800 Jahre: Merscheid feiert, Morscheid zögert
Morscheid-Riedenburg · 2015 ist ein Jubiläumsjahr im Hunsrück. Merscheid und Morscheid wurden vor 800 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, Heinzerath, Hinzerath, Wederath und Wenigerath vor 700 Jahren. Gefeiert wird sicher in Merscheid und Wederath. In den anderen Orten wird noch überlegt.
Morscheid-Riedenburg. Fünf Jubiläen, eine Quelle: Nach dem etwa 150 Jahre alten Urkundenbuch der Vögte von Hunolstein können laut Karl-Heinz Erz von der Tourist-Info in Morbach fünf Ortsbezirke der Gemeinde Morbach 2015 einen runden Geburtstag feiern. Geburtstag bedeutet in diesem Fall erste urkundliche Erwähnung (siehe Extra).
Feststraße am Bürgerhaus
Merscheid und Morscheid sind demnach mindestens 800 Jahre alt, die Ortsbezirke Heinzerath, Hinzerath, Wederath und Wenigerath 700 Jahre. Viele Gründe zu feiern also. Doch dass tatsächlich ein großes Fest stattfindet, ist erst in einem Ort ganz klar: in Merscheid. Dort steht laut Ortsvorsteher Bernd Flesch sogar der Termin schon fest: 12. bis 15. Juni 2015. Die Merscheider wollen laut Flesch keinen Umzug organisieren, sondern eine Feststraße mit dem Bürgerhaus und dem Festplatz im Mittelpunkt. Mehrere Scheunen sollen in der Straße öffnen und einige Tavernen eingerichtet werden. Die alten Hausnamen werden auf Tafeln vorgestellt. Auch eine Chronik des Orts mit 370 Einwohnern wird erstellt.
In Morscheid-Riedenburg wurden ebenfalls erste Vorbereitungen für das Jubiläum getroffen. Der Ortsbeirat hat zwei Projektleiter bestellt: Frank Arend und Peter Brucker, die beide mit der Geschichte des rund 500 Einwohner zählenden Ortes bestens vertraut sind.
Die Hauptaufgabe von Projektleiter Arend und Stellvertreter Brucker wird es sein, die Organisation der Jahrfeier und das Erstellen einer Chronik für Morscheid-Riedenburg zu koordinieren. Doch Arend schränkt ein: "Eine Feier wird es nur geben, wenn die Vereine dem zustimmen." Und so weit ist es noch nicht. Zunächst wollen Arend und Brucker ein Konzept erstellen, das sie den Vereinsvertretern vorstellen. Laut Ortsvorsteher Erwin Schrenk sollen alle "Balkan-Vereine", also auch von Wolzburg und Hoxel, miteinbezogen werden. Bei einem möglichen Termin solle Rücksicht auf Merscheid genommen werden.
Das seit einem halben Jahrhundert mit Riedenburg zu einem Dorf verschmolzene Morscheid blickt auf eine bedeutende Geschichte zurück. Der Ortsteil wurde 1215 erstmals als "Morscheit" urkundlich erwähnt, Riedenburg erst 1396. Doch bereits 1066 hatte es in Morscheid eine Kapelle gegeben.
Sie wurde zum Gedenken an den auf dem Weg nach Trier getöteten Bischof Cuno von Pfullingen errichtet. Der Bau der Kapelle dürfte auch die Tradition von Morscheid als Wallfahrtsort begründet haben.
Und die übrigen Jubiläumsorte? Für Wederath sagt Ortsvorsteherin Daniela Petry: "Dass wir feiern, steht fest, unklar ist nur noch, in welchem Rahmen. Eventuell wollen wir das Jubiläum mit der Kirmes verbinden."
In Wenigererath wird laut Erz derzeit überlegt, eine 700-Jahr-Feier zu organisieren, aber sicher sei dies nicht. Auch in Hinzerath wurde schon über ein Fest diskutiert - laut Erz bislang ohne Ergebnis. In Heinzerath wurde das Jubiläum nach Auskunft von Josef Schabbach, dem stellvertretenden Ortsvorsteher, bislang nur kurz angesprochen. Dort soll es eine eigene Ortsbeiratssitzung zur Feier-Frage geben.
Einige Orte im Hunsrück haben bereits ältere Jubiläen gefeiert als Morscheid und Merscheid, so Heidenburg (2003: 950 Jahre) und Malborn (1981: 1000 Jahre). Für Fritz Schellack, Leiter des Hunsrückmuseums, ist die genaue Bestimmung des Alters so eine Sache. Er sagt: "Meist beziehen sich die Gemeinden auf die erste urkundliche Erwähnung, doch die ist meist jünger als der Ort selbst." Oft werde nur das Schriftgut betrachtet, dabei könne beispielsweise auch das Holz eines Hauspfostens ein Alter verraten. Orte in der Region Trier können laut Schellack unter Umständen auch viel älter sein als die urkundlichen Erwähnungen. Entlang der Straßen habe es bis zum 5. Jahrhundert überall römische Siedlungen gegeben. Strittig sei, ob diese kontinuierlich weiter bestanden hätten oder die Stellen neu besiedelt wurden. Das genaue Alter ist für Schellack bei einem Jubiläum aber auch gar nicht so wichtig. Er sagt: "Das Entscheidende ist, dass die Orte sich auf ihre Geschichte besinnen. Das ist wichtig für die Identifikation." Viele Leute engagierten sich, um Chroniken zu verfassen. Andere untersuchten, wie man früher gegessen habe. In vielen Orten werde bei der Vorbereitung eines Jubiläums viel Energie freigesetzt. mai