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50 Jahre gelebte Faszination für den Segelflug

50 Jahre gelebte Faszination für den Segelflug

Wer fliegt, muss seine Maschine kennen, technisch warten und pflegen. Das gehört zum Credo des 75-jährigen Segelfluglehrers Wolfgang Siegel. Inzwischen hat er seinen letzten Schulungsflug absolviert. Denn, so sagt er, man solle gehen, wenn es am schönsten ist.

Traben-Trarbach. "Wer ist Wolfgang Siegel?" Hunderte von Flugschülern, vom Berufspiloten bei der Luftwaffe bis zum Hobbysportler und zahllose Segel-und Motorflugfans zwischen Tauberbischofsheim, Birkenfeld, Neumagen-Dhron und Traben-Trarbach kennen die Antwort. Väterlicher Freund, humorvoll streng, konsequent, diszipliniert und engagiert ist der 75-Jährige ein Motor des Deutsch-Amerikanischen Segelflugclubs (DASC) Traben-Trarbach. Nach 50 Jahren beendet er jetzt seine verantwortungsvolle Tätigkeit als Segelfluglehrer auf dem Mont Royal. "Mein letzter Schulungsflug im Segelflugzeug mit dem 14-jährigen Sohn eines ehemaligen Flugschülers war ein wunderbarer Abschluss. Man sollte gehen, wenn es am schönsten ist", sagt Siegel selbst.

Seit fünf Jahrzehnten nimmt er die Luftsportbegeisterten im wahrsten Sinne des Wortes "unter seine Fittiche". Weder Minusgrade in der Werkstatt während der Winterarbeit, noch Tropentemperaturen anlässlich der Flugplatzfeste halten ihn von seinem Hobby oder besser von seiner Berufung ab.

Morgens als Erster auf dem Platz öffnet er die Hallentore für den Flugbetrieb. Sprechfunkzeugnis, Briefing, Windenführerschein, Pilotenlizenz und Vereinsprotokolle tragen seine Unterschrift. Wenn jugendliches Stimmengewirr die Clubräume füllte, dann war dies ebenfalls auf das Engagement der Fluglehrer Siegel, Dahlke und Stadler zurückzuführen. In Ferienlagern auf dem heimischen Platz, in Niederstätten/Hohenlohe oder Bronkow bei Cottbus und bei Schulprojekttagen mit den Physikkursen der Gymnasien Traben-Trarbach, Simmern und Wittlich gab Siegel seine Faszination für diesen Sport an die jungen Menschen weiter. Der Landkreis Bernkastel-Wittlich zeichnet ihn und seine Fluglehrerkollegen dafür mit dem Bürgerpreis "Stiller Star 2007" aus. Auch erfahrenere Flugkollegen konnten und können auf seine Hilfsbereitschaft zählen. Bei günstigem Wetter ist er auch während der Woche schnell vor Ort und zieht mit dem Ultraleichtflugzeug die Freunde gen Himmel. Er bereitete sie auf weitere Touren vor. Die Starts in Agathazell, in den deutschen oder französischen Alpen rund um Sisteron brauchen besondere Kenntnisse.

Zu Recht erfüllen ihn Siege bei Jugend- und Leistungswettflügen mit Stolz. Wer fliegt, muss seine Maschine kennen, technisch warten und pflegen. Dies gehört zum unverhandelbaren Credo von Wolfgang Siegel. Mit großer Leidenschaft und technischem Know-how repariert er seine "Röhnlerche" und macht die Maschinen wahlweise winterfest oder startklar für die Saison. Die Liste der von ihm geflogenen Maschinen liest sich wie ein Geschichtslexikon des Segelfluges. Die Schleicher Ka4 Röhnlerche (1952 erstmals gebaut) mit Holztragfläche, so gutmütig und zuverlässig wie der Fluglehrer selbst, der Hochleistungsdoppelsitzer "Duo Diskus", der "Twin Astir" von dem man sagt, der hintere Sitzplatz sei der bequemste Platz unter dem Himmel, über den "Bergfalken" bis zum "Delfin" und seiner eigenen "Libelle". So versteht es sich fast von selbst, dass der leidenschaftliche Bastler seinen Aufenthalt in Manings/Carolina zu einem seiner persönlichen Höhepunkte zählt. Hier restaurierte er historische Flugzeuge und schulte amerikanische Kadetten im ungewöhnlichen Auto-Schlepp-Verfahren, bei dem ein Auto den Segler in die Höhe zieht. Zu seinen spektakulärsten Flügen mit einer anschließenden Außenlandung gehört das ungewollte Kunststück in den 1960ern, als er nach einem missglückten Landeanflug mit seinem Flugschüler die Röhnlerche sicher auf einem schmalen Wiesenstück am Koppelberger Hang mit nur fünf Metern Ausrolllänge bergauf sicher landete.

Flugschüler, Vereinskollegen und Freunde nicht nur des Deutsch-Amerikanischen Segelflugclubs bedankten sich für 50 Jahre Engagement und wünschen ihm noch viele "happy landings" auf dem Mont Royal oder wohin auch immer ihn die Thermik trägt.