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4,8 Millionen Euro für den Wittlicher Bahnhof

4,8 Millionen Euro für den Wittlicher Bahnhof

Während die Bauarbeiten am Hauptbahnhof Wittlich vorankommen, wird der Ruf nach einer Behindertentoilette laut. Doch die Deutsche Bahn drückt sich. Deshalb wollen Bürgermeister und Landrat die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen.

Wittlich. Ein Wintermorgen am Hauptbahnhof Wittlich im Stadtteil Wengerohr: Es ist kühl draußen, fünf Grad über Null, die Gleise hüllen sich in grauen Dunst. Ein paar Männer in Warnwesten verrichten die letzten Bauarbeiten im ausklingenden Jahr.
Mit Bagger, Schaufel und Besen sorgen sie dafür, dass der Bahnhof barrierefrei wird. Begonnen haben die Arbeiten vor sieben Monaten. Drei neue Aufzüge werden gebaut und die Bahnsteige erhöht, um Rollstuhlfahrern das Aussteigen aus dem Zug zu erleichtern.
Außerdem werden Leiteinrichtungen für Blinde und Sehbehinderte installiert, die Personenunterführung modernisiert und eine sogenannte Bike+Ride-Anlage mit 20 Abstellplätzen für Fahrräder errichtet. Zuständig für den Umbau ist die DB Station&Service AG, eine Tochter der Deutschen Bahn. Die Arbeiten scheinen gut voranzukommen. "Fundamente, Entwässerung und Bahnsteigkanten haben wir schon gemacht", erzählen die Bauarbeiter, "gleichzeitig ist an der Unterführung gearbeitet worden." Ob sie wissen, wie viel das Projekt insgesamt kostet? "Keine Ahnung", sagt einer von ihnen. "Viel", meint ein anderer, "auf jeden Fall viel." Es sind rund 4,8 Millionen Euro. Diese Summe ist insgesamt für den Umbau eingeplant. Auszahlen soll sich die Investition vor allem für Menschen mit Behinderung. So heißt es in einer Pressemitteilung des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums. Dort steht auch, dass durch den Umbau der Bahnsteige "insbesondere den Bedürfnissen der Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen Rechnung getragen" werde. Behindertenverbände in Wittlich werfen dennoch ein kritisches Auge auf den Bahnhof.
"Über den Bau der Aufzüge sind wir sehr glücklich", sagt Artur Greis, Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderungen im Kreis Bernkastel-Wittlich. "Aber wir haben nach wie vor das große Problem, dass es am Bahnhof keine Behindertentoilette gibt." Tatsächlich gibt es nur die Toiletten in der Bahnhofsgaststätte - keine von ihnen ist behindertengerecht. Schon seit einigen Jahren versucht der Beirat für Menschen mit Behinderungen durchzusetzen, dass eine barrierefreie Toilette am Bahnhof installiert wird. Die Einrichtung einer solchen Toilette sei Sache der Deutschen Bahn, sagt Simone Röhr von der Stadtverwaltung Wittlich. "Die Bahn wird da aber definitiv nichts machen. Bahnhöfe in vergleichbarer Größe haben auch keine Behindertentoilette, und in Wittlich soll kein Präzedenzfall geschaffen werden."
Die Pressestelle der Deutschen Bahn weist darauf hin, dass die öffentliche Toilette in der Gaststätte nicht von der Bahn betrieben wird. "Die Deutsche Bahn wird in Wittlich auch selbst keine Toilette betreiben, sie ist auch nicht dazu verpflichtet", hieß es auf TV-Nachfrage. Die Bahn macht nichts - also wollen Stadt und Landkreis gemeinsam überlegen, was gemacht werden kann.
In der ersten Januarwoche wollen Bürgermeister Joachim Rodenkirch und Landrat Gregor Eibes das Thema besprechen. Was dabei herauskommt, bleibt abzuwarten. Am Bahnhof wird derweil weiter gearbeitet; der mittlere Bahnsteig soll bald gepflastert werden. Ob die Arbeiten im Winter zügig vorankommen, hängt vom Wetter ab. "Wenn es gefroren ist", erklären die Bauarbeiter, "brauchst du kein Pflaster zu legen." Komplett abgeschlossen sind die Arbeiten voraussichtlich im Sommer 2013.