25 Kinder ohne Bus

WITTLICH-NEUERBURG. Aus zwei mach eins: Weil zwischen den Wittlicher Stadtteilen Neuerburg und Dorf kaum noch eine Bebauungslücke ist, handelt es sich auch nicht mehr um zwei Stadtteile. So argumentiert verkürzt die Kreisverwaltung, die deshalb den Bustransfer der Dorfer Kinder in die Kindertagesstätte (Kita) Neuerburg abschaffen will. "Ein Unding", finden die Eltern.

"Dass der Kreis den Bustransport von Dorf zur Kita Neuerburg einstellen will, finde ich ganz schlecht", sagt Janine Zens aus Dorf. Die Mutter einer dreijährigen Tochter arbeitet als Krankenschwester in Wittlich und ist im Schichtdienst eingesetzt. "Mein Mann arbeitet auch, und wir haben nur ein Auto", erklärt die Mutter. "Wenn ich um 6.30 Uhr vom Nachtdienst komme, müsste ich anschließend zu Fuß mit meiner Tochter etwa zwei Kilometer bis zur Kita laufen. Denn mein Mann ist dann mit dem Auto schon zur Arbeit."50 Kinder nutzen den Bus zur Kita

Wie sie das bei Frühschichtzeiten schaffen soll, steht in den Sternen. "Dass es hier einen Bustransport zur Kita gibt, war mit ein Grund, warum wir uns für die Einrichtung entschieden haben", sagt Janine Zens. Mit ihren Sorgen ist die Mutter nicht allein. "Im schlimmsten Fall müsste ich meinen Sohn ganz aus dem Kindergarten nehmen. Es ist sein letztes Jahr. Aber die Spritkosten, und das bei vier Kindern, das läppert sich", sagt Ute Kurt aus Dorf. "Wenn der Kreis den Bustransport einstellt, wird das für viele Eltern schwierig", sagt auch Kita-Leiterin Erni Schaaf-Peitz. Von den 100 Kindern der Kita Neuerburg kommt etwa ein Viertel aus Dorf, ein Viertel aus Bombogen und die Hälfte aus Neuerburg. Damit gibt es rund 50 Kinder, die je nach dem, wie ihre Eltern arbeiten, den Bus nutzen. Da Bombogen und Neuerburg nicht so zusammengewachsen sind wie Dorf und Neuerburg, werden die Bombogener Kinder auch im Kindergartenjahr 2006/07 auf Kreiskosten befördert (Begründung siehe Hintergrund). Der Kreisverwaltung geht es um eine Gleichbehandlung von Neuerburgern und Dorfern: "Die Kinder aus Neuerburg, die keinen Beförderungsanspruch haben, da die Kita im Wohnort steht, haben vergleichbare und teilweise größere Entfernungen zurückzulegen wie die Kinder aus Dorf. ... Wir sehen im Hinblick auf eine Gleichbehandlung keine andere Möglichkeit" als den Bustransport für die Dorfer Kinder einzustellen. "Klar, gibt es auch Ecken in Neuerburg, die vielleicht sogar noch weiter von der Kita entfernt sind, wie manche Ecke in Dorf", sagt Schaaf-Peitz und ergänzt: "Insofern waren die Neuerburger schon immer im Nachteil. Aber das wird ja nicht besser, wenn jetzt auch den Dorfern der Bus genommen wird." Mitte der 80er Jahre sei das mal Thema unter den Neuerburger Eltern gewesen als der Kreis gerade die Kosten für die Beförderung übernommen hatte. "Aber das war in den vergangenen Jahren kein Thema mehr", sagt Schaaf-Peitz. Die Kita-Leiterin hofft, dass sich die Kreisverwaltung umentscheidet: "Sonst fürchte ich, dass manche Kinder nur noch sehr unregelmäßig kommen." Auch der Elternausschuss ist auf dem Plan. In einem Brief an Landrätin Beate Läsch-Weber schreiben sie: "Wir als Elternvertreter sind mit der Entscheidung nicht einverstanden und widersprechen der angeführten Begründung ... Dorf ist immer noch ein eigenständiger Ortsteil, mit eigenem Ortsbeirat, eigenen Vereinen und ist auch mit eigenen Ortsschildern für Fremde vom Ortsteil Neuerburg zu unterscheiden." Die Vorsitzende des Elternausschusses, Ruth Thiesen, ergänzt: "Manche Eltern suchen sich ja auch ihren Wohnort und die Kita danach aus, wo Bustransfer gewährleistet ist." Absurd erscheint den Eltern, dass der Bus ja weiterhin Bombogen ansteuert. "Da ist es doch kein Umweg über Dorf zu fahren. Denn sonst müsste der Bus in Neuerburg drehen, da er nur auf der Kita-Seite der viel befahrenen Straße halten darf", erklärt Thiesen. Deshalb fürchten die Eltern, dass es weniger um die Gleichbehandlung von Neuerburgern und Dorfern geht. Sondern Dorf erst der Anfang ist, und bald auch in Bombogen kein Kita-Bus mehr fährt.