Trachten an der Mosel Heimatfieber von Kröv bis nach Bulgarien (Fotos)

Kröv · Der Trachtenumzug in Kröv fand zum 69. Mal statt und ist beliebt wie in seinen Anfangsjahren. Fast 50 Gruppen waren aus ganz Deutschland, dem benachbarten Ausland und aus Bulgarien dabei. Ein kräftiger Regenschauer trübte die Stimmung nur kurzzeitig.

Fotos: Umzug internationales Trachtentreffen in Kröv
57 Bilder

Umzug internationales Trachtentreffen inKröv

57 Bilder

Die Kleinsten wissen es als erstes: „Der Festumzug ist bald da.“ Denn sie haben das Feuerwehrauto, das am Anfang fährt, gesehen. Die ersten Schläge einer dicken Trommel und Trompetenklänge bestätigen es. Die Riesentraube der Volkstums- und Trachtengruppe Kröv macht den Anfang. Sie wird von vier starken Männern getragen und ist in großen Teilen aus grünen Luftballons gefertigt. Winkende Kinder in Moselblümchentracht und Winzerkittel gehen mit. Musikalisch begleitet werden sie vom Musketiercorps aus Neuwied. Ihnen und allen anderen Umzugsteilnehmern werden ihre Fahnen aber jetzt schwer, denn als die ersten Gruppen am Europabrunnen ankommen, setzt ein heftiger Regenschauer ein. Auch die Kröver Weinkönigin Franziska bleibt mit ihrer Weinprinzessin Mara und ihren Begleiterinnen auf dem prächtigen Muschelwagen davon nicht verschont. Dennoch lächeln sie weiter und lassen sich die Stimmung nicht verderben. Insgesamt sind acht der 49 Gruppen des Festumzugs beim Heimatfieber aus Kröv. Rebecca Hahn, die den Umzug kommentiert und vor einigen Jahren selbst Weinkönigin war, erklärt: „Die Kröver sind alle mit Herzblut dabei, sonst könnte man dieses Fest so gar nicht auf die Beine stellen.“ Die Kröver, die nicht selbst am Umzug mitgehen oder Dienst in der Halle machen, haben sich Bänke oder Stühle vor die Tür gestellt, dazu Wasser, Wein und kleine Snacks und genießen den Umzug vor dort aus. Etliche Touristen sind ebenfalls gekommen, um zu sehen, wie die Kröver ihr Heimatfieber ausleben. Zu sehen gibt es einiges: Schützen- und Musikvereine, Fanfarenzüge, Fahnenschwenker, Festwagen und natürlich Folkloregruppen. Darunter war auch eine, die während des Umzugs sehr leicht bekleidet, die Herren nur in Lendenschurz und mit Köperbemalung, die Damen in einer Art traditionellem Bikini, wegen des Regens eine Abkürzung nahmen, sehr zum Leidwesen der Zuschauer am Straßenrand. Für viel Stimmung sorgten auch die farbenfrohe „Filipiniana“-Gruppe, die aus Frauen mit philippinischen Wurzen besteht, die hier ihre Traditionen weiterpflegen. Sehr lange dabei sind die Fahnenschwenker aus Belgien, die es sich nicht nehmen ließen ihr Können vor dem Publikum zu zeigen. Die Tanzgruppen hatten da ebenfalls keine Berührungsängste und es wurden verschiedene Tanzstile gezeigt. Frauen wurden mit Hilfe der Männer und der Fliehkraft in Schwung gebracht, dort gab es Paar- oder Gruppentänze und bei der bulgarischen Gruppe, die die weiteste Anreise hatte, zeigte man, wie man mit Stöcken tanzen kann. Das Ensemble „Zvezditzs“ hat 55 Tänze aus den verschiedenen Regionen ihres Landes im Repertoire. Aber es sind nicht nur die Gruppen aus Belgien, den Niederlanden oder Bulgarien, die den Festumzug ausmachen. Ohne die Nachbargemeinden an der Mosel, aus der Eifel und dem Hunsrück wäre der Umzug ein großes Stück ärmer. Die Weinmajestäten der umliegenden Orte waren da, teils mit opulenten Wagen, wie die Enkircher, die ihren Ankerplatz mitgebracht hatten, oder die Reiler, die mit ihrem großen Wagen gekommen waren, Kurfürst Wenzelslaus war vertreten, die Weinhoheiten aus Kinheim, die Mosella aus Bernkastel-Kues und Wintrich und am Schluss des Festumzugs der Kröver Nacktarsch-Wagen. Viele Kleidungsstücke, die zu sehen waren, sind selbstgenäht oder extra angefertigt worden.