1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

46 Weinorte und Weingüter stellen ihren Wein und ihre Architektur vor

Projekt : Die Mosel und ihre Architektur grenzübergreifend im Blick bei „Via Mosel“

Das Projekt „Via Mosel“ reicht von Toul in Frankreich über Ellange in Luxemburg bis Winningen in Deutschland den gesamten Fluss entlang. An zwei Tagen haben 46 Weinorte und Weingüter ihren Wein und ihre Architektur in den Mittelpunkt gestellt.

Es liegt ein wenig versteckt in einem Hof in Klüsserath, das Weingut Regnery, das mit einer außergewöhnlichen Architektur aufwartet. Der Bereich der Weinstube ist wie ein über­dimensionales Weinfass konstruiert. Das Gebäude ist rund und mit Holzstreben verkleidet, die eine solche gedankliche Verknüpfung nahelegen. Vor neun Jahren haben es Andrea und Peter Regnery gebaut. Er erklärt: „Meine Vorgabe an den Architekten war damals, dass das Gebäude keine Ecken haben solle, denn der ‚Flow‘ ist runden Gebilden anders. Es fließt mehr.“ Dabei hat der ungewöhnliche Bau zwei weitere Effekte: „Es wird darüber gesprochen, weil es einen hohen Wieder­erkennungs­wert hat, und die Gäste fühlen sich wohl.“ Dem stimmt Andrea Regnery zu. „Durch die natürlichen Materialien wie den Lehm-Schilfputz, das viele Holz und die warmen Farben ist es hier sehr angenehm.“ An Via Mosel nehmen sie teil, weil sie der Meinung sind, gut in das Konzept zu passen. „Zudem wollen wir gerne überregional bekannter werden und dazu könnte Via Mosel beitragen“, sagt sie. Das Konzept scheint aufzugehen, denn es waren Gäste aus Luxemburg und Belgien gezielt wegen Via Mosel da.

 Das Gebäude des Weinguts Claeren steht am Moselufer in Neumagen-Dhron.
Das Gebäude des Weinguts Claeren steht am Moselufer in Neumagen-Dhron. Foto: Bents Christina

In Neumagen-Dhron hat die Ortsgemeinde eine Führung mit dem Titel „2000 Jahre Weinarchitektur im ältesten Weinort Deutschlands“ organisiert. 20 Menschen sind mit Marlene Bollig im Ort unterwegs. Die Wein- und Kulturbotschafterin,  hat sich mit wein­architektonischen Besonderheiten an der Mosel und in Neumagen-Dhron intensiv auseinandergesetzt. Dabei gibt es verschiedene Baustile von der Antike über Barock, Historismus, Klassizismus und Fachwerk zu sehen. Der Wein spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn durch den Bau der Moselbahn konnte man ihn in alle Welt verschicken, und es gab einen enormen wirtschaftlichen Aufstieg im Ort. Der Moselwein erzielte um 1870 Höchstpreise und wurde gehandelt wie die Weine aus Bordeaux. Beim 80. Geburtstag von Königin Victoria von England wurde beispielsweise Moselwein ausgeschenkt. In den Bauten zeigte sich der Wohlstand, etwa im barocken Weingut Claeren direkt am Ufer des Flusses. Der Architekt Balthasar Neumann, der auch in Trier die Kirche St. Paulin geplant hat, war daran beteiligt. Als Besonderheiten wies Bollig auf die drachenförmige Dachrinne, die böse Geister abschrecken sollte, und den Pinienzapfen am Dachgiebel hin. Dieser stehe symbolisch für die Auferstehung oder Unsterblichkeit.

 Andrea und Peter Regnery vor ihrem Weingut in Klüsserath.
Andrea und Peter Regnery vor ihrem Weingut in Klüsserath. Foto: Bents Christina

Der Kaiserhof einige Meter weiter war früher ein Postkartenmotiv des Weinorts. An ihn und seinen Saal erinnern sich die Neumagen-Dhroner, die an der Führung teilgenommen haben, noch gern: Dort haben sie viele schöne Feste und Fastnachts­veranstaltungen erlebt.

Zum Abschluss kehrte die Gruppe bei einem Winzer ein, denn neben der Architektur sollte der Wein nicht zu kurz kommen.