90 Minuten für acht Kilometer zum Schweicher Schulzentrum - Eltern sind sauer über Verbindungen

Schwieriger Schulweg : 90 Minuten für acht Kilometer - Eltern sind sauer über Verbindungen zum Schweicher Schulzentrum

Mit Bus, Bahn und nochmal Bus wären die rund 70 Kinder für die acht Kilometer ins Schulzentrum Schweich mehr als eine Stunde unterwegs – und kämen trotzdem dauernd zu spät. Deshalb starte nächste Woche wohl wieder die allmorgendliche Auto-Karawane aus Hetzerath und Rivenich nach Schweich.

Schulbeginn – für Marili Slaby sowie weitere rund drei Dutzend Mütter und Väter aus Hetzerath und Rivenich heißt das: wieder Privat-Taxi spielen für die eigenen Kinder, damit diese auch wirklich sicher und pünktlich zum Unterrichtsbeginn ins Schulzentrum nach Schweich kommen.

Eltern wollen neue Regelung

Denn die offizielle Schulweg-Verbindung mit Bahn und Bus funktioniert nur auf dem Papier. Beziehungsweise ist so umständlich, dass die Kinder für die gerade mal acht Kilometer über eine Stunde unterwegs wären – und oft genug trotzdem zu spät zum Unterrichtsbeginn kämen.

Jetzt mit Beginn des neuen Schuljahres werden es rund 70 Kinder sein, die von der – vorsichtig formuliert – ungünstigen Fahrplan-Verbindung betroffen sind.

Anlass für die Eltern, erneut auf das Thema aufmerksam zu machen. Mit einer Unterschriftensammlung haben sie sich an die Bahn beziehungsweise die Rhein-Mosel-Verkehrsgesellschaft gewandt, ebenso an den ADD-Präsidenten Thomas Linnertz sowie an den Landrat des Landkreises Trier-Saarburg, Günther Schartz.

Klare kommunalpolitische Rückendeckung gab's hierbei von den Ortsbürgermeistern und Gemeinderäten aus Hetzerath und Rivenich. Die jedoch endet spätestens an der Kreisgrenze – und genau da beginnt das Problem: Auf dem Schulweg zum Bildungszentrum in Schweich überschreiten die Kinder nämlich diese Demarkationslinie der Zuständigkeiten.

Während die Schüler aus den Nachbarorten Föhren und Bekond (wie Schweich im Landkreis Trier-Saarburg gelegen) komfortabel und direkt mit einem eigenen Schulbus gefahren werden, gleicht für deren Klassenstufen-Kameraden aus Hetzerath und Rivenich (Landkreis Bernkastel-Wittlich) der allmorgendliche Weg zur Schule einer Irrfahrt mit ungewissem Ausgang (siehe Extra: Fahrplan mit Tücken).

Hilfe von Ortsbürgermeistern

Wenn es nach dem Trier-Saarburger Landrat Günter Schartz geht, wird sich daran auch in Zukunft wenig ändern. „Aufgrund des bestehenden Angebots (des öffentlichen Nahverkehrs, Anmerkung der Redaktion) sehe ich derzeit keine Veranlassung, tätig zu werden“, beschied er den Eltern aus dem Nachbarkreis kurz und knapp. Das wollen diese wiederum so nicht hinnehmen: „Einerseits sind wir Hetzerather in Schweich gerne zur Stärkung des Schul- und Einkaufsstandorts willkommen, andererseits sollen wir selbst sehen, dass unsere Kinder sicher und pünktlich zu Schule kommen,“ sagt Marili Slaby. Gemeinsam setzen der Hetzerather Ortsbürgermeister Werner Monzel, der Rivenicher Ortsbürgermeister Peter Knops und die betroffenen Eltern nun auf die Rhein-Mosel-Verkehrsgesellschaft und deren Geschäftsführer Bernhard Ehmann.

Die Bahn-Tochter ist für den Öffentlichen Nahverkehr (und damit auch für die Schülerbeförderung) in letzter Instanz zuständig – ihr Chef dürfte somit keine Sperrzonen zwischen Landkreis-Grenzen kennen.

Nach wiederholtem Briefwechsel derzeit aktueller Stand der Dinge: Das Ansinnen der Eltern aus Hetzerath und Rivenich wird von der RMV jetzt zumindest einmal „geprüft“ – allerdings erst „im Vorfeld zum Fahrplanwechsel Dezember 2016 beziehungsweise zum Schuljahresbeginn 2017/2018“.

Morgens um 7.20 Uhr fährt ab Bahnhof Hetzerath ein Zug, der um 7.27 Uhr am Bahnhof in Schweich ankommt. Zuvor sind Kinder aus Rivenich und dem Hetzerather Ortszentrum bis zum Bahnhof Hetzerath bereits 10 bis 15 Minuten mit einem Zubringerbus unterwegs. In Schweich warten die Schulkinder ungeschützt vor Wind und Wetter 20 bis 30 Minuten auf den Anschluss-Bus zum Schulzentrum – fahrplanmäßige Ankunft an der Haltestelle dort ist 7.57 oder 7.59 Uhr. Schulbeginn aber ist um 8.05. Wehe also, der Bus hat ein paar Minuten Verspätung. Oder noch schlimmer, er fährt am Schweicher Bahnhof bereits völlig überfüllt einfach weiter und lässt die wartenden Kinder im Regen stehen – was laut vieler Hetzerather Eltern oft vorkommt.

Weil alldem so ist, fahren immer mehr Eltern ihre Kinder jeden Morgen meist in Fahrgemeinschaften mit dem Privat-Pkw in die Schule. Schätzungsweise 20 bis 30 Autos sind täglich die acht Kilometer dorthin unterwegs. Fahren die „Mama-Taxis“ gegen 7.40 Uhr zuhause los, kommen die Kinder pünktlich und wohlbehalten zur ersten Stunde in der Schule an.

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