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Abfallberge vor Haus in Dierscheid: Nachbarn sind erschüttert

Ärgerliches Müllproblem : Ist das alles Müll oder bloße Unordnung? Dierscheider stören sich an Abfallbergen des Nachbarn

Müll verbreitet Gestank und kann Ungeziefer anlocken. Eine häufige und regelmäßige Abfuhr und Entsorgung kann das verhindern. Doch zum Ärger der Anwohner lagert eine Familie in Dierscheid seit Jahren Abfallberge falsch und dauerhaft bis an die Grundstücksgrenzen. Trotz Beschwerden hat sich die Situation bis jetzt nicht gebessert.

Deponie im Wohngebiet: Seit Jahren leiden Anwohner in Dierscheid unter Abfallbergen, die eine Familie in der Nachbarschaft unsachgemäß auf ihrem Grundstück lagert. „Da steht der Dreck bis auf die Straße“, sagt Ortsbürgermeister Dirk Lautwein. Das gesamte Grundstück sei zugemüllt mit Abfällen aller Art und Autoteilen.

Problem sind nicht nur die Massen an Müll, die dort lagern, sondern auch die Art der Lagerung. Lautwein: „Speisereste in der blauen Tonne und Dinge im gelben Sack, die dort gar nicht rein gehören. Das stinkt. Für die Nachbarn ist das kein angenehmer Geruch.“ Die Kommune habe alles versucht. „Wir haben Gespräche geführt, aber es hat sich nichts geändert.“

Das Problem sei seit Jahren bekannt. Die Polizei, das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Wittlich-Land als auch der für die Entsorgung zuständige Zweckverband ART seien bereits involviert und tätig geworden. Trotzdem habe man das Problem bis heute nicht lösen können, sagt Lautwein. „Ich wollte da nicht nebenan wohnen. Die Nachbarn leiden sehr“, sagt der Ortsbürgermeister. Außerdem würden diese Müllberge das Ortsbild runterziehen. Unsere Zeitung hat mit den Nachbarn gesprochen.

Wie Nachbarn unter dem Müll in Dierscheid leiden

„Es ist eine Katastrophe. Da liegt alles“, sagt eine Anwohnerin zu den Müllbergen. „Die haben die ganze Auffahrt zugemüllt. Bis zum Hauseingang gelangen sie nur über einen schmalen Pfad zwischen den Müllbergen. Das ist furchtbar. Man kann es kaum beschreiben.“ Eine andere Nachbarin sagt: „Wir sind davon am stärksten betroffen, da wir den ganzen Tag darauf schauen müssen. Dort lagert sommers wie winters Müll in schwarzen Säcken und das stinkt.“ Die Familie brauche dringend mehr oder größere Mülltonnen, um die anfallenden Abfallmengen zu entsorgen, sagt die Nachbarin. „Jetzt liegen da 20 bis 30 gelbe Säcke. Die bleiben oftmals liegen, weil sie auch Hausmüll darin entsorgen.“ Fotos, die Anwohner aufgenommen haben, zeigen zudem Massen an Sperrmüll, der im gesamten Hof der Familie verstreut lagert.

Doch alle freundlichen Ansprachen, etwas zu ändern, seien wirkungslos geblieben, sagt die Nachbarin. „Ich habe einen Vorgarten, den ich liebevoll pflege. Aber der Zustand dort auf dem Grundstück gegenüber ist unzumutbar und ich rege mich maßlos darüber auf. Unsere Lebensqualität leidet darunter. Das können Sie sich nicht vorstellen.“ Alle Behörden hätten sich die Sache angeschaut, sagt die Nachbarin, „aber niemand bekommt es geregelt.“ Da fragt man sich: Warum nicht? Unsere Zeitung konfrontiert das Ordnungsamt sowie auch das zuständige Entsorgungsunternehmen, den Zweckverband ART, mit dem Müllproblem in Dierscheid.

VG Wittlich-Land sieht ART in der Pflicht

Das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Wittlich-Land sieht das Problem wie folgt: Im vorliegenden Sachverhalt bestehe die Problematik, dass die Abfälle auf einem privat genutzten Grundstück in Dierscheid in nicht vorgesehener Art und Weise gesammelt und der Abfall nicht ordnungsgemäß getrennt würde. „Diese Problematik besteht schon seit Längerem. Dabei ändert sich das Ausmaß der Abfallmenge von kleineren bis zu größeren Mengen.“ Dem Ordnungsamt ist der Sachverhalt seit 2018 bekannt. Was ist seither passiert? In unterschiedlichen Abständen seien vor Ort Kontrollen durchgeführt worden, erklärt die Verwaltung, unter anderem auch durch die Polizei. „Außerdem fanden Lichtbilddokumentationen und persönliche Gespräche mit den Grundstückseigentümern statt.“

Zudem habe das Ordnungsamt die „Ordnungswidrigkeiten-Abteilung“ des Entsorgers ART informiert. „Im Ergebnis hatte sich die Situation in der Folge unserer Bemühungen immer etwas gebessert. Die Verbesserungen hielten aber nicht dauerhaft an. Deshalb wurde der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier weiterhin von uns informiert.“

Demzufolge sei im Jahr 2021 ein Verfahren des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers gegen den Grundstückseigentümer eröffnet worden. Denn gemäß Landeskreislaufwirtschaftsgesetz sei der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger zuständig, sagt die Verwaltung.

Das Ordnungsamt der VG Wittlich-Land unterstütze den ART beispielsweise mit Lichtbilddokumentationen. Doch weitere Befugnisse habe das Ordnungsamt auf einem privatem Grundstück nicht. „Allerdings weisen wir den Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier fortlaufend auf die Missstände auf dem genannten Grundstück in Dierscheid hin“, so die Verwaltung. Zuletzt sei das mit einer E-Mail Mitte September und einem Verweis geschehen, „dass das bereits eröffnete Verfahren aus 2021 nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation vor Ort geführt hat“.

Zweckverband ART: Ist das Müll oder Unordnung auf dem Grundstück in Dierscheid?

Der für den Landkreis zuständige Müllentsorger ART befasst sich nach eigenen Angaben bereits seit Februar 2021 mit dem „Vorgang“. „Der Zweckverband wurde von der Polizeiinspektion über den Vorgang informiert. Seither setzte der ART im Rahmen seiner Zuständigkeit regelmäßig abfallrechtliche Maßnahmen ein, um ordnungsgemäße Zustände wiederherstellen zu lassen.“ Zuletzt habe eine Vor-Ort-Überprüfung am 18. Oktober stattgefunden.

Beim Anblick, der sich dort bietet, müsse allerdings zwischen Abfällen und Unordnung differenziert werden. Sofern es sich bei den gelagerten Dingen nicht um echte Abfälle handele und von den Gegenständen keine Gefahr für Dritte oder die Umwelt ausgehe, obliege es dem Grundstückseigentümer, was er auf seinem Grundstück wie lagere, erklärt der Zweckverband.

Insofern habe der ART bezogen auf den anerkannt nicht wünschenswerten Gesamteindruck keinen Einfluss.

Demnach sind Unordnung und Chaos auf privatem Grund und Boden kein Vergehen. Was nun genau Müll, Sperrmüll oder nur altes Mobiliar und Gerümpel ist, lässt sich nach Angaben des Zweckverbands kaum unterscheiden. Es besteht also kaum Hoffnung, dass sich die Situation der Anwohner, die dieses Chaos tagtäglich anschauen müssen, verbessern wird.