78 und nach wie vor unermüdlich

LONGKAMP. Ob in der Vereinsarbeit oder bei Gemeinde, Pfarrgemeinde und in punkto Dorfgeschichte – Leo Kolz ist für seine Heimatgemeinde Longkamp in vielen Bereichen unverzichtbar.

Wer sich mit den Aktivitäten von Leo Kolz beschäftigt, gerät schnell ins Staunen. Der Longkamper war nicht nur 50 Jahre Vorsitzender des örtlichen Kirchenchors, dem er seit 1946 angehört. Er singt auch seit 1948 im mit von ihm begründeten Männergesangverein und ist seit 1946 treues Gründungsmitglied des Sportvereins. Ebenso hat die Feuerwehr profitiert von der Energie des heute 78-Jährigen, der fast 40 Jahre aktiver Feuerwehrmann war und 45 Jahre Schriftführer und Kassierer. So ganz nebenbei saß er zudem in Gemeinde- und Pfarrgemeinderat - 14 Jahre sogar als Vorsitzender des kirchlichen Gremiums. Viele Longkamper rechnen dem ehrenamtlichen Schiedsmann aber etwas anderes hoch an. Und zwar die Arbeit, die er in die Pfarrchronik samt späterer Überarbeitung sowie in den Bildband der Gemeinde investiert hat. "Ich hab' im ganzen Dorf Bilder gesammelt", sieht er sich selbst noch heute von Tür zu Tür gehen. Danach habe er alle Fotos abfotografiert, reproduziert und den Eigentümern zurückgegeben. Die Mühe hat sich gelohnt. Sind doch auf diese Weise einzigartige Zeugnisse der Longkamper Geschichte aufgetaucht. Etwa das Foto vom Einsatz einer Dampfmaschine beim Straßenbau in den 30er-Jahren oder ein Luftbild von 1913 - entstanden während des "Kaisermanövers". Dazwischen finden sich Porträts von Originalen wie Peter Reinhard als "Hunsrückbauer mit Pfeife" und seltene Dokumente dörflichen Lebens wie Kinder auf einem Jauchefass oder Erfindungen des Longkamper Schmieds. Ideengeber für den Bildband war die in den 80er-Jahren erschienene Dorfchronik, in der laut Kolz nur "so kleine Bildchen drin" waren. Doch Kolz war auch ein eifriger Schreiber. So war es ihm ein Anliegen, die Geschichte der Longkamper Glocken niederzuschreiben und sich auf die Spuren der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes im Jahre 1030 zu begeben. Außerdem gelang es während seiner Ära als Vorsitzender des Kirchenchores, die Geschichte der Sänger bis ins Jahr 1786 zurück zu belegen, was dem Chor nahezu zeitgleich Palestrina-Medaille und Zelter-Plakette sicherte. Selbst manche Feste, Familienabende oder Seniorentage hätten ohne Kolz vielleicht nie oder zumindest anders stattgefunden. Das rastlose Engagement ist ihm jedoch ein Bedürfnis: "Es macht auch Spaß, wenn man im Dorf etwas bieten kann." Die Sünde, die Zeit totzuschlagen, würde Kolz sich nie verzeihen, bringt Ortsbürgermeister Hans Herrmann dessen Tatendrang auf den Punkt. Eine der Triebfedern der 78-Jährigen dürfte aus der Zeit seiner Jugend stammen: "Nach dem Krieg hat man gedacht, man muss wieder neu aufbauen." Dass Kolz neben all seinen Aufgaben noch Zeit für ein Privatleben mit Frau, zwei Kindern und zwei Enkeln bleibt, ist kaum vorstellbar. Allerdings ist er in Sachen Familiengründung ein "Spätzünder", wie er selbst schmunzelnd formuliert: "Ich habe spät geheiratet - aber es war noch früh genug." Ohne die Unterstützung seiner Familie hätte er all dies nicht machen können, ist er überzeugt.