60 000 Kuriositäten, ein Verein und offene Fragen

60 000 Kuriositäten, ein Verein und offene Fragen

Wie geht es weiter mit dem Heimatmuseum in Bergweiler? 100 Menschen sind zum Pfarrhaus gekommen, um sich darüber Gedanken zu machen. Denn die Zeit drängt.

Bergweiler Das Interesse von jungen und älteren Bürgern von Bergweiler ist groß. Zwei Stunden haben sie Zeit, das verwinkelte Pfarrhaus mit dem angebauten Heimatmuseum, weiteren Außengebäuden und einem Gewölbekeller zu besichtigen.
Und zu sehen gibt es eine Menge. Rund 60 000 Exponate verteilt auf 1400 Quadratmetern vom Boden bis zu den Decken in der Museum- und der Ausstellungshalle, weitgehend leerstehende Räume im ehemaligen Pfarrhaus des 2010 verstorbenen Pfarrer Wax sowie ein mit Spinnenweben verhangener Weinkeller.
Viel zu sehen, aber wie soll es weiter gehen mit dem Gebäudekomplex und seinem Inhalt, den Pfarrer Wax seit Beginn seiner Arbeit in Bergweiler im Jahr 1970 zusammengetragen hat? Um diese Frage ging es in der anschließenden Diskussionsrunde in der Ausstellungshalle.
Lydia Simon, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, berichtet, was bisher geschehen ist. Vonseiten des Bistums habe man gefordert, bis auf das Pfarrhaus alles abzureißen, ein Entschluss, der dann wiederum von der Bauabteilung als zu teuer abgelehnt wurde. "Wir würden das gerne erhalten, wissen aber nicht wie", fasst Simon das Problem zusammen. Klar sei, dass einiges investiert werden müsse in Elektronik, Heizung und andere Gewerke.
Der gesamte Gebäudekomplex gehöre der Pfarrgemeinde Bergweiler, aber das Bistum rede bei allen Entscheidungen mit. Und damit tut sich laut Simon ein weiteres Problem auf.
Denn die Pfarrgemeinde Bergweiler werde zum 1. Januar 2020 im Zuge der Bistumsreform aufgelöst und gehe in der "Pfarrei der Zukunft" Wittlich auf. Es müsse also eine Lösung bis Ende 2019 gefunden werden, denn auch das Vermögen der Pfarrgemeinde Bergweiler fließe dann in den neuen Verband.
Ideen gibt es einige aus dem Publikum. So findet der Vorschlag, ein Begegnungszentrum einzurichten, dass von Ehrenamtlern geführt werde, breite Zustimmung.
Weitgehend einig sind sich alle, dass das Pfarrhaus erhalten bleiben müsste. Nach einer Sanierung könne man das Haus vermieten und habe so laufende Einnahmen, mit denen man auch das Museum weiterführen könne.
Auch der Vorschlag alles zu verkaufen kommt aus der Runde, findet aber nicht viele Anhänger.
Arnold Kaiser, früherer Bürgermeister des Ortes, spricht von einem Filetstück für die Gemeinde. "Das dürfen wir nicht hergeben", so seine Ansicht. Mit einem Verkauf verbaue man sich die Zukunft.
Auch Dany Breitbach vom Pfarrgemeinderat möchte die Gebäude und einen großen Teil des Inhalts erhalten. "Ich sehe das nicht als alten Plunder", sagt sie. Es würden immer Räume gebraucht für Familienfeiern, Geburtstage und Ähnliches.
Schnell kristallisiert sich in der Runde die Idee heraus, einen Verein zu gründen, der sich um den Erhalt des Museum kümmere und die weiteren Geschicke in die Hand nimmt. Gesetztes Mitglied solle dabei der Ortsbürgermeister Horst Weber als Vertreter der Gemeinde sein.
Der müsse sich darum bemühen, den ganzen Komplex zu übernehmen. Dann müssten unter anderem auch die vielen Tausend Exponate katalogisiert, fotografiert und archiviert werden.
14 Interessenten melden sich, um sich an der Vereinsgründung zu beteiligen. Das Gründungstreffen ist für Anfang September geplant.