383 000 Euro für neues Wasser aus Wittlich

383 000 Euro für neues Wasser aus Wittlich

Eine Million Kubikmeter Wasser bringen die Stadtwerke Wittlich im Jahr aus ihren sechs Brunnen in die Stadt. Jetzt investieren sie 383 000 Euro in einen neuen Brunnen, der einmal ein Drittel dieser Menge bringen soll.

Wittlich. Was ist denn das für eine seltsame Baustelle? Wer vom als Spazier- und Laufstrecke genutzten obersten Weinbergsweg auf die Stadt Wittlich schaut, sieht inmitten der Weiden und Wiesen eine Art Riesenbohrer aus dem Grünen ragen. Nicht so hoch wie einer der Baukräne, die immer wieder mal zwischen den Dächern himmelwärts zeigen, aber ebenso unübersehbar. Und gebaut wird auch inmitten der freien Landschaft, allerdings in die Tiefe.
Immerhin 120 Meter in den Wittlicher Untergrund ist bereits eine erste Versuchsbohrung vorgestoßen. Das hat 115 000 Euro gekostet.
Das Ergebnis: Unterm Wiesengrün im Stareberg genannten Bereich liegt ein flüssiger Bodenschatz. Bis zu zwölf Liter Wasser guter Qualität in der Sekunde oder 350 000 Kubikmeter pro Jahr könnten hier gefördert werden. Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht und ein "richtiger" Brunnen gebaut. In dieses "Brunnen Stareberg 5" genannte Projekt investieren die Stadtwerke noch einmal 268 000 Euro (Auftragssumme).
Wenn alles klappt, ist der Bau bis Ende des Jahres erledigt. Dann muss noch eine Pumpleitung zum Wasserwerk gelegt werden, und er ginge sozusagen ab Mitte 2014 ans Wittlicher Wassernetz.
Im Gegenzug werden dann zwei Brunnen, die im Stadtpark liegen, außer Betrieb genommen. Aus ihnen flossen zusammen nur 120 000 Kubikmeter Wasser und: "Im Gegensatz zu dem Grundwasser des Brunnens Stareberg ist das Wasser der beiden entfallenden Brunnen sulfathaltiger und härter", sagt Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung auf TV-Nachfrage.
Doch wer so vom Weinberg ins Tal auf den Bohrturm blickt, denkt womöglich: "Der Wein wächst nicht von allein. Inwieweit macht sich denn das, was die Winzer rund um die Reben in Sachen Pflanzenschutz und Düngung einsetzen, im neuen Brunnen bemerkbar?" Jan Mußweiler sagt: "Die Weinberge liegen innerhalb der Wasserschutzzone drei des derzeitigen Wasserschutzgebietes. Der Einsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Pestiziden ist dort ohnehin schon eingeschränkt."
Stichwort Wasserschutzgebiet: Das ist der Stadtpark bislang auch, und zwar direkt um die bisherigen Brunnen Zone eins und drum herum Zone zwei. Für diese Schutzzonen eins und zwei gelten strenge Bestimmungen, um das Wasser vor Verunreinigungen etwa durch Keime zu schützen. Wenn die Brunnen im Stadtpark schließen, kann die Freizeitanlage nahe der Lieser womöglich anders genutzt werden. Denn jetzt muss noch für Veranstaltungen wie Kino-Open-Air oder "Kunst an Hecken und Zäunen" immer eine Sondergenehmigung her, da normalerweise in diesem Wasserschutzgebiet alles tabu ist, was sehr viele Menschen lockt.