moralisierendes Urteil über seine Protagonisten  abgeben wollte.  „Man ist als Autor in der Nachkriegszeit immer versucht, nachträglich zu reflektieren, aber ich wollte den Roman aus der Zeit herausschreiben, und da ist die Tagebuchform ideal. Ob es beispielsweise moralisch richtig oder falsch ist, dass Egidius Arimond Geld dafür nimmt, wenn er die Flüchtlinge über die Grenze bringt,  soll jeder für sich entscheiden“, sagt Scheuer weiter. Dass Eifeler Flüchtlinge im Krieg zur Grenze geschmuggelt haben, sei eine Tatsache, so Scheuer. „Das ging damals nach sehr ausgeklügelten Systemen, sodass die Helfer nie wussten, wer ihnen eigentlich die Aufträge erteilt hat.“ Das Ende seines Romans ließ Scheuer in der lesung offen. 

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