Abi-Streich: Schulleitung ruft die Polizei

Das hat es in der 437-jährigen Geschichte des Gymnasiums Traben-Trarbach noch nicht gegeben. Als die frischgebackenen Abiturienten, wie jedes Jahr üblich, sich mit einem lustigen Abi-Streich verabschiedeten, rief die Schulleitung die Polizei.

 Noch feiern die Schüler fröhlich ihren Abi-Scherz. Kurze Zeit später trifft nach Anforderung der Schulleitung die Polizei ein. Foto: privat

Noch feiern die Schüler fröhlich ihren Abi-Scherz. Kurze Zeit später trifft nach Anforderung der Schulleitung die Polizei ein. Foto: privat

Traben-Trarbach. Der Abi-Streich am Gymnasium Traben-Trarbach hat Tradition. Jedes Jahr feiern die Schüler nach bestandener Prüfung ausgelassen und "ärgern" ein bisschen die Lehrer. In diesem Jahr endete der Streich mit einem Eklat. Gestern Morgen kurz nach 8 Uhr fuhr ein Streifenwagen der Polizei vor. Die Schulleitung hatte diese darum gebeten, für Ruhe zu sorgen. "Da war nicht viel. Es gab auch kein Palaver. Nur die Musik war bisschen laut. Die haben wir dann abgestellt. Eigentlich war das überhaupt keine Polizeisache", so ein Polizeibeamter gegenüber dem TV.

Schulleiter Heinz Herrmann verteidigt die drastische Maßnahme. Er habe am Abend zuvor den Schülern gesagt, dass ein Abi-Streich verboten sei. Herrmann gegenüber dem TV: "Abi-Streiche sind keine Schulveranstaltung." Es habe in den Vorjahren Vorfälle gegeben, bei denen Schüler - unter anderem durch einen Böller - verletzt worden seien. Nach Aussagen mehrerer Schüler, die nicht genannt werden wollen, weil sie für sich oder jüngere Geschwister Nachteile befürchten, wurde der Abi-Streich bereits am Dienstagabend vorbereitet. Rund 50 der 84 Abiturienten hatten mit Holzpaletten und Planen vor der Eingangstür der Schule einen Tunnel gebaut. Gestern Morgen versammelten sich fast alle Abiturienten gegen 7 Uhr an der Schule, um die Schüler und Lehrer zu empfangen. Viele der Abiturienten hatten weiße Kittel an, denn das Motto lautete: "Reif für die Anstalt". Schüler und Lehrer sollten durch den Tunnel kriechen. Dabei wollten die Schüler Kuchen und Wackelpudding reichen. Aus Musikboxen tönte gleichzeitig laute Musik. Ein Lehrer hatte laut Aussagen der Schüler noch grünes Licht für den Streich gegeben. Wenn der Streich "etwas Ordentliches" sei, könnten sie den in den ersten beiden Schulstunden durchführen. Es würden in dieser Zeit auch keine Klassenarbeiten geschrieben. Doch nach dem Polizeieinsatz war die Stimmung bei den Schülern auf dem Tiefpunkt - zumal die Schulleitung ihnen mit Hausverbot drohte.

Eine Schülerin gegenüber dem TV: "Die Polizei zu rufen, war total überzogen. Unser Abi-Streich war verglichen mit anderen völlig harmlos." Die Schüler sind maßlos enttäuscht und überlegen, ob sie bei der offiziellen Schul-Abifeier am Freitag die Turnhalle betreten sollen.

Jürgen Römer, Abi-Jahrgang 1976 und Vater einer Abiturientin, ist empört über die Schulleitung: "So macht man aus potenziellen Freunden und Förderern des Gymnasiums enttäuschte Gegner. Hoffentlichen denken die Schüler mehr an die vielen guten Lehrer und positiven Erlebnisse und bleiben der Schule verbunden."

MEINUNG

Überreagiert

Was müssen das für schreckliche Schüler sein, denen man am letzten Tag ihrer 13-jährigen Schulzeit mit Hausverbot droht und wegen denen die Schulleitung sogar die Polizei rufen lässt. Und das nur wegen eines harmlosen Abi-Scherzes. Nein, mit dieser völlig überzogenen Aktion hat die Schulleitung des Traben-Trarbacher Gymnasiums völlig überreagiert. Die Schüler werden, wenn sie einst an ihre Schule zurückdenken, nicht nur Gutes berichten können. Sie wollten sich wie alle Entlass-Jahrgänge vor ihnen mit ein bisschen Schabernack verabschieden. Mit ihrer Aktion haben sie Humor bewiesen, der der Schulleitung offenbar völlig fehlt. w.simon@volksfreund.de

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