350 protestieren gegen Stadtrat

350 Traben-Trarbacher haben bis gestern den "Bürgerprotest" unterschrieben und damit bekundet, dass sie für die Anbringung der Gedenktafel für die verfolgten jüdischen Bürger am Rathaus sind. Ferner wollen die Unterzeichner, dass die Tafel in einer würdevollen Gedenkstunde der Öffentlichkeit übergeben wird.

Traben-Trarbach. "350 Unterschriften - die kann man nicht einfach übergehen." Georg Bauer, einer der Initiatoren des Bürgerprotests gegen die Stadtbürgermeisterin und den Stadtrat, sieht nun Heide Pönnighaus und den Stadtrat im Zugzwang. Bauer: "Der Stadtrat muss nun aktiv werden."Bauer und 13 weitere Traben-Trarbacher hatten vor einer Woche einen Brief mit der Überschrift "Bürgerprotest" verfasst, um den Stadtrat dazu zu bewegen, seinen Beschluss zu revidieren (der TV berichtete). Der Brief war an alle Haushalte in Traben und Trarbach verteilt worden. Der Stadtrat hatte im Mai vergangenen Jahres einstimmig beschlossen, eine solche Tafel am Mittelmosel-Museum anzubringen. Bereits damals gab es etliche Stimmen in der Stadt, die es lieber gesehen hätten, die Gedenktafel am Rathaus in Trarbach anzubringen. Auch der in Traben-Trarbach geborene Jude Martin Schmitz, der Auschwitz überlebte, spricht sich für diesen Standort aus. Vor zwei Wochen wurde nun die Tafel unter Ausschluss der Öffentlichkeit dennoch am Museum angebracht, und zwar in über drei MeternHöhe und an die Stelle, wo 100 Jahre lang die Goethe-Gedenktafel hing. Der Dichterfürst Goethe weilte 1792 in dem Moselstädtchen.Bauer hofft nun, dass sich der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 5. November erneut mit dem Thema befasst. Zuvor wollen die Initiatoren des Bürgerprotests die Unterschriften der Stadtbürgermeisterin übergeben. Bauer geht davon aus, dass es neben den 350 Bürgern, die den Brief unterzeichnet haben, noch eine große "schweigende Mehrheit" gibt, die ebenso denkt. Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus sagte dem TV, dass es in Kürze ein Gespräch mit den Fraktionssprechern im Stadtrat geben werde. Ob das Thema erneut im Stadtrat behandelt werde, sei aber noch offen.

Mehr von Volksfreund