24 Stunden Nestwärme

PLEIN. Die Schwestern vom Guten Hirten füllen eine große Lücke in unserer Gesellschaft: Im Haus St. Anton finden Kinder und Frauen eine Lobby. Besonders jene, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Kinder haben keinen Anwalt: Sie können keinen engagieren, keinen bezahlen, und wenn sie noch sehr klein sind, können sie nicht einmal von dem Unrecht sprechen, das ihnen von denen zugefügt wird, denen sie anvertraut sind. Doch es gibt Nischen, in denen sich Menschen genau um diese Gruppe kümmern: Um Kinder, die es schwer haben, und um deren Mütter, die oft nicht allein aus ihrem Teufelskreis von Gewalt, Missbrauch, Demütigung und materieller Not herausfinden. Dabei überwiegt heute oft nicht die materielle, sondern die seelische Armut. Davon kann die Leiterin von St. Anton ein Lied singen: Schwester Maria Beate Burger wurde 1993 von einer geruhsameren Stelle in der Verwaltung nach St. Anton versetzt. Hier, bei den Kindern und Müttern, ist sie näher dran an der Aufgabe, die die Schwestern vom Guten Hirten sich selbst gestellt haben: Kinder und Frauen in Not zu begleiten. Sie war nicht mehr die Jüngste, und anfangs war sie gar nicht so sicher, ob sie es schaffen würde. Kürzlich wurde die Arbeit des Hauses St. Anton eindrucksvoll gewürdigt: Das Pleiner Haus erhielt den mit 5000 Euro dotierten Preis der Adolf-Kolping-Stiftung für besonders engagierte karitative Einrichtungen. Vier eigenständige Bereiche existieren in Plein. Schwester Beate: "Wir haben uns im Laufe der Jahrzehnte den Nöten der Zeit geöffnet." Und das haben sie sehr konkret. In der Kinderkrippe verbringen die Kleinsten ihren Tag. Zwischen 6.30 und 18.30 Uhr können sie an allen Werktagen von ihren Müttern gebracht werden, denen damit das Arbeiten und im Einzelfall eine Ausbildung ermöglicht wird. Darauf legen die Schwestern, die von "weltlichem" Personal unterstützt werden, großen Wert. Manche junge Mutter überzeugen sie in jahrelanger Kleinarbeit erst einmal davon, wie unverzichtbar der eigene Beruf ist. Im Schulkinderhort kommt eine illustre Multi-Kulti-Gemeinschaft zusammen. Zur Zeit holt der vom Kreisjugendamt organisierte Kleinbus 30 Kinder aus neun verschiedenen Klassen von diversen Schulen der Stadt ab und bringt sie gegen Abend bis vor die Haustür. Alle erhalten ein Mittagessen und eine Stärkung vor dem Nachhauseweg, dazwischen liegt die Zeit der betreuten Hausaufgaben. "Und zwar so lange, bis sie fertig sind", lacht Schwester Beate, "nicht von soundsoviel bis soundsoviel Uhr." Zwei stationäre Bereiche runden das Angebot dieser Einrichtung ab. Sie liegt idyllisch im Wald und verfügt über ein riesiges Außengelände an der Lieser. Elf Plätze im Spatzennest für Kinder bis ins Schulalter fangen Kinder aus extremen sozialen Verhältnissen und anderen Notsituationen auf. Das Jugendamt weist sie zu. Die Schwestern schlafen teilweise in unmittelbarer Nähe der Kinder, um nachts gleich Beistand leisten zu können. Das Wort "Heim" hören die Schwestern und der pädagogische Leiter Peter Unzen nicht gerne. Nix Schlafsaal, nix Isolation: Die Kinder, die hier wohnen, besuchen mit drei Jahren den Pleiner Kindergarten. St. Anton möchte ein Zuhause bieten, und diesem hehren Ziel werden sie auch im Mutter-Kind-Bereich gerecht. Wenn die Situation in der eigenen Familie zu gefährlich wird, dürfen Frauen und Kinder hier auch anonym unterkommen. Die jüngste Mutter war 13 Jahre alt, berichtet die rechte Hand von Schwester Beate, die ehrenamtlich arbeitende Christa Habscheid. Da braucht es keine Moralpredigten, da braucht es praktische Hilfe, und die bieten die Schwestern vom Guten Hirten an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden lang. Einen Traum hat Schwester Beate, zu dessen Erfüllung die 5000 Euro aus Aachen den Grundstock geliefert haben. "Für das Spatzennest wünsche ich mir eine größere Küche, und für unsere 30 Schulkinder einen zusätzlichen Raum." Wer helfen möchte, kann dies tun: St. Anton hat ein Konto bei der Kreissparkasse eingerichtet, Kontonummer 60 03 48 08, BLZ 587 512 30.

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