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Fest: 70 Jahre und attraktiver denn je

Fest : 70 Jahre und attraktiver denn je

Beim Weinfest der Mittelmosel wird zum Jubiläum keine große Show abgezogen. Es ist ein Selbstläufer mosellanischen Frohsinns. Die Zahl der Weinköniginnen erreicht dieses Jahr einen vorläufigen Höchststand.

Aus kleinen Anfängen groß geworden – vom Tellerwäscher zum Millionär: Beim Weinfest der Mittelmosel trifft dies zu. Sein Vorläufer, die Bernkasteler Weinkirmes, feierte im Oktober 1931 Premiere. Und zwar mit folgendem Auftrag: Fremdenwerbung und Wirtschaft ankurbeln. Diese Aufgabe hat das Weinfest der Mittelmosel, das 1949 nach den Kriegswirren aus der Taufe gehoben wurde, tadellos gelöst. Es ist mit circa 200 000 Besuchern das größte Fest an der Mosel und geht in diesem Jahr, vom 30. August bis zum 3. September, in seine 70. Auflage.

Speziell gefeiert wird dieses Jubiläum aber nicht. Das hat das Fest auch nicht nötig. Es ist ein Selbstläufer, es kommt ohne Veränderungen aus – wahrscheinlich würden den Freunden des moselländischen Frohsinns Änderungen auch nicht gefallen. Denn viele haben das Programm verinnerlicht.

Es fällt auch nicht schwer, sich die Höhepunkte zu merken. Donnerstag: Moselblümchenabend und Eröffnung der Weinstraße mit circa 30 Ständen; Freitag: Empfang der Stadtweinkönigin Mosella auf dem mittelalterlichen Marktplatz; Samstag: Feuerwerk, Sonntag: großer Festzug; Montag: der Tag der Einheimischen. Seit Jahren ist dies eine Erfolgsgeschichte, die mit einem großen Musikprogramm, dem Rummelplatz und einem Kunsthandwerkermarkt noch einige Zugaben aufweist.

In Nuancen wurde und wird das Programm geändert beziehungsweise fortgeschrieben. Beispielsweise mit dem Treffen der Moselblümchen, Frauen und Mädchen in Tracht, denen sich mittlerweile auch einige Winzerkittel tragende junge und ältere Männer angeschlossen haben. Dadurch wurde der Donnerstag als sowieso schon guter Eröffnungstag weiter aufgewertet.

„Die Weinkirmes war der erste Schritt zu einem großen Volksfest“, sagt Barbara Jakobs, seit Jahren die Organisatorin des Weinfestes der Mittelmosel. Die Ankurbelung der Wirtschaft wurde schon Anfang der 1950er Jahren durch einen prominenten Besuch sichtbar: 1951 saß der damalige Bundeswirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard beim Festzug auf der Tribüne – natürlich mit der unvermeidlichen Zigarre im Mund.

50 städtische Weinköniginnen hat es nach dem Krieg gegeben. In Bernkastel-Kues heißt diese Majestät Mosella. Die Mehrzahl davon heißt übrigens nicht Mosellas, sondern offenbar Mosellae. So zumindest sei es im Sprachgebrauch des früheren Verkehrsamtsleiters und Weinfestorganisators Rene Achtermann gewesen, berichtet Barbara Jakobs.

Alle lebenden Mosellae sind zum Jubiläum eingeladen worden. Etwa die Hälfte hat bisher zugesagt. So kommt  Am Freitagabend noch mehr Glanz auf den Marktplatz. Denn dort kommen zum Empfang der Mosella auch noch die Weinmajestäten aller beteiligten Gemeinden zusammen. Allein die Zahl dieser Königinnen und Prinzessinnen dürfte im dreistelligen Bereich liegen.

In diesem Jahr wird Mosella Kathrin I. nach zweijähriger Amtszeit verabschiedet. Gekrönt wird an diesem Abend Nachfolgerin Kirsten I.

Noch einmal ein Blick zurück auf das Jahr 1949. Damals brachten noch Sonderzüge Besucher zu den beiden existierenden Bahnhöfen.

Damals gab es zwei Aufführungen des Spiels vom Doctorwein. Das Fest dauerte nur drei Tage. Damals nahmen am Festzug Winzerwagen aus Bernkastel, Kues, Neumagen, Dhron, Niederemmel, Piesport, Kesten, Lieser und Graach teil. Züge fahren nicht mehr, denn die Schienen sind längst abgebaut – das Weinfest gibt es immer noch. Eine Neuinszenierung des Spiels vom Doctorwein wäre eine Überlegung wert.

Eine kleine Neuerung in diesem Jahr: Im hinteren Teil der etwa 300 Meter langen Weinstraße wird eine Bühne aufgebaut.

Dort wird Livemusik zu hören sein. Damit, so Barbara Jakobs, soll auch dieser Teil des Areals mehr an Attraktivität gewinnen. Die Hauptkonzerte finden, wie gewohnt, auf dem Marktzplatz und auf dem Karlsbader Platz statt.

Barbara Jakobs hat nicht nur vor sondern auch während des Festes viel zu tun. Ab und an mischt sie sich aber auch unter die Feiernden. „Da merke ich, wie begeistert die Leute vom Weinfest sind“, sagt sie.