8.40 Uhr: Ich gehe los ...

Täglich fahren Tausende Pendler mit dem Auto durch die Region. Darunter auch viele von Trier nach Wittlich. TV-Redakteur Hans-Peter Linz hat für einen Tag das Auto in der Garage gelassen und für seinen Weg zur Arbeit von Trier nach Wittlich Bus und Bahn benutzt. Ein Selbstversuch.

Trier/Wittlich. Trier, 8.40 Uhr: Ich gehe zu Fuß von unserem Haus im Trierer Paulinviertel bis zum Hauptbahnhof. Um möglichst zügig dort anzukommen, komme ich nicht umhin, stark befahrene Straßen zu überqueren. Fußgängerüberwege fehlen. Auch auf dem Bahnhofsvorplatz muss ich einige Busspuren mit dem entsprechenden Verkehr passieren, um in das Bahnhofsgebäude zu gelangen. Das dabei produzierte Adrenalin und die kühle Herbstluft an diesem trüben Morgen machen wach.
Ohne Kleingeld keine Karte


Trier, 8.45 Uhr: Um die Fahrkarte zu lösen, muss ich mich durch ein längeres Menü auf einem Touchscreen des Fahrkartenautomaten hangeln. Der Preis beträgt 8,10 Euro für eine Fahrt nach Wittlich. Als ich mit einer 20-Euro-Note bezahlen will, muss ich feststellen, dass der Automat nur Münzen und Noten bis zehn Euro annimmt. Die EC-Karte liegt zu Hause. Also nix wie zum Bahnhofsbäcker und ein Schoko-Croissant kaufen, um das entsprechende Kleingeld zu besorgen.
Trier, 8.51 Uhr: Eigentlich sollte der Zug jetzt abfahren. Aber er ist noch gar nicht da. Ich werde langsam unruhig. Eine Lautsprecherstimme beruhigt mich. Der Zug kommt etwas später. Auf den Bahnsteigen stehen vereinzelt Leute herum.
Trier, 8.56 Uhr: Die Regionalbahn trifft ein. Mehrere Dutzend Menschen steigen aus und beleben den bislang eher verlassen wirkenden Trierer Hauptbahnhof. In der Stadt staut sich jetzt bestimmt der Verkehr, denke ich. Da mutet der Bahnhof wie eine Oase der Ruhe an. Offenbar ist der Morgenverkehr hier schon abgehandelt. Mit einer Handvoll Passagiere steige ich in den Zug ein.
Im Zug: Platz ist genug im Großraumwagen. Mit moderatem Tempo und fast geräuschlos zieht der Zug in Richtung Pfalzeler Brücke. Draußen wird es heller, die trüben Wolken verziehen sich. Ich schaue in mein iPhone und beantworte schon mal ein paar dienstliche Mails. Das könnte ich im Auto freilich nicht. Auch die Aussicht aus dem Fenster wird immer schöner. Kurze Stopps bei Pfalzel, Ehrang, Ehrang-Ort, Quint, Schweich, Föhren.
Im Laufschritt zum Bus


Vereinzelt steigen Leute ein oder aus. Und da, bei Hetzerath - kaum dass der Zug die Landkreisgrenze überschritten hat - kommen tatsächlich die ersten Sonnenstrahlen durch. Weiter geht es über Sehlem und Salmtal. Landwirtschaftliche Felder, ein wenig Wald und die Baustelle der B 50 ziehen vorbei.
Wittlich-Wengerohr, 9.30 Uhr: Etwas verspätet kommt der Zug in Wittlich-Wengerohr an. Ortsfremde werden denken, dies sei Wittlich, denn der Bahnhof wird auch als Wittlich-Hauptbahnhof auf der Internetseite der Bahn bezeichnet. Fast so wie der Flughafen Frankfurt-Hahn, denke ich. Manch ein englischer Tourist staunt dann, dass es noch eine Busfahrt und zwei Stunden Weg bis in die Mainmetropole sind. Aber hier sind es nur kurze acht Bus-Minuten. Freilich wartet der Bus wegen der leichten Verspätung des Zugs nicht mehr lange, weshalb ich mich im Laufschritt in Bewegung setze. Schließlich sitze ich im Bus.
Wittlich-ZOB. 9.39: Endlich angekommen. Die Sonne scheint und ich spaziere mitten durch die Altstadt Richtung Redaktion. Der Arbeitstag kann beginnen.
Eine Stunde länger unterwegs


Mein Resümee: Was die Fahrzeit betrifft, liegt der Unterschied bei einer Stunde pro Tag. Mit dem Wagen braucht es etwa 30 Minuten von Trier nach Wittlich, mit dem Zug 60 Minuten für eine Fahrt.
Insgesamt dauert die Hin- und Rückfahrt mit dem Zug also eine Stunde länger. Immerhin hat man dabei etwa 30 Minuten zur freien Verfügung, in denen man Mails beantworten oder die Zeitung lesen kann, denn die Nettofahrzeit im Zug beträgt etwa 30 Minuten. Das ist durchaus komfortabel und eine Alternative dazu, sich auf der Autobahn von Dränglern schikanieren zu lassen. Zudem ist das Bahn- und Bus-Verkehrsnetz gut ausgebaut, die Taktung ist verlässlich und die Fahrtzeiten sind auch relativ engmaschig. Mit Bus und Bahn von Trier nach Wittlich zu pendeln funktioniert nur dann optimal, wenn man sowohl bahnhofnah wohnt als auch arbeitet.
Wer hingegen im Neubaugebiet wohnt und etwa im Gewerbegebiet arbeitet, muss zusätzliche Fahrten und entsprechend mehr Zeit einkalkulieren..Extra

Der früheste Zug fährt von Trier nach Wittlich um 6.13 Uhr und kommt um 6.47 Uhr an. Der späteste Zug fährt Trier ab 22.23 Uhr und kommt in Wittlich um 23.31 Uhr an. Von Wittlich geht es morgens um 6.20 Uhr zum ersten mal nach Trier, Ankunft 7.11 Uhr. Der letzte Zug fährt um 23.06 nach Trier und kommt dort um 23.50 Uhr an. Die unterschiedlich langen Fahrtzeiten (von 34 Minuten bis zu einer Stunde, 8 Minuten kommen durch die unterschiedlichen Busanschlüsse und Taktungen der Züge zustande. Pro Tag gibt es 38 Verbindungen zwischen den beiden Städten.

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