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A 1: Mehr als 30.000 Autofahrer in einer Baustelle geblitzt

Kontrollen : Mit Tempo 181 in der Baustelle: Polizei blitzt auf der A 1 mehr als 30.000 Fahrer

In der Baustelle auf der A 1 zwischen Schweich und Salmtal hat die Polizei eine unglaubliche Zahl an Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt. Was auf einen besonders schnellen Fahrer jetzt zukommt.

Tempo 60 auf der Autobahn stellt die Geduld zahlreicher Verkehrsteilnehmer auf eine harte Probe. In der Baustelle auf der A 1 zwischen Salmtal und Schweich müssen Autofahrer beider Fahrtrichtungen seit September 2021 auf einer Strecke von acht Kilometern konstant 60 Stundenkilometer fahren und nicht 80 wie sonst in solchen Baustellen außerhalb der Autobahnauffahrten üblich. Wer sich nicht an das Tempolimit hält, der landet auf dem Streckenabschnitt schnell mal in der Radarfalle. Denn seit der Einrichtung der Baustelle überwacht die Polizei dort konstant die Einhaltung der Geschwindigkeit. Der Blitzer-Anhänger, der dort rund um die Uhr blitzt, wird von Zeit zu Zeit in wechselnder Fahrtrichtung und Position geparkt. Mal steht er an einer Ausfahrt, mal hinter Baustellenfahrzeugen versteckt in der Baustelle zwischen den Fahrbahnen. Zusätzlich überwacht die Polizei den Verkehr in der Baustelle von Zeit zu Zeit auch noch mit einem mobilen Messgerät. Dann werden Autofahrer auf den acht Kilometern von zwei Radarfallen überwacht. Daneben werden auch „Messungen durch Nachfahren“ durchgeführt, um den gesamten Baustellenabschnitt zu überwachen. „Auch durch diese Überwachung werden häufig gravierende Geschwindigkeitsverstöße festgestellt“, erklärt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Trier.

Die Geschwindigkeitsüberwachung soll die Verkehrsteilnehmer dazu anhalten, langsam zu fahren und die vorgegebene Geschwindigkeit einzuhalten, um Unfälle im engen zweispurigen Baustellenbereich zu verhindern. Seit Einrichtung der Baustelle am 23. September wurden dort 32 Verkehrsunfälle aufgenommen, davon ein Verkehrsunfall mit Schwer- und ein Verkehrsunfall mit Leichtverletzten.

Vielen Rasern auf der A 1 fehlt das Verständnis

Wie die große Zahl der im Baustellenbereich gemessenen Geschwindigkeitsüberschreitungen zeigt, fehlt dennoch vielen Verkehrsteilnehmern das Verständnis für das dort geltende Tempo-Limit. Die bislang größte Ignoranz gegenüber dem Tempolimit zeigte ein Raser, der im Baustellenbereich mit einer Geschwindigkeit von 181 Kilometer in der Stunde unterwegs war. Damit wurde der bisherige Rekord von 148 km/h (wir berichteten) deutlich gebrochen.

Die Zahl der gemessenen Geschwindigkeitsverstöße im Baustellenbereich ist ebenfalls beachtlich: Seit Beginn der Messungen am 23.September 2021 bis einschließlich 30. Dezember wurden durch den Blitzeranhänger insgesamt 26.258 Geschwindigkeitsverstöße dokumentiert. Mit mobilen Geräten konnten im genannten Zeitraum 3.882 weitere Geschwindigkeitsverstöße festgestellt werden. Innerhalb von rund drei Monaten wurden im Baustellenbereich somit 30.140 Temposünden registriert.

