70er-Jahre-Müll muss weichen

Wo heute noch 150 000 Kubikmeter Altmüll aus den 70er- und 80er-Jahren lagern, soll schon im Herbst 2008 ein etwa ein Hektar großes Grün-Biotop zum Verweilen einladen: Das ist der erste Schritt zur Rekultivierung der insgesamt 28 Hektar großen Kreismülldeponie in Sehlem.

Die Arbeiter auf der Kreismülldeponie haben Glück: Der alte Müll riecht nicht mehr und ist zum überwiegenden Teil verrottet. Nur hier und da tauchen alte Konservenbüchsen auf oder der eine oder andere Schuh, der in seinem 80er-Jahre-Design schon fast wieder modern ist. Doch der alte Müll muss weg, zumindest im Nordkörper, dem ältesten Teil der Mülldeponie Sehlem. Der Grund: In den 70er-Jahren, als die Kreismülldeponie gebaut wurde, war es noch nicht üblich, Erdreich und Grundwasser mit diversen Schutzschichten vor Einsickerungen aus dem Müllkörper zu schützen. Das stellt sich nun als Hindernis bei der Rekultivierung der Deponie heraus, auf der seit 2005 ja kein Haus- und Gewerbemüll, sondern nur noch mineralischer Müll gelagert werden darf.Schadstoff-Schwellenwerte im Nordkörper erreicht

Nach dem Stilllegungsplan der Kreisverwaltung wird die 28 Hektar Deponie komplett "überbaut", wie Stephan Müllers vom Fachbereich Abfallwirtschaft der Kreisverwaltung erklärt. Das heißt: Die zwei Millionen Kubikmeter Müll, die insgesamt in Sehlem lagern, werden mit einer mineralischen Schutzschicht und dann mit einer speziellen Kunststoff-Schutzschicht überdeckt, es folgt eine ansprechende Begrünung des Müllbergs, der dann zum Spazierengehen oder Verweilen einladen soll. 25 bis 30 Millionen Euro wird die Rekultivierung kosten. Geld, das der Kreis als Betreiber der Mülldeponie schon zusammengespart hat. Anders als das übrige Deponie-Gelände, kann der etwa ein Hektar große Nordkörper aber nicht einfach überbaut werden. Denn bei Kontrollen ist aufgefallen, dass im direkten Umfeld des alten Nordkörpers Schwellenwerte für Schadstoffe im Grundwasser erreicht werden (der TV berichtete), weil eben damals noch keine Schutzschichten unter dem Müllberg üblich oder gar vorgeschrieben waren. "Es besteht keinerlei Gefahr für das Trinkwasser der umliegenden Gemeinden oder die Bevölkerung, wohl aber Handlungsbedarf", sagt Müllers. Deshalb wird der Altmüll vom Nordkörper derzeit in mit Schutzschichten abgedichtete jüngere Deponie-Teile verfrachtet. Jeden Tag transportieren die Arbeiter rund 2000 Kubikmeter Altmüll über das Gelände. Insgesamt müssen 150 000 Kubikmeter Müll vom Nordkörper bewegt werden, bevor der etwa ein Hektar große Bereich mit einer Tiefendrainage vor Sickerwasser aus dem restlichen Deponiekörper geschützt wird. Liegt die Tiefendrainage, wird der Nordkörper mit sauberem Boden verfüllt und schließlich bepflanzt. "Denkbar ist, dass dort ein Feuchtbiotop entsteht, aber wie genau das Gelände angelegt wird, entscheiden später die Kommunalpolitiker", sagt Müllers. 1,9 Millionen Euro kostet dieser erste Rekultivierungs-Abschnitt. Im Herbst 2008 soll der Nordkörper bereits begrünt sein, und der Zaun rund um die Deponie wird versetzt: Es entsteht ein Hektar neues Grün für alle. Als nächstes wird dann der Westbereich der Deponie angegangen. Insgesamt wird die Rekultivierung noch Jahrzehnte dauern. Allein für das Klären des Sickerwassers und für das Ableiten der sich im Müllberg bildenden Methangase ist die Kreisverwaltung noch 30 Jahre nach Stilllegung der Deponie verantwortlich.