Konsequenzen für Raser

Nicht alle geblitzten Fahrer kommen mit einem Bußgeld davon. Nach Auskunft des Polizeipräsidums Trier ist in 287 Fällen mit der Verhängung eines Fahrverbots zu rechnen. Den Temposünder-König mit der gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 181 Kilometer in der Stunde erwarten „ein Bußgeld von 700 Euro, dazu zwei Punkte sowie ein Fahrverbot von drei Monaten.“ So wird die Fahrt durch die Baustelle auf der A1 für so einige Fahrer, die ihren Bleifuß nicht unter Kontrolle haben, zu einem unvergesslichen und vor allem kostspieligen Erlebnis.

Aber warum halten sich so viele Fahrer nicht an das Tempolimit und wurden dort so viele Geschwindigkeitsüberschreitungen dokumentiert?

„Die große Zahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen in Baustellenabschnitten ist ein bundesweites Phänomen und nicht nur auf die derzeitige Baustelle auf der A 1 zwischen Salmtal und Schweich zu begrenzen“; erklärt das Polizeipräsidium. Da auf Autobahnen generell eine hohe Geschwindigkeit gefahren werden dürfe, erscheine eine Reduzierung, insbesondere auf Tempo 80 oder 60, über eine Strecke von mehreren Kilometern dem Fahrzeugführer dann sehr langsam. „Da viele Baustellen auch noch zweispurig in jeder Fahrtrichtung geführt werden, könnte das Verständnis für eine solche Geschwindigkeitsreduzierung fehlen.“ Mögliche Gefahrenquellen als Gründe für eine solche Anordnung würden entweder nicht erkannt oder auch nicht akzeptiert,  erklärt das Präsidium zur möglichen Ursache.

Weniger Unfälle in der Baustelle auf der A 1 durch reduzierte Geschwindigkeit

„Hinzu kommt, dass die teilmobilen Messanlagen wie der Trailer 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche messen und die unterschiedlichen Verkehrsdichten zu unterschiedlichen Zeiten dazu verleiten könnten, sich nicht an die Geschwindigkeitsvorgaben zu halten.“

Durch die Herabsetzung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 60 konnte nach Aussage der Polizei die Zahl der Verkehrsunfälle im Baustellenbereich „deutlich reduziert“ werden“. Es sei insbesondere nicht mehr zur Verkehrsunfällen mit verletzten Personen gekommen, erklärt das Präsidium. In dieser Hinsicht ist die Bilanz der Geschwindigkeitsüberwachung also absolut positiv.

Bußgelder wegen Geschwindigkeitsverstößen

Zur Summe der Bußgelder, die durch die 30.140 dokumentierten Geschwindigkeitsüberschreitungen über die Zentrale Bußgeldstelle im Steuersäckel des Landes landen, ist laut Polizei keine Aussage möglich. Die veranschlagten Baukosten von 27,5 Millionen Euro für die A 1 auf besagtem Streckenabschnitt dürfte durch die Summe der Bußgelder jedoch nicht ansatzweise gedeckt werden. Dennoch dürfte in der Summe mindestens eine halbe Millionen Euro zusammenkommen – wenn nicht gar wesentlich mehr. Für eine Geschwindigkeitsüberschreitung im Baustellenbereich auf der Autobahn bis 10 km/h ist ein Bußgeld von 20 Euro fällig. Selbst wenn sich alle Temposünder nur am untersten Rand des Bußgeldkatalogs bewegen würden, käme schon eine Summe von mehr als 600.000 Euro zusammen. In Wirklichkeit dürfte es jedoch wesentlich mehr sein. Bis zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 15 km/h beträgt das Bußgeld schon 40 Euro. Zwischen 16 und 20 km/h sind es 60 Euro. Bis 25 km/h zahlt man 100 Euro und ab einer Überschreitung des Tempolimits von 26 km/h könnte neben einem Bußgeld bereits ein einmonatiges Fahrverbot drohen, sofern man in­ner­halb von 12 Mo­na­ten zwei­mal 26 km/h oder mehr zu schnell ge­fah­ren ist. Mengenrabatt: Das Bußgeld über 70 Km\h ist auf 700 Euro gedeckelt